
Durch die neue Wärmetransportleitung zwischen St. Andrä, Wolfsberg und Frantschach-St. Gertraud soll ein Fernwärmenetz entstehen.
Die Kärntner Elektrizitäts-Aktiengesellschaft (Kelag) plant eine viereinhalb Kilometer lange Fernwärmetransportleitung im Lavanttal, um die bestehenden Netze von Wolfsberg beziehungsweise Frantschach-St. Gertraud und St. Andrä zu verbinden. Mit einer Trassenlänge von rund 68 Kilometern und einem jährlichen Wärmeabsatz von etwa 70 Millionen Kilowattstunden – das entspricht dem Bedarf von etwa 10.000 Haushalten – entsteht eines der größten Fernwärmesysteme der Region, das mittelfristig auf ein Versorgungsvolumen von 15.000 Haushalten anwachsen soll. Die Investitionssumme, die die Kelag für den neuen Abschnitt in die Hand nimmt, beträgt rund 11 Millionen Euro. Die Fertigstellung ist für Ende 2027 geplant.
Dazu fand gestern im Biomasseheizwerk St. Andrä ein Pressegespräch statt, bei dem Maria Knauder, Bürgermeisterin von St. Andrä (SPÖ), Alexander Radl, erster Vizebürgermeister von Wolfsberg (SPÖ), Gottfried Joham, Geschäftsführer der Mondi Frantschach, Reinhard Draxler, Vorstand der Kelag, sowie Adolf Melcher, Sprecher der Geschäftsführung der Kelag, ihre Standpunkte darlegten. Die neue Verbindung soll die Nutzung industrieller Abwärme und Biomasse optimieren. „Die mit großem Abstand wichtigste Wärmequelle bleibt die industrielle Abwärme von Mondi Frantschach. Doch in den Wintermonaten reicht diese nicht vollständig aus, um den Bedarf zu decken“, erklärt Melcher: „Mit der neuen Transportleitung können wir in Zukunft den gesamten Bedarf ohne Erdgas und Heizöl decken.“ Ein weiteres Ziel ist es, die Versorgungssicherheit zu erhöhen. „Störungen im Verteilnetz haben in der Vergangenheit zu Problemen geführt. Mit dem neuen System verfügen wir über zwei Hauptwärmequellen, die Abwärme von Mondi und das Biomasseheizwerk St. Andrä“, betont Melcher, der zumindest „keine unmittelbaren Tarifänderungen“ für den Endverbraucher durch den Millionenausbau sieht.
Draxler hebt dieBedeutung der Fernwärme für die Energiewende hervor: „Mit unserer intelligenten Neukonzeption können wir Abwärme und Biomasse noch stärker nutzen und fossile Energieträger ersetzen, ohne Komfortverluste für unsere Kunden. Das zeigt, dass gemeinsam mit Partnern ein klimaverträgliches Wärmesystem geschaffen werden kann.“ Es ist ihm wichtig zu betonen, dass „aus Abwärme etwas sehr, sehr Wertvolles gewonnen werden kann“. Auch die Stadtgemeinde Wolfsberg steht hinter dem Projekt. „Die Verbindung der Fernwärmesysteme ist ein bedeutender Meilenstein für die nachhaltige Energieversorgung im Lavanttal“, sagt Wolfsbergs Vizebürgermeister Radl in Vertretung für den erkrankten Bürgermeister. Neben den Gemeinden St. Andrä, Wolfsberg und Frantschach-St. Gertraud, auf deren Einvernehmen die Kelag angewiesen ist, ist der Papierhersteller Mondi Frantschach ein Schlüsselpartner in diesem Projekt. Geschäftsführer Joham betont: „Wir setzen eine 40-jährige Partnerschaft mit der Kelag fort und freuen uns, dass wir in Zukunft noch mehr Abwärme liefern können.“ Knauder hebt die nachhaltige Wirkung des Projekts hervor: „Die Verbindung der Netze ist ein wichtiger Schritt für die Region. Besonders erfreulich ist, dass das Biomasseheizwerk in St. Andrä eine zentrale Rolle übernimmt.“
von Gerfried Ambrosch
Kurier