Lungau bekommt neue Umspannwerke

2. April 2025, Tamsweg

Die Versorgung des Lungaus basiert auf einem einzigen Umspannwerk. Zwei sollen dazukommen, um die Versorgung zu sichern. Die Netze sind teilweise überlastet.

Im noch jungen Gewerbegebiet Mörtelsdorf dürften bald die Bagger auffahren. Es ist jedoch kein neuer Betrieb, der sich niederlassen möchte. Vielmehr plant die Salzburg AG in Gestalt ihres Tochterunternehmens Salzburg Netz GmbH den Bau eines Umspannwerks. „Es ist alles auf Schiene“, sagt der Tamsweger Bürgermeister Wolfgang Pfeifenberger (ÖVP). „Der Standort ist gut. Der Eigentümer hat den Grund verkauft, die nächsten Nachbarn sind weit genug entfernt.“ Die Bürgerinnen und Bürger von Tamsweg würden immer mehr Strom in die Netze einspeisen. „Gerade bei Photovoltaik auf den Dächern sind wir top.“ Eine entsprechende Netzstabilität sei wichtig.

Die Salzburg AG bestätigt die Pläne im Lungauer Bezirksort, eine Umsetzung sei in den kommenden Jahren vorgesehen. Im Bundesland Salzburg sind aktuell 28 Umspannwerke in Betrieb. Ein weiteres befindet sich in Dienten gerade im Bau. Hinsichtlich des Zuwachses im Bereich der erneuerbaren Energie geht die Salzburg AG von einer Erweiterung auf rund 34 Anlagen bis zum Jahr 2032 aus.

Im Lungau basiert die Versorgung auf einem einzigen Umspannwerk, jenem in St. Michael. Das soll sich ändern: Neben Tamsweg ist auch in Mauterndorf ein Projekt in Anbahnung. „Wir sind in guten Gesprächen“, sagt Bürgermeister Herbert Eßl (ÖVP). Die Salzburg AG habe bereits ein Grundstück erworben, die Gemeinde biete einen Grundtausch an. „Wir hätten das Bauwerk lieber im Gewerbegebiet als im Grünland“, sagt Eßl. Es sei noch Zeit für Verhandlungen, da Mauterndorf erst nach Fertigstellung von Tamsweg gebaut werden solle.

Der Landesenergieversorger beziffert die Kosten für ein neues Umspannwerk mit einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Neue Anlagen und Leitungen seien essenziell, um die Stromversorgung abzusichern. „Im Frühjahr ist an Tagen mit geringem Strombedarf und hoher Einspeisung aus Photovoltaik und Wasserkraft die Netzbelastung sehr hoch“, sagt Salzburg-AG-Sprecherin Saskia Heller.

An sonnigen Wochenenden im Mai und im Juni übersteige die Einspeisung den Bedarf bereits um ein Mehrfaches. „Vor allem um zu diesen Zeiten weiterhin eine sichere Versorgung zu gewährleisten, braucht es die neuen Umspannwerke und Leitungen.“

Die Anlagen verbinden unterschiedliche Netzebenen. Transformatoren erhöhen die elektrische Spannung für den überregionalen Transport (220 oder 380 kV) und verringern sie für die überörtliche und örtliche Verteilung. Dadurch entsteht mehr Flexibilität im Stromnetz.

Anrainer müssten sich nicht vor Lärm oder anderen Störfaktoren fürchten, betont Heller. „Neu errichtete Umspannwerke werden komplett eingehaust und sehen von außen wie ein normales Haus bzw. ein Gewerbegebäude aus.“ Die Errichtung sei grundsätzlich auch in Wohngebieten möglich.

Im Lungau wird gemutmaßt, dass der Standort Mauterndorf auch mit einem eventuellen Windpark auf dem nahen Fanningberg zusammenhängen könnte. Die Lungauwind GmbH hat dort ein Projekt entwickelt, das seit Jahren auf Eis liegt. Die Frage, ob die Salzburg AG das Projekt übernehmen könnte, beantwortet das Unternehmen kryptisch: „Es gibt bekanntlich Hinweise, dass neben Standorten in anderen Bezirken auch der Lungau gute Voraussetzungen für die nachhaltige, regionale Stromerzeugung aus Windkraft bietet. Die Aufgabe der Salzburg AG als regionaler Energieversorger ist es, im Sinne der Energiewende alle umweltverträglich nutzbaren Windpotenziale im Bundesland zu sondieren. Dazu gehören zuallererst vor allem auch offene Gespräche mit möglichen Grundeigentümern, Partnern sowie den Gemeinden und anderen Interessengruppen.“

von Michael Minichberger

Salzburger Nachrichten