Nächster Anlauf für Kaunertal-Kraftwerk

2. April 2025, Innsbruck

Auch ohne Wasserableitungen aus dem Ötztal ist Pumpspeicher Versetz laut Tiwag unbedingt notwendig.

Das Unterstufenkraftwerk Prutz 2, das Kraftwerk Imst 2 sowie die geplanten, aber im Ötztal vehement abgelehnten Wasserableitungen aus dem Ötztal bleiben vorerst in der Schublade. Sie sind aber nach wie vor Teil der Umweltverträglichkeitserklärung. Den Ausbau des Kaunertalkraftwerks zu einem Pumpspeicherkraftwerk hat der Landesenergieversorger Tiwag davon abgekoppelt und am Montag zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingereicht.

Die Umweltbehörde des Landes prüft jetzt, ob die Teilung überhaupt rechtlich umsetzbar und genehmigungsfähig ist. Hieß es früher von der Tiwag, dass die Erweiterung des Kaunertals nur durch weitere Zuflüsse aus dem Ötztal wirtschaftlich Sinn macht, so habe sich die energiewirtschaftliche Situation in den vergangenen drei Jahren komplett geändert, wie Tiwag-Bauvorstand Alexander Speckle erklärt. Und politisch musste die Tiwag ihre Strategie ebenfalls neu ausrichten, zu groß ist der Widerstand im Ötztal („Das Ötztaler Wasser muss im Ötztal bleiben“).

Ob die Wasserableitungen noch einmal ein Thema werden, darüber gab Speckle nur ausweichende Antworten. „Das wird sich zeigen“, sagte er. Derzeit wird eine Hochwasserstudie im Ötztal erstellt, die auch diese Fragen beleuchtet.
Den neuen Pumpspeicher Versetz mit dem Speicher Platzertal bezeichnet der Tiwag-Vorstand allerdings als Herzstück der Erweiterung. Rund 1,6 Milliarden Euro nimmt die Tiwag dafür in die Hand. „Der Speicher ist so konzipiert, dass er mit seiner Leistung und Speicherkapazität rund 160 Stunden lang volle Energie liefern kann. Der Speicher Platzertal mit 42 Mio. Kubikmetern Wasser ermöglicht es, das Pumpspeicherkraftwerk Versetz mit seiner hohen Leistung von rund 400 Megawatt auch über längere Zeit durchgängig entweder im Pump- oder im Turbinenbetrieb zu betreiben.“ Nachsatz: Mit seiner hohen Speicherkapazität für Wind-und Solarstrom werde der Pumpspeicher Versetz einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität und zur sicheren Stromversorgung leisten.

WWF übt harsche Kritik

Mit Widerständen wird die Tiwag aber auch mit der abgespeckten Variante konfrontiert. Stein des Anstoßes ist das Platzertal. Die „Initiative einzigartiges Platzertal“ mit namhaften Vertretern aus der Landwirtschaft wehrt sich gegen den geplanten Speicher. Die Umweltorganisation WWF kritisiert die UVP-Einreichung des Kraftwerksprojekts als „fahrlässig und verantwortungslos”. Für das Projekt würden wertvolle Moorflächen zerstört werden, lautet der Vorwurf.
„Trotz einiger Andersdenkender wird die Masse unsere Pläne und Argumente verstehen.“
Alexander Speckle (Tiwag-Bauvorstand)

Tiroler Tageszeitung