Energie-Pioniere aus dem Weinviertel

5. Jänner 2026, Nappersdorf

Die eFriends Energy GmbH mit Sitz im Bezirk Hollabrunn machte als erstes Unternehmen Stromtausch unter Freunden und Nachbarn möglich. 2026 wagt der Energieversorgen den Schritt ins Ausland.

Seit dem 1. Jänner 2026 ist das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Österreich in Kraft. „Das, was man bei uns seit zehn Jahren machen kann, ist jetzt in einem Gesetz verankert“, sagt Klara Dimmel, Gründerin und Geschäftsführerin der eFriends Energy GmbH.
Das Konzept klingt einfach: Die Bürger, als die „eFriends“ sollen ihren Strom regional von anderen „eFriends“, vom Nachbarn oder von der Familie, beziehen können. Sie sollen in Echtzeit wissen, wann wie viel Strom verfügbar ist. Das war die Idee, die in der Silvesternacht 2012 geboren wurde. Denn damals wollte der Verein „Energiebündel Weinviertel“ ein Förderansuchen für ein Photovoltaik-Projekt einreichen. Doch es gab Probleme mit dem Internet, der Förderantrag ging nicht durch.


„Wir wollten etwas anderes machen“, schildert Dimmel, wie die Idee des Energy Sharings geboren wurde. Die Idee kam an, dennoch mussten die eFriends beweisen, dass ihr Produkt wirklich funktioniert. „Wir haben unsere Freunde und Bekannte gefragt, ob sie den Energieversorger wechseln wollen.“ Denn das waren die eFriends, ein Energieversorger.


Erste in Europa


„Wir waren die Ersten, die so etwas in Europa aufgebaut haben“, weiß Dimmel, die das Unternehmen mit Matthias Katt führt, dass „wir schon vor dem Puls der Zeit da waren“. Das neue ElW-Gesetz, das auch unter „Günstiger-Strom-Gesetz“ (GStG) bekannt ist, sei nun der Beweis, dass sich die eFriends schon damals am richtigen Weg befanden.
Das ElWG fördert unter anderem flexibles Verhalten durch dynamische Tarife und stärkt Energiegemeinschaften, um Netze zu entlasten. „Wir sind stolz, dass wir den Grundstein dafür gelegt haben“, sagt die Geschäftsführerin. Bei den eFriends sind die Tarife transparent, die Mitglieder suchen sich die Tarife selbst aus und wissen zu jeder Zeit, was sie für den Strom bezahlen.


Um einen Beitrag für die Energiewende zu leisten, müsse jeder sein Verhalten ändern. „Das geht nur, wenn du siehst, dass Strom da ist“, erklärt Dimmel die Philosophie ihrer Organisation. Der Energieversorger stellt dafür viel Technik bereit, mit der es einfach wird, den Ökostrom zu verteilen und zu konsumieren.
Da gibt es etwa die eFriends WATCH+, die als smarter Begleiter für nachhaltige Stromnutzung in der eFriends-Community beschrieben wird. Ein innovatives Produkt, das es nur beim Energieversorger aus Nappersdorf gibt.
Egal, ob Produzent oder Konsument: Die eFriends WATCH+ zeigt immer an, wie viel sauberer Strom gerade zur Verfügung ist. Und mit der eFriends-Web-App wird nachhaltiger Strom verteilt.


4.000 eFriends


Derzeit besteht die eFriends-Community aus etwa 4.000 Usern in ganz Österreich. Genau das sei der Vorteil, den die eFriends gegenüber einer Energiegemeinschaft haben, so Dimmel: „Es braucht verschiedene Produktionstypen. Es hilft nichts, wenn alle zur gleichen Zeit Strom produzieren, aber ihn keiner verbraucht.“ Bei den eFriends sind Konsumenten und Produzenten über ganz Österreich verteilt. Im grauen, nebeligen November wurde in Niederösterreich kein PV-Strom produziert. „In Vorarlberg hat aber die Sonne gescheint“, weiß die Geschäftsführerin von einem eFriends mit Photovoltaikanlage im Gebirge. Außerdem gehören zur Community nicht nur PV-Anlagen, sondern auch Wasserkraftwerke oder Biogasanlagen.


Auch wenn die eFriends im ganzen Land vernetzt sind und Stromtausch möglich ist, die Regionalität ist dem Nappersdorfer Energieversorger wichtig. Deshalb profitieren auch alle eFriends-Nutzer, die sich mit Gleichgesinnten im Umkreis von zehn Kilometern verbinden, von einem Netzkosten-Vorteil von circa 35 Prozent im Vergleich zum österreichweiten Durchschnitt.


Die Idee der eFriends fanden viele gut, doch Dimmel und ihre Geschäftspartner mussten einiges an Überzeugungsarbeit leisten und in unzähligen Gesprächen erklären, warum ihre Idee des Energy-Sharings funktioniert.
Erst die Energie-Krise brachte den nötigen Mut – und damit den Aufschwung für den Energieversorger: „Die Leute haben jetzt ein besseres Verständnis dafür, dass unser System gebraucht wird, um unabhängig zu sein.“ Bis dahin war es ein langer, manchmal mühsamer Weg, wie Dimmel zugibt. Darum war die Freude umso größer, „als endlich User auf der Plattform waren, die ich nicht gekannt hab’“, sagt sie schmunzelnd.


Nächster Meilenstein


Derzeit zählt der Energieversorger aus Nappersdorf über 20 Mitarbeiter. „Wir mussten im Vorjahr stark aufstocken, weil die Nachfrage so stark gestiegen ist“, ist die Gründerin froh über ein Team, das das Produkt trage. Die eFriends sind in Österreich Pioniere, was Energie-Gemeinschaften und Energy-Sharing betrifft. 2026 wartet darum der nächste Meilenstein auf das Unternehmen. „Wir wagen den Schritt ins Ausland“, verrät Dimmel im KURIER-Gespräch. Konkret nach Deutschland. Dort sei man, was das Teilen von Energie betrifft, noch sehr weit hinten. „Wir sind überzeugt, es geht in Deutschland genauso gut, wie bei uns, der Markt ist aufgeschlossen“, weiß die Geschäftsführerin. Stolz ist sie, dass „unser Weg zeigt, dass Innovationen nicht nur aus dem Silicon Valley kommen müssen, sondern auch aus Nappersdorf“.

Kurier