
US-Präsident Donald Trump greift direkt in die Ölindustrie Venezuelas ein und sichert sich die Kontrolle über Einnahmen aus dem Verkauf des Rohstoffs. Das südamerikanische Land werde zwischen 30 und 50 Millionen Barrel an sanktioniertem Öl an die USA liefern, kündigte der Republikaner am Dienstag (Ortszeit) auf der Plattform Truth Social an. Das Öl werde mit Schiffen direkt in US-Häfen gebracht werden.
„Dieses Öl wird zu seinem Marktpreis verkauft, und das Geld wird von mir als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika kontrolliert, um sicherzustellen, dass es zum Wohl des venezolanischen Volkes und der Vereinigten Staaten verwendet wird“, schrieb Trump. Energieminister Chris Wright sei angewiesen, diesen Plan „sofort“ umzusetzen.
Rohölmengen werden in Barrel gemessen, also Fässern. Ein Barrel umfasst rund 159 Liter. Trump hatte nach der Gefangennahme und Entmachtung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro am Wochenende erklärt, er wolle totalen Zugang zur Ölindustrie des Landes.
Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuvor am Dienstag von fünf mit der Angelegenheit vertrauten Personen aus US-Regierung, -Industrie und -Schifffahrt erfahren, dass die USA und Venezuela über die Ausfuhr von venezolanischem Rohöl an US-Raffinerien. Ein solches Abkommen könnte Lieferungen von China in die USA umleiten und dem staatlichen, venezolanischen Ölkonzern PDVSA helfen, tiefere Förderkürzungen zu vermeiden. Vertreter der venezolanischen Regierung oder PDVSA äußerten sich zunächst nicht.
Regierung in Caracas unter Druck
Die Gespräche sind das erste Anzeichen dafür, dass die venezolanische Regierung auf die Forderungen Trumps reagiert. Dieser stellt Ölkonzernen Subventionen für den Wiederaufbau der Energieinfrastruktur in Aussicht. Die Regierung habe den Konzernen bedeutet, dass sie für eine Entschädigung für vor zwei Jahrzehnten verstaatlichte Vermögenswerte schnell nach Venezuela zurückkehren und erheblich investieren müssten. Hochrangige venezolanische Vertreter hatten die völkerrechtlich höchst fragwürdige Festnahme Maduros als Entführung bezeichnet. „Trump will, dass dies früh geschieht, damit er es als großen Sieg verkaufen kann“, sagte eine der Quellen aus der Ölindustrie.
Für Venezuela sind die Verhandlungen dringend, da das Land wegen einer von Trump verhängten Blockade auf Millionen Barrel Öl sitzt. Dem Konzern PDVSA geht der Lagerraum aus, weshalb die Produktion bereits gedrosselt werden musste. Unklar war zunächst, wie die mit Sanktionen belegte PDVSA Geld aus den Ölverkäufen erhalten würde. Den Insidern zufolge werden Verkaufsmechanismen wie Auktionen oder die Ausgabe von Lizenzen an Geschäftspartner von PDVSA erörtert.
US-Innenminister Doug Burgum bezeichnete einen verstärkten Fluss von venezolanischem Schweröl in die USA als großartige Nachricht für die Sicherung von Arbeitsplätzen und die künftigen Benzinpreise. Derzeit werden die venezolanischen Ölexporte in die USA vollständig von Chevron kontrolliert. Der Konzern ist der einzige, der im Rahmen einer US-Genehmigung Rohöl aus dem südamerikanischen Land verschifft.
Venezuela verfügt über die größten bekannten Erdöl-Vorkommen der Welt, bis 2005 war das Land einer der wichtigsten Öllieferanten der USA. Die Lage änderte sich dramatisch, nachdem der damalige sozialistische Staatschef Hugo Chávez 2007 die Industrie weiter verstaatlichte und den Besitz von US-Firmen beschlagnahmte. Trump sagte nach dem Militäreinsatz gegen seinen Nachfolger und linken Parteigänger Maduro, US-Unternehmen würden „reingehen, Milliarden von Dollar ausgeben und die kaputte Infrastruktur reparieren“.
APA/dpa/Reuters




