Begutachtung über die Feiertage

8. Jänner 2026, Salzburg

EU-Vorgabe: Beschleunigungszonen für Ausbau erneuerbarer Energien.


Weitgehend abseits der Öffentlichkeit erfolgt derzeit eine Novelle zum Salzburger Raumordnungsgesetz. Dabei geht es um die Ausweisung von Gebieten, in denen der Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt werden kann. Damit wird eine EU-Vorgabe erfüllt, die Frist läuft bis 21. Februar 2026. Sie ist bereits seit 2023 bekannt, jetzt ist der Zeitdruck extrem. Im Kern geht es darum, dass die Bundesländer dem Bund melden müssen, in welchem Ausmaß Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik bis 2030 ausgebaut werden.


Bis 2030 sollen 135 Hektar PV-Anlagen entstehen


Der zuständige Landesrat Martin Zauner (FPÖ) will politisch vor allem Photovoltaik forcieren. Die Wasserkraft sei schließlich in Salzburg weitgehend ausgereizt, betont sein Ressort. Der Verein Kleinwasserkraft Österreich bestreitet das und argumentiert, schon bei bestehenden Querbauwerken an Flüssen sei eine energetische Nutzung sinnvoll. Die Salzburger Landessprecherin der Kleinwasserkraft, Sophie Uitz, deren Familie zwei Kleinwasserkraftwerke im Lungau betreibt: „Wir brauchen den Mix für die Leistung und die Stabilität der Netze.“ Zauners Parteichefin Marlene Svazek tritt zudem stets gegen Windkraft auf. Somit verbleibt als Ressource die Photovoltaik: Insgesamt sollen vor allem entlang der Autobahnen Anlagen auf 135 Hektar im Freiland errichtet werden, so Zauners Büro.


Ingrid Eichberger, Geschäftsführerin des Naturschutzbundes Salzburg, platzte zu Neujahr 2026 der Kragen. „Seit Ende 2023 hatte das Land Salzburg Zeit, Gebiete auszusuchen und mit Akteuren zu diskutieren, um Konflikte zu minimieren. Jetzt hat das Jahr 2026 begonnen und die Öffentlichkeit weiß noch immer nicht genau, welche Beschleunigungsgebiete ausgesucht worden sind“, kritisierte sie. Für eine Organisation, die viel auf ehrenamtliches Engagement angewiesen sei, sei eine Begutachtung über die Feiertage besonders unangenehm. Ähnlich sei es vor gut einem Jahr beim Gesetz zur Beschneidung der Landesumweltanwaltschaft gewesen und auch im Sommer 2024 beim Naturschutzgesetz.
Ähnlich sieht es die Klubchefin der Grünen im Landtag, Martina Berthold: „Man hat sich damit viel zu lange Zeit gelassen. Wir wehren uns dagegen, dass Klimaschutz gegen Natur- und Umweltschutz ausgespielt werden. Bevor Beschleunigungsgebiete ausgewiesen werden, braucht es genaue Prüfungen.“

GERALD STOIBER

Salzburger Nachrichten