Der unaufhaltsame Durst nach Öl

12. Jänner 2026

Schwarzes Gold. Obwohl erneuerbare Energien boomen, steigt der Verbrauch von Erdöl weltweit – bald vielleicht sogar in Rekordhöhe.

Das Öl sollte schon mehrmals ausgehen. Die US-Vorräte würden nur noch bis zum Jahr 1878 reichen, warnte der Staatsgeologe von Pennsylvania vier Jahre zuvor. Und auch Marion King Hubbert versuchte sich einst an einer Prognose: Er sagte 1956 vorher, dass die Ölförderung 1970 ihren Höhepunkt erreichen und danach sinken würde. Es kam bekanntermaßen anders. Reserven wurden falsch eingeschätzt, neue Technologien erschlossen Ölquellen, die zuvor unerreichbar gewesen waren.


Anstieg bis 2050


Die aktuellste Prognose stammt von der Internationalen Energieagentur (IEA). Die Organisation rechnet in ihrem „World Energy Outlook 2025“ damit, dass der globale Erdölverbrauch bis 2050 sogar noch steigen wird, und zwar auf ein Rekordhoch von rund 113 Millionen Barrel pro Tag. Vorausgesetzt, es werden keine weiteren Klimaschutz- und Energiewende-Maßnahmen ergriffen. Das sind um circa 13 Prozent mehr als heute.


Die geopolitischen Folgen dieses unaufhaltsamen Durstes nach Öl zeigen sich gerade in Venezuela: US-Präsident Donald Trump sicherte sich in einem völkerrechtswidrigen Angriff die weltweit größten Rohölreserven. 303 Milliarden Barrel sollen in dem südamerikanischen Land unter der Erde schlummern (siehe Grafik rechts). So viel wie in keinem anderen Land.


„Erdöl ist nicht wegzudenken. Jeder Lebensbereich – bis hin zur Zahnpasta – wird davon bestimmt“, sagt Energieexperte Johannes Benigni. Schwellenländer wie Indien und südostasiatische Staaten sind die entscheidenden Treiber des steigenden Verbrauchs. Das starke Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum – in Kombination mit fehlenden alternativen Energiequellen – ist dafür verantwortlich.


Auch China ist nach wie vor stark von fossilen Brennstoffen abhängig (allen voran von Kohle), auch wenn der Ausbau erneuerbarer Quellen wie Sonnenenergie, Wind- und Wasserkraft rasanter vorangeht als in vielen anderen Ländern.
„In Europa und den USA ist der Höhepunkt schon erreicht. Aber auf anderen Kontinenten wird die Nachfrage nach Öl noch steigen“, sagt Benigni. Denn weltweit hätten immer noch Hunderte Millionen Menschen im globalen Süden keinen Zugang zu Energie.


Rückgang in Österreich


In Österreich ist der Erdölverbrauch seit Jahren leicht rückläufig. Trotzdem werden noch 59 Prozent des heimischen Energiebedarfs laut Österreichischer Energieagentur von fossilen Brennstoffen gedeckt – davon hat Erdöl mit 35 Prozent den größten Anteil. Bezogen wird das Öl aus Kasachstan, Libyen und dem Irak.
Nicht nur in Österreich, auch weltweit ist der Verkehr der Sektor mit dem größten Erdölverbrauch. „Deshalb wird sich ein Großteil der Energiewende im Mobilitätssektor abspielen“, sagt Benigni. Doch ausgerechnet hier gibt es derzeit viel Gegenwind. Erst im Dezember hat die EU das für 2035 geplante Verbrenner-Aus abgesagt. Der Absatz von E-Autos schwächelt. Immerhin hat sich die EU darauf geeinigt, bis 2040 die Treibhausgase um 90 Prozent zu drosseln – was die Verwendung von Erdöl de facto abschafft.

Kurier