Industriestrom – Wallner: „Wir müssen mitziehen“

13. Jänner 2026, Bregenz

Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) pocht auf die Einführung eines Industriestrompreises auch in Österreich, sollte Deutschland einen solchen reduzierten Tarif für Unternehmen einführen. „Wir haben mitzuziehen“, sagte Wallner am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Christof Germann, dem Vorstandsvorsitzenden des landeseigenen Energieversorgers illwerke vkw. Der Energiekonzern wird 2026 rund 400 Mio. Euro investieren.

Wallner begründete seine Haltung insbesondere mit einem Verweis auf die Wettbewerbsfähigkeit „mit einem unmittelbaren Nachbarn“. Die deutsche – noch nicht in Kraft befindliche – Regelung sieht vor, dass Industrieunternehmen für die Hälfte ihres Verbrauchs einen Strompreis von lediglich fünf Cent pro Kilowattstunde bezahlen – das ist knapp die Hälfte des Strompreises von illwerke vkw. Den Einnahmenentgang für die Energieversorger soll auch in Österreich der Bund ausgleichen. Laut Wallner würden sich die Kosten auf etwa 150 bis 160 Mio. Euro belaufen. Die Frage sei nicht ob, sondern wie man das anpacke, so Wallner. Er hielt jedenfalls ein „Hinterfragen der Elektrizitätsabgaben“ für den richtigen Ansatz, einen Direktzuschuss konnte er sich nicht vorstellen.

Günstiger Stromanbieter bleiben

Grundsätzlich will die illwerke vkw AG auch in diesem Jahr einer der österreichweit günstigsten Stromanbieter bleiben, betonte Germann. Ein durchschnittlicher Haushalt (Verbrauch: 3.500 Kilowattstunden/Jahr) in Vorarlberg bezahle aktuell 810 Euro im Jahr, in Österreich seien es im Schnitt 1.090 Euro. Neue Produkte, die auf das im Dezember neu beschlossene Elektrizitätswirtschaftsgesetz abgestimmt sind, werde man im Februar vorstellen. Ab April wird es jedenfalls keine Unterscheidung zwischen Tag- und Nachtstrom mehr geben, von April bis Dezember gibt es zwischen 10.00 und 16.00 Uhr – wenn besonders viel Photovoltaik-Strom eingespeist wird – einen um 20 Prozent reduzierten Netztarif.

Als Großprojekt im heurigen Jahr nannte Germann die Erneuerung der 70,9 Kilometer langen 220-kV-Freileitung, die nach Deutschland führt. Wallner und Germann unterstrichen die Bedeutung des deutschen Strommarkts für das Unternehmen, auch im Sinne der Versorgungssicherheit. Das diesbezügliche Behördenverfahren läuft. Zur Jahresmitte soll außerdem das „Lünerseewerk II“ in die Umweltverträglichkeitsprüfung gehen. Bis 2036 soll im Montafon um 2,65 Mrd. Euro Österreichs größtes Pumpspeicherkraftwerk mit einer Leistung von 1.100 Megawatt im Turbinenbetrieb entstehen. Weiter intensiv beschäftigt ist das Unternehmen zudem mit dem Ausbau seines Glasfasernetzes. Bis 2035 sollen 60.000 Haushalte angeschlossen werden. Gebaut wird nicht nur in den ländlichen Gebieten, sondern auch im Rheintal, „wenn sich die Möglichkeit der Mitverlegung bietet“, sagte Germann. Dafür werden 2026 40 Mio. Euro in die Hand genommen. In die Stromerzeugungsanlagen investiert die illwerke vkw AG im heurigen Jahr rund 200 Mio. Euro, weitere 85 Mio. Euro ins Stromnetz. Die Hälfte der insgesamt 400 Mio. Euro Investitionskapital bleibe im Land, unterstrich Wallner.

Batteriegroßspeicher geplant

Weitere Zukunftsthemen sind für illwerke vkw die Installierung eines Batteriegroßspeichers (400 Megawattstunden) im Bundesland, diesbezüglich soll bis April eine Studie über mögliche Standorte abgeschlossen werden. An einem Wochenendtag im Hochsommer könne bereits der gesamte Stromverbrauch über Photovoltaik abgedeckt werden, mit dem Speicher schaffe man Flexibilität. Auch der Anschluss an das internationale Wasserstoffnetz wird diskutiert. Dieses werde bis 2032 im benachbarten Lindau (Bayern) ankommen. Die Anbindung werde grenzüberschreitend sein und auch die Schweiz und Liechtenstein einbeziehen müssen, zeigte sich Germann überzeugt. Die Umrüstung des Gasnetzes war für Germann nicht die vielversprechendste Variante, vielmehr sprach er sich für die Neuerrichtung einer Wasserstoffleitung aus. Die Gaskunden von illwerke vkw verbrauchen aktuell etwa 2.000 Gigawattstunden jährlich, davon die Hälfte die Industrie. Der Erdgasspeicher von illwerke vkw sei im Moment zu 73 Prozent gefüllt, sagte Germann.

APA