Das Land bevorzugt Photovoltaik entlang der Autobahnen. Die Wahl fiel auf Flächen in acht Gemeinden von Eugendorf bis Zederhaus.
Das Land Salzburg konzentriert sich bei der Umsetzung einer EU-Vorgabe auf Photovoltaik. Konkret geht es um die Ausweisung von Beschleunigungsgebieten im Raumordnungsgesetz, und zwar entlang der Autobahnen. Insgesamt seien Flächen im Ausmaß von 135 Hektar in acht Gemeinden zwischen Eugendorf und Zederhaus herausgefiltert worden, sagte Landesrat Martin Zauner (FPÖ). Die Gesetzesnovelle werden die Regierungsparteien am Mittwoch im Landtag beschließen.
In letzter Minute legt das Land Salzburg damit nun Gebiete fest, in denen Vorhaben zur Erzeugung erneuerbarer Energie beschleunigt umgesetzt werden können. Dabei kommt das Land formal einer EU-Vorgabe durch eine Richtlinie aus Brüssel (nach der Renewable Energy Directive, genannt RED III) nach. Es wird demnach nur auf Sonnenstrom aus sogenannten Agri-PV-Anlagen abgestellt, während andere erneuerbare Energien wie Wind, Wasserkraft, Biomasse oder Erdwärme fehlen. Die Vorgangsweise sei EU-rechtlich zulässig, sagte Landesrat Martin Zauner (FPÖ) am Montag bei der Präsentation des Vorhabens. Das Land werde aber selbst keine Projekte forcieren oder betreiben, sondern das sei Sache der Grundbesitzer und Energieerzeuger. In die Kompetenz der Gemeinden werde nicht eingegriffen, denn ohne Flächenwidmung sei auch neben der Autobahn keine Agri-PV-Anlage möglich. Ähnlich wie Salzburg setzen auch die Steiermark und Tirol bei den Beschleunigungsgebieten nur auf Sonnenstrom.
Die Novelle zum Raumordnungsgesetz zielt auf größere Freiflächen im Nahbereich der Autobahnen ab. Die infrage kommenden Gebiete wurden laut Zauner nach wissenschaftlichen Kriterien von der Leitner & Partner Ziviltechnik GmbH aus Graz, die auf Regionalentwicklung spezialisiert ist, ermittelt. So blieben von ursprünglich rund 900 Hektar letztlich Areale im Ausmaß von 135 Hektar in folgenden acht Gemeinden übrig: Von Nord nach Süd sind dies Eugendorf, Hallwang und Wals-Siezenheim im Flachgau, Kuchl und Golling im Tennengau, gefolgt von Werfen und Flachau im Pongau und schließlich der Lungauer Gemeinde Zederhaus.
Es gibt für solche Agri-PV-Flächen, auf denen weiter eine landwirtschaftliche Nutzung für Grünfutter möglich bleibt, mehrere Ausschlussgründe: Naturschutz-, Landschaftsschutz- oder Europaschutzgebiete sind ebenso ausgenommen wie sensible Vogelzugräume oder Nationalparkgebiet. Weiters dürfen künftige Agri-PV-Anlagen keine Wald- oder Moorflächen, Almen oder siedlungsnahe Nutzungsräume beanspruchen, auch die hochwertigsten landwirtschaftlichen Böden (Stufe 4 und 5) dürfen dafür nicht geopfert werden.
Zauner sagte, mit der Festlegung erfülle das Land Salzburg einen Formalakt, aber inhaltlich hätte man die EU-Vorgabe gar nicht gebraucht. Denn nach dem Masterplan Klima + Energie des Landes 2030 aus dem Oktober 2021 sei das Ziel für Sonnenstrom 500 Gigawattstunden pro Jahr. Derzeit sei man bei 375 GWh und zuletzt habe der Ausbau jedes Jahr 50 bis 100 Megawatt betragen. „Daher hätten wir das Ziel auch ohne EU-Vorgabe erreicht“, betonte Zauner. Diese Vorgaben seien oft auf regionale Gegebenheiten nicht abgestimmt.
Der Eugendorfer Bürgermeister Robert Bimminger (ÖVP) bestätigte auf SN-Anfrage, dass Zauner die Gemeinde über die Pläne für Beschleunigungsgebiete informiert habe. Er fügte aber gleich dazu, dass in Eugendorf bereits eine Agri-PV-Anlage in Betrieb sei. „Wir haben schon eine und werden daher keine weiteren Flächen dafür ausweisen“, so der Ortschef. Derzeit sei das ausreichend. Die Anlage, an der sich auch Bürger beteiligen konnten, wird seit 2024 von der Salzburg AG betrieben. Die pro Jahr erzeugten 2,6 GWh Strom reichen zur Versorgung von 650 Haushalten.
Zum Thema Windkraft bekräftigte Zauner die Linie seiner Partei, dass man diese nicht forcieren wolle. Er hoffe aber durchaus, dass das Projekt Windsfeld in Flachau, für das derzeit die Behördenverfahren laufen, gelinge, dort sei ja eine 110-kV-Leitung in der Nähe. Was auf dem Lehmberg bei Neumarkt geschehe, werde sich zeigen. Aber Salzburg werde wohl in absehbarer Zeit auf etwa 20 Windräder kommen und damit das eigene Ausbauziel erfüllen, so der FPÖ-Landesrat. Die Grünen im Landtag kritisieren die Einschränkung auf Photovoltaik als „Technologieverbot durch die Hintertür“. Zauner sagte dazu, es werde nichts verboten, andere Projekte würden aber nicht gesetzlich bevorzugt: „Photovoltaik gehört primär auf die Dächer, den Boden darf sie jedenfalls nicht versiegeln.“
Aus den österreichischen Verbänden für Windkraft, Photovoltaik und erneuerbare Energie geht der Tenor der Kritik seit Längerem in die Richtung, dass der Bund den Ländern zu wenig Vorgaben mache. Daher gebe es keine einheitliche Strategie und es bleibe viel Ausbaupotenzial liegen. Letztlich beeinträchtige diese Entwicklung das Ziel günstigerer Strompreise. Der PV-Verband kritisierte im Sommer 2025, dass in der Steiermark in den 36 ausgewiesenen Vorrangzonen für PV-Freiflächenprojekte zunächst nur sechs Anlagen errichtet wurden und in Niederösterreich nur acht von 116. Vera Immitzer vom PV-Verband bekräftigte am Montag, es gebe keine klare Strategie. „Ich rede da vielleicht gegen die PV, aber wir brauchen den ganzen Mix.“
Gerald Stoiber
Salzburger Nachrichten



