Österreich sollte dauerhaft zum Strom-Nettoexporteur werden

18. Feber 2026, Wien

Energie. Importe im Winter laut E-Control dennoch kaum vermeidbar.

Der heimische Regulator E-Control hat seinen neuesten Monitoringbericht Versorgungssicherheit Strom vorgelegt. Er beleuchtet, wie sich Österreichs Stromerzeugung und Verbrauch in den vergangenen Jahren entwickelt hat, wie die aktuelle Versorgungslage aussieht und was die Zukunft bringt.
Der wichtigste Befund: Die Stromversorgung in Österreich ist bis 2040 gesichert, wird aber zunehmend wetterabhängiger. Preislich gibt es Entwarnung, das billige Vorkrisen-Niveau kehrt aber nicht zurück.


Bilanzielle Deckung


Die heimischen Laufkraftwerke kamen 2025 nur auf 81 Prozent ihrer üblichen Leistung, während sie im Jahr davor auf 113 Prozent kamen. Laut E-Control-Vorstand zeigt dies die zunehmende Volatilität in der Stromerzeugung. 2024 war Österreich Strom-Nettoexporteur, 2025 wieder Nettoimporteur. Um diese Schwankungen langfristig auszugleichen, ist laut Johannes Mayer, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft, ein massiver Ausbau der Stromspeicher nötig. Die Modellrechnungen ergeben einen Bedarf von rund 18 Gigawatt (GW) an Speicherkapazität bis 2040. „Das ist ungefähr das Dreifache von heute“, so Mayer.


Anhand von Entwicklungsszenarien, wie sie im Österreichischen Netzinfrastrukturplan verankert sind, wurde eine Vorschau auf das Jahr 2040 gewagt. Der Strombedarf sollte künftig jahresbilanziell zu 100 Prozent durch inländische erneuerbare Energien gedeckt werden, sagt Haber: „Unter der Voraussetzung, dass sich die heimischen Erzeuger in den Märkten ähnlich verhalten wie aktuell, zeigt sich, dass sich Österreich über das Jahr hinweg als Netto-Exporteur positioniert, jedoch in den Wintermonaten weiterhin auf Importe angewiesen sein wird.“


Bei den Energiepreisen dämpft die Behörde Hoffnungen auf eine Rückkehr zu den niedrigen Tarifen der Vergangenheit. Für das Jahr 2027 rechnen die Terminmärkte mit einem Großhandelspreis von rund 90 Euro pro Megawattstunde (MWh). Für Haushaltskunden bedeute dies einen reinen Energiepreis (ohne Netzkosten und Steuern) von rund 10 bis 11 Cent pro Kilowattstunde.


Als wesentliche Ursache für das höhere Preisniveau nannte Mayer den Wegfall russischer Lieferungen. Zudem seien die CO2-Preise von früher 10 bis 20 Euro auf nunmehr 70 bis 90 Euro pro Tonne gestiegen. Laut Mayer hätten die höheren Preise aber auch ihr Gutes. Das alte Preisniveau sei nicht kostendeckend für Investitionen gewesen. Ein Preis von 80 bis 90 Euro sei nötig, um den Kraftwerkszubau ohne dauerhafte Förderungen anzureizen.


Pro Merit Order


Einer politischen Debatte über eine Abschaffung des Merit-Order-Prinzips erteilte Mayer eine klare Absage. Der grenzüberschreitende Handel sei essenziell für die Versorgungssicherheit. Würde man den Marktmechanismus aussetzen, fehlten Anreize, in Regionen mit Unterdeckung Kraftwerke zu bauen. „Wenn man möchte, dass Preise sinken, muss man schauen, dass in jenen Regionen, die unterversorgt sind, Kraftwerke gebaut werden“, sagte Mayer mit Verweis auf Südosteuropa. Positiv fällt die Bilanz zur Zuverlässigkeit der Netze aus. Die durchschnittliche ungeplante Nichtverfügbarkeit lag 2024 bei rund 23 Minuten pro Kunde und damit deutlich unter dem Wert des Jahres davor (33 Minuten).

Kurier