Projekt von Austrocel und Verbund soll Wasserstoffwirtschaft ankurbeln.
In der Salzburger Stadt Hallein produziert Austrocel aus Reststoffen der Holzindustrie Biotextilfasern, Biotreibstoffe und andere biobasierte Produkte wie Hydrogel-Granulat für eine bessere Wasserspeicherfähigkeit von Äckern. Unter dem Schlagwort „Circular Zero Waste“ versucht das Unternehmen, jegliche Abfallstoffe in eigene Produktionskreisläufe einfließen zu lassen und möglichst wenig Ressourcen zu verschwenden. Einige Tausend Tonnen Kohlendioxid fielen dennoch als Abgas an. Doch auch dieses soll in Zukunft gewinnbringend verwertet werden.
Biobasiertes Methanol
Gemeinsam mit dem Verbund plant Austrocel den Aufbau eines Bioreaktors, der CO2 mit Wasserstoff kombiniert. Der Wasserstoff soll direkt am Firmengelände neben der Salzach mithilfe von Ökostrom durch Elektrolyse aus Wasser hergestellt werden. Im Synthesereaktor soll ab 2030 flüssiges Methanol entstehen, das in die Produktion von Biotreibstoffen für Kraftfahrzeuge und Schiffe einfließen soll. Auch in vielen anderen Industrien wird Methanol als Grundstoff benö-tigt. Üblicherweise wird Methanol aus Erdgas hergestellt, aus Hallein soll dagegen künftig rein biobasiertes „e-Methanol“ kommen.
„Wir sind wie eine große Schnapsbrennerei“, sagt Austrocel-CEO Wolfram Kalt. „Beim Schnaps-brennen entsteht CO2, und auch bei uns kommt das Gas aus einem Naturstoff. Wir haben uns angesehen, was man daraus machen kann.“ Franz Dieterich, der die Bioraffinerie-Aktivitäten bei Austrocel leitet, merkt an, dass vorhandene Produktionsprozesse hochreines Kohlendioxid ausstoßen. Das habe den Vorteil einer sehr einfachen Weiterverarbeitung.
Verbund an Bord geholt
Mit dem Verbund wurde ein Partner gefunden, der bereit ist, den notwendigen Ökostrom zu liefern und sich mit dem Aufbau eines Elektrolyseurs mit 20 Megawatt Leistung an dem Projekt zu beteiligen. Kalt rechnet mit gesamten Projektkosten von 70 bis 80 Millionen Euro. Für Austrocel, mit 182 Millionen Euro Jahresumsatz und 342 Mitarbeitern, sei dies „keine kleine Nummer“.
Maßgeblich für die Realisierung des Projekts „HyDi“ ist eine staatliche Förderung von 100 Millionen Euro. Sie stammen aus dem im Oktober vom Wirtschaftsministerium angekündigten Fördertopf über 275 Millionen Euro, mit denen Österreich zur „europäischen Drehscheibe für grünen Wasserstoff“ werden soll.
HyDi ist eines von vier Projekten, in die das Geld fließen soll. „Wir schaffen damit eine zentrale Grundlage für eine nachhaltige und leistbare Industrie in Österreich“, ist Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer überzeugt.
Im Falle von HyDi fließt die Förderung in operative Kosten. Pro Kilogramm Wasserstoff sollen dadurch geringere Kosten anfallen, sodass ein Hochlauf der e-Methanol-Produktion leichter gestemmt werden kann. „Die Produktion des Wasserstoffs wäre durch die dafür notwendigen Stromkosten sonst unleistbar“, sagt Kalt. „Methanol-Märkte sind gerade erst im Entstehen.“
Öffentliche Förderung trage dazu bei, dass sich Industrieunternehmen da „drüber trauen“. Für Austrocel bedeutet HyDi einen neuen Biokraftstoff im Portfolio, der das Unternehmen zukunftsfit machen soll.
Kurier





