Vom selbstverständlichen Gut zum Kostenfaktor

27. Feber 2026

Stromkosten. Für Privathaushalte bedeuten steigende Strompreise eine spürbare Mehrbelastung im Alltag. Kosten, über die bewusst nachgedacht werden muss. Gleichzeitig stehen Unternehmen – vor allem energieintensive Betriebe – unter Wettbewerbsdruck.

Steigende Energiekosten, internationale Krisen und die Abhängigkeit von Gasimporten haben dazu geführt, dass Haushalte und Unternehmen deutlich höhere Rechnungen bezahlen müssen als noch vor wenigen Jahren. Die Preisbildung erfolgt über internationale Börsenmechanismen, bei denen häufig das teuerste zur Stromproduktion benötigte Kraftwerk den Marktpreis bestimmt.


Nach einem Höchststand im Jahr 2022 begannen die Großhandelspreise für Strom ab Mitte 2023 wieder zu sinken. Dieser Preisrückgang war hauptsächlich auf gesunkene Gaspreise, die sich nach der extremen Phase der Energiekrise normalisierten und einen höheren Anteil erneuerbarer Energien, der Österreichs Strommix zunehmend prägt und langfristig stabilisieren soll, zurückzuführen. Die Politik setzt auf den massiven Ausbau von Photovoltaik und Windkraft, um die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Das Ziel: Bis 2030 soll der gesamte Strombedarf bilanziell aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden.


Trotzdem bleiben die Endverbraucherpreise auf einem historisch hohen Niveau und werden zu Herausforderungen für Haushalte und Wirtschaft. Denn für energieintensive Betriebe wird Strom zunehmend zum Wettbewerbsfaktor, für Haushalte zur Budgetfrage.


Zusammensetzung


Stromkosten setzen sich aus drei Teilen zusammen. „Das sind einmal die reinen Energiekosten, einmal die Netzentgelte und der dritte Teil sind die Steuern und Abgaben. Als Konsumentin und Konsument kann man sich den Stromlieferanten frei wählen, hat also direkt einen Einfluss darauf, wie hoch die reinen Energiekosten daheim sind und von welchem Anbieter man seinen Strom bezieht. Und der reine Energieanteil sind immerhin etwa 40 Prozent vom Gesamtpreis“, erklärt dazu Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand E-Control.


Wie werden sich die Strompreise heuer entwickeln?
Urbantschitsch: „Derzeit gehen wir davon aus, dass die Strompreise im heurigen Jahr stabil bleiben. Allerdings liegen sie immer noch über dem Niveau wie vor der Krise, also vor 2022. Wenn wir aber einen Ausblick in die Zukunft wagen möchten, so sehen wir für 2027 und danach eher leicht sinkende Strompreise.“


Anbieter wechseln


Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten lohnt es sich, den eigenen Stromvertrag kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls den Anbieter zu wechseln. Die Möglichkeit auf einen anderen Anbieter umzusteigen wird immer häufiger genutzt, wie die Zahlen vom Vergleichsportal durchblicker zeigen: Im ersten Halbjahr 2025 gab es mit rund 200.000 Strom- oder Gasanbieterwechsel einen neuen Rekord.


Neukundenrabatte nutzen


Viele Energieanbieter reduzieren im ersten Jahr ihre Preise durch Neukundenrabatte um mehrere hundert Euro, um möglichst attraktive Angebote zu schnüren. Für Haushalte, die regelmäßig wechseln, ist das eine große Chance: Wer zum Ablauf der Mindestvertragslaufzeit zu einem neuen Anbieter mit Wechselbonus umsteigt, sichert sich so Jahr für Jahr zuverlässig den günstigsten Tarif. Entsprechend beliebt sind Verträge mit Wechselboni: 72 Prozent der Stromtarife wurden 2024 mit einem Bonus abgeschlossen. Laut durchblicker betrug die Reduktion der jährlichen Kosten durch einen Wechselbonus im Durchschnitt 474 Euro.


„Wechselboni sind ein starker Hebel, um die Energiekosten zu senken – vorausgesetzt, man wechselt regelmäßig“, erklärt durchblicker-Energieexperte Stefan Spiegelhofer. Denn wer jetzt nur einmalig vom regionalen Standardanbieter zum günstigsten Stromanbieter inklusive Wechselbonus wechselt, spart in Niederösterreich innerhalb von drei Jahren lediglich 118 Euro. Warum diese Ersparnis nicht höher ist? Der großzügige Wechselbonus gilt nur für das erste Vertragsjahr und fällt in den Folgejahren weg. Der gewählte Stromanbieter ist ab dem zweiten Jahr also deutlich teurer als zu Beginn. „Wir empfehlen darum allen, die vor einem Jahr einen Energievertrag mit Wechselbonus abgeschlossen haben, sich nach einem neuen Vertrag mit Wechselbonus umzusehen“, so Spiegelhofer.


Strompreise sind natürlich auch wichtige Kostenfaktoren für Unternehmen, etwa im Handel, Gewerbe, Gastronomie, aber auch im Büro- oder Dienstleistungsbereich. Je höher der notwendige Energieeinsatz, desto höher sind auch die Kosten – doch desto höher kann auch die Kostenersparnis bei einem Anbieterwechsel ausfallen. Hier zahlt sich ein regelmäßiger Vergleich für Unternehmen besonders aus.


Dynamische Strompreise


In Zeiten der Energiewende und stark schwankender Strompreise rücken dynamische Stromtarife zunehmend in den Fokus. Anders als bei herkömmlichen Fixpreis-Tarifen, werden bei einem Spot-Tarif die Marktpreisentwicklungen in einem stündlichen bzw. viertelstündlichen Intervall weitergegeben und ermöglichen es Kunden durch bewusstes Verbraucherverhalten aktiv Stromkosten zu senken. Bei dynamischen Stromtarifen wird der aktuelle Börsenstrompreis mit all seinen Schwankungen direkt an die Kunden weitergegeben. Zu bestimmten Zeiten ist Strom besonders günstig, etwa nachts oder dann, wenn viel Strom aus Wind- oder Sonnenenergie verfügbar ist. Wer seinen Verbrauch in diese Zeiten verlagern kann, spart. Das betrifft etwa Haushalte mit hohem Stromverbrauch und flexiblen Lasten, z. B. Elektroauto, Wärmepumpe oder programmierbaren Haushaltsgeräten.


Das Problem: Zu den klassischen Stoßzeiten am Morgen und am Abend steigen die Preise enorm. Haushalte, die ihren Stromverbrauch nicht flexibel anpassen können – etwa Familien mit Kindern – zahlen bei diesem Modell mehr als mit einem klassischen Tarif.


Urbantschitsch: „Lohnen können sich dynamische Strompreise prinzipiell für jede Konsumentin und jeden Konsumenten. Man sollte sich allerdings vorher überlegen, inwiefern man sich mit seinem Stromtarif beschäftigen möchte. Dynamische Tarife gehen mit den Börsenpreisen während des Tages mit, das heißt, wenn man einen Teil des Verbrauchs auf billige Stunden verschieben kann, dann macht das Sinn. Deshalb sollte man bei diesem Modell Preise auch immer im Blick behalten. Zu beachten ist natürlich auch, dass dynamische Tarife stark schwanken können, der Winter ist normalerweise um einiges teurer als der Sommer. Aber prinzipiell sind beide Möglichkeiten – also ein Produkt mit Preisgarantie oder ein dynamischer Tarif – gute Möglichkeiten, um die eigene Geldbörse zu entlasten.“

Kurier