Die Marktsituation erlaube es, den Tarif um ein Drittel zu senken – von 15,6 Cent netto auf unter 10 Cent je kWh. Was den Industriestrompreis betrifft, sei die Regierung am Zug, sagt Verbund-Chef Strugl.
Und sie bewegen sich doch, die Strompreise – zumindest was den Energieteil betrifft. Österreichs größter Stromkonzern Verbund hat am Montag eine Senkung der Tarife für Haushalte und Gewerbebetriebe um rund ein Drittel angekündigt. Ab März werden für die Kilowattstunde (kWh) knapp zehn Cent in Rechnung gestellt. Derzeit zahlen Bestandskunden und -kundinnen von Verbund 15,6 Cent je kWh. Dazu kommen noch Steuern und Abgaben sowie Netzgebühren. Letztere werden von der zuständigen Netzgesellschaft eingehoben, wobei die Höhe von der Regulierungsbehörde E-Control festgesetzt wird. „Wir können diesen Schritt jetzt machen, weil im Zuge der Normalisierung der Strompreise uns auch die Beschaffung diesen Spielraum gibt“, sagte Verbund-Chef Michael Strugl am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten.
Ob dies ein Zugeständnis an das öffentliche Interesse an möglichst günstigen Strompreisen sei? „Es ist unser Interesse, dass Kunden und Kundinnen günstige Preise haben. Und wir leisten damit auch einen Beitrag für Österreich“, sagte Strugl. Das neue Strommarktgesetz, das im Dezember beschlossen wurde und gestaffelt 2026 und 2027 in Kraft tritt, sieht, wie berichtet, unter anderem eine „Preis-runter-Garantie“ vor. Diese Regelung soll sicherstellen, dass sinkende Strompreise an der Börse direkt an die Verbraucher weitergegeben werden.
Momentane Entspannung
Laut Strugl werden im Februar alle Bestandskunden von Verbund angeschrieben, um dem „Österreich-Tarif“ zu besagten Konditionen zuzustimmen. Die Ersparnis für einen Durchschnittshaushalt mit 3500 kWh Jahresverbrauch mache ohne Steuern gut 200 Euro aus. Der „Österreich-Tarif“, der wie andere Tarife eine einjährige Bindung vorsieht, stehe Neukunden ebenfalls offen. Es könnte sein, dass es nicht bei der einen Preissenkung bleibt.
An den Strombörsen jedenfalls zeigt die Preiskurve – Stand jetzt – nach unten. Am Freitag beispielsweise wurde Strom zur Lieferung im Jahr 2027 mit 8,9 Cent je kWh gehandelt, für das Jahr 2028 um 8,5 Cent und für 2029 um 8,2 Cent. Das kann sich natürlich durch unerwartete Ereignisse rasch wieder ändern, aber momentan stehen die Zeichen bei den Strompreisen auf Entspannung.
Was den zuletzt wieder heftig diskutierten Strompreis für energieintensive Industriebetriebe betrifft, sei die Regierung am Zug, sagte Strugl. Ausgelöst durch das Vorpreschen von Deutschland, das seinen Betrieben einen Industriestrompreis von fünf Cent je kWh auf drei Jahre garantieren und die Differenz zum Marktpreis subventionieren will, fordern selbiges auch heimische Industrievertreter immer drängender. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) hat erst Sonntagabend in der ORF-Sendung Im Gespräch Verständnis für das Anliegen der Industrie gezeigt, die im internationalen Wettbewerb ansonsten Nachteile habe. Zugleich besteht der Finanzminister aber auf einer Gegenfinanzierung.
Systemkosten senken
In Deutschland, wo aufgrund beihilfenrechtlicher Bedenken der EU-Kommission nur 50 Prozent der verbrauchten Strommenge subventioniert werden sollen, belaufen sich die Kosten dafür auf kolportierte 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Umgelegt auf Österreich wären das etwa 150 Millionen Euro, wobei es stark davon abhängen würde, welchen Industrien tatsächlich das Recht eingeräumt wird, einen Strompreis von netto fünf Cent in Anspruch zu nehmen – und die Mehrkosten dem Staat aufzuhalsen. In Deutschland soll der gestützte Industriestrompreis aus dem Sondervermögen des Bundes finanziert werden, was nichts anderes ist als neue Schulden.
Um langfristig günstigere Strompreise zu bekommen, müssten erneuerbare Energien rasch ausgebaut und die Systemkosten gesenkt werden, sagte Strugl. Durch bessere Koordinierung des Ausbauprogramms und eine sinnvollere Gewichtung der Erzeugungstechnologien könnten 30 bis 40 Prozent der Netzkosten eingespart werden, hätten Modellrechnungen ergeben. Der Verbund-Chef regte in dem Zusammenhang an, den integrierten österreichischen Netzinfrastrukturplan – kurz ÖNIP – dringend zu überarbeiten. Photovoltaik sei darin zu stark gewichtet, Windenergie, die vor allem in den Wintermonaten benötigt werde, zu wenig.
Der Standard




