400 Millionen für Sicherheit und Energie

14. Jänner 2026, Bregenz

Die Illwerke vkw setzen 2026 auf Versorgungssicherheit, leistbare Strompreise und den Ausbau erneuerbarer Energie, um Standort und Wirtschaft zu stärken.



Die Energiewirtschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Geopolitische Entwicklungen, volatile Märkte und neue gesetzliche Rahmenbedingungen rücken Fragen der Versorgungssicherheit, der Leistbarkeit und der Wettbewerbsfähigkeit zunehmend in den Fokus. Bei einem Pressegespräch in Bregenz haben Landeshauptmann Markus Wallner und der Vorstandsvorsitzende der Illwerke vkw, Christof Germann, die strategische Ausrichtung des Landesenergieversorgers für das Jahr 2026 und darüber hinaus vorgestellt.


Wichtiger Standortfaktor. Für Wallner ist Energie längst zu einem zentralen Standortfaktor geworden. „Die Frage der Energie, der Energiesicherheit und der Preise ist heute von extremer Bedeutung für Haushalte und Wirtschaft“, sagte der Landeshauptmann. Vorarlberg verfüge mit den Illwerken vkw über ein Landesunternehmen im hundertprozentigen Eigentum des Landes, das besondere Spielräume eröffne. Ziel sei es, diese Stärken gezielt zu nutzen und weiter auszubauen.


Versorgungssicherheit. In den europäischen Netzen nehme die Volatilität zu, Blackout-Szenarien würden regelmäßig diskutiert. „Ein Blick durch Europa zeigt, dass Versorgungssicherheit wieder ein Riesenthema geworden ist“, so Wallner. Vorarlberg setze daher konsequent auf eine starke Energieproduktion im eigenen Land und auf ein stabiles Netz. Große Investitionen der Vergangenheit würden heute helfen, gleichzeitig müsse weiter vorausschauend geplant werden.


Leistbarkeit. Ebenso zentral ist die Leistbarkeit der Energie. „Wir wollen weiterhin zu den Günstigsten in Österreich zählen und auch im europäischen Vergleich standhalten können“, betonte Wallner. Der Strompreis für Haushalte liege derzeit unter zehn Cent pro Kilowattstunde. Mit Jahresbeginn 2026 seien weitere Entlastungen umgesetzt worden, unter anderem durch gesunkene Netztarife und eine deutliche Reduktion der Elektrizitätsabgabe. Das sei ein wichtiger Beitrag zur Kaufkraft der Haushalte und zur Wettbewerbsfähigkeit des Standortes.


Hohe Investitionen. Ein starkes Signal setzen die Illwerke vkw im Jahr 2026 mit einem Investitionsvolumen von rund 400 Millionen Euro. „Es tut gut zu hören, dass unser Landesunternehmen heuer 400 Millionen Euro in den Standort Vorarlberg investiert“, sagte Wallner. Rund 160 Millionen Euro davon fließen als Aufträge direkt an Vorarlberger Unternehmen. Investiert wird unter anderem in Kraftwerke, Umspannwerke und die Netzinfrastruktur. Ziel ist es, die Versorgungssicherheit zu stärken und gleichzeitig konjunkturelle Impulse zu setzen.


Großprojekte. Parallel dazu laufen die Arbeiten an mehreren Großprojekten. Dazu zählt die Generalerneuerung der 220 Kilovolt-Leitung zwischen Bürs und Hohenweiler, die die zentrale Verbindung zum deutschen Netz darstellt. „Das ist eine Hauptschlagader für Vorarlberg“, sagte Wallner. Die Leitung sichere langfristig den Stromexport und die Nutzung der Vorarlberger Speicherkapazitäten. Die Behördenverfahren sind im Gang, weitere Einreichungen folgen. Das größte Projekt bleibt das geplante Lünerseewerk 2. Die technische Projektentwicklung ist weitgehend abgeschlossen, der Start des UVP-Verfahrens ist für den Sommer 2026 vorgesehen. „Mit zusätzlichen 1100 Megawatt schaffen wir genau jene Flexibilität, die das neue Energiesys-tem verlangt“, erklärte Germann. Pumpspeicherkraftwerke seien entscheidend, um Schwankungen auszugleichen und das europäische Verbundnetz zu stabilisieren.


Erneuerbare Energien. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau der erneuerbaren Energien. Der Endkundenverbrauch in Vorarlberg liegt bei rund 2700 Gigawattstunden pro Jahr. Laut Germann können bereits etwa 1500 Gigawattstunden aus eigener Wasserkraft und aus Bezugsrechten im Land gedeckt werden. Zusätzlich baut die Illwerke vkw ihr Windkraftportfolio aus. „Wir besitzen sieben Windparks in Deutschland mit einem Erzeugungsvolumen von rund 500 Gigawattstunden“, sagte Germann. Dieses Volumen soll mittelfristig auf etwa 1000 Gigawattstunden steigen. Gemeinsam mit der Fotovoltaik nähere man sich damit einer rechnerischen Energieautonomie.


Der steigende Anteil erneuerbarer, aber nicht steuerbarer Energiequellen macht Speicherlösungen immer wichtiger. Neben den Pumpspeichern setzt das Unternehmen auf Batteriespeicher in Vorarlberg. Geplant ist ein zentraler Speicher mit rund 400 Megawattstunden Kapazität. „Die Fotovoltaik ist nicht ansteuerbar, deshalb brauchen wir Flexibilitäten“, so Germann. Ergänzend werden ab 1. Jänner 2026 dezentrale Speicher in Haushalten mit bis zu 500 Euro gefördert.
Industrietarif. Ein weiteres Thema ist die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Wallner verwies auf die Diskussion in Deutschland über einen stark vergünstigten Industriestrompreis. „Wenn unsere Nachbarn solche Modelle umsetzen, müssen wir reagieren können“, sagte er. Österreich werde sich dieser Frage stellen müssen, um im internationalen Wettbewerb nicht ins Hintertreffen zu geraten.


Wasserstoffnetz in Vorarlberg. Langfristig gewinnt auch Wasserstoff an Bedeutung. Der Ausstieg aus fossilen Energieträgern betrifft insbesondere den Gasbereich. Germann rechnet damit, dass das internationale Wasserstoffnetz bis 2032 den Raum Lindau erreicht. „Dann stellt sich die Frage der Anbindung des Rheintals“, sagte er. Nach Prüfung mehrerer Varianten gilt eine eigene Wasserstoffleitung als sinnvollste Lösung, abgestimmt mit Partnern in der Schweiz und in Liechtenstein.


Energiezukunft gestalten. Daneben investieren die Illwerke vkw auch in weitere Infrastrukturen. Der Ausbau des Glasfasernetzes soll bis 2035 mit rund 380 Millionen Euro vorangetrieben werden. Zusätzlich werden erneuerbare Nahwärmeprojekte umgesetzt. „Wir verstehen uns als verlässlicher Partner der Wirtschaft“, sagte Germann. Ziel sei, die Energiezukunft Vorarlbergs aktiv zu gestalten.

Von Martin Begle

Neue Vorarlberger Tageszeitung