In Deutschland sind die Füllstände der Speicher so gering wie 2022 vor Russlands Angriff auf die Ukraine. Warum die Situation anders ist und Österreich einen Vorteil hat.
Kälte, Schnee, ein verhangener Himmel und wenig Wind. Im neuen Jahr ist der Gasverbrauch in Österreich ziemlich gestiegen. Nicht nur, weil momentan vermehrt geheizt wird, sondern auch, weil Gaskraftwerke einen Teil der Stromerzeugung übernehmen bzw. in Wien auch das riesige städtische Fernwärmenetz befeuern mussten.
Der Füllstand der Gasspeicher geht entsprechend schnell zurück. Zu Weihnachten waren sie noch zu knapp 67 Prozent voll, Anfang dieser Woche waren es 57 Prozent. In Deutschland, das ohnehin geringere Speicherkapazität hat, sind die Füllstände angesichts eisiger Temperaturen und Schneefälle in Teilen des Landes noch stärker gesunken. Konkret von 60 Prozent am Christtag auf 46 Prozent vorgestern – weniger als 2022, bevor Russland die Ukraine überfallen und die EU in eine Energiekrise gestürzt hat.
Debatte in Deutschland
Im Nachbarland sorgt das wieder für Debatten über die Sicherheit der Versorgung. Würden sich die Gasspeicher in den nächsten drei Monaten mit dem gleichen Tempo wie Anfang 2025 leeren, wären sie Ende März noch zu fünf Prozent gefüllt, rechnete der Vorstandsvorsitzende des Oldenburger Energieversorgers EWE, Stefan Dohler, dieser Tage der „Tagesschau“ vor. „Das wäre ziemlich wenig“, wie er sagt.
Realistisch ist das kaum, sind sich Fachleute einig. Europas Gasmärkte funktionieren heute völlig anders als vor vier Jahren, als russisches Erdgas mehr als 40 Prozent der Importe der EU ausmachte, in Österreich sogar bis zu drei Viertel. Seit 2025 kommt (außer nach Ungarn und in die Slowakei) kein Pipelinegas mehr aus Sibirien. Ersetzt wurde es durch Flüssiggas (LNG, Liquefied Natural Gas) vor allem aus den USA, das heute komplementär zu den Speichern funktioniert.
„Jahreszeitlich alles normal“
Dass sich Speicher im Winter leeren, „ist ein ganz normaler Zustand, dafür sind sie da“, sagt Carola Millgramm, Leiterin der Abteilung Gas in der E-Control. Die Energieregulierungsbehörde prüft die Lage wöchentlich – und kann bis jetzt keine Anomalien erkennen, ebenso wenig wie die für das heimische Gasnetz zuständige AGGM (Austrian Gas Grid Management). Der Speicherstand sei „rasch abnehmend“, sagt Vorstand Michael Woltran, aber es sei „jahreszeitlich alles normal“. Saldiert komme derzeit in etwa so viel Gas nach Österreich, wie hinausfließt, in erster Linie nach Italien, wo sich wegen der witterungsbedingt hohen Nachfrage höhere Preise erzielen lassen. Dafür sind die Speicher da.
Carola Millgramm, E-Control: Die Speicherstände sind tatsächlich (viel) geringer als in den vergangenen drei Jahren, wie aus den (tagesaktuellen) EU-Daten hervorgeht. Doch auch wenn es weiter winterlich bleibt, werden die Gaslager Ende März noch zu 35 Prozent voll sein, schätzen die Experten. 20 Prozent davon entfallen auf Österreichs staatliche strategische Gasreserve, die in der Krise angelegt und bis dato nicht angetastet worden ist.
Die Preise an den Gasbörsen sind wegen der hohen Nachfrage seit Jahresbeginn etwas gestiegen. Tendenziell geht der Trend aber nach unten. Denn in der zweiten Jahreshälfte sollen zusätzliche LNG-Kapazitäten in Katar und den USA in Betrieb gehen – bei sinkendem Verbrauch. Wenn Gas im nächsten Winter günstiger zu haben sei, werde kaum jemand im Sommer einspeichern, erwartet Woltran. Das könnte 2026/27 für noch geringere Speicherstände sorgen.
Monika Graf
Salzburger Nachrichten





