
Die Umweltschutzorganisation Global 2000 hat die Energiestandards öffentlicher Gebäude in Österreich untersucht und ortet großen Aufholbedarf. Demnach erreicht mehr als die Hälfte der Flächen höchstens Energieeffizienzklasse C und gilt damit als sanierungsbedürftig. „Bund und Länder müssen ihr Sanierungs-Tempo dringend beschleunigen und endlich auf nachhaltige Heizsysteme umrüsten“, sagte Global-2000-Energiesprecher Johannes Wahlmüller laut Aussendung.
Die Umweltschutzorganisation hat mittels Fragebogen an die Landesregierungen, Bundesministerien und ausgewählte öffentliche Unternehmen, darunter etwa die ÖBB und die ASFINAG, Daten zum Gebäudebestand mit Energieeffizienzklassen und Heizsystemen sowie Daten zu Neubauten und umfassenden Sanierungen in den Jahren 2015 bis 2025 erhoben. Die Analyse umfasst somit Amtsgebäude, Schulen oder Pflegeeinrichtungen, aber auch Büro-, Infrastruktur- oder Wohngebäude im öffentlichen Eigentum.
Große Unterschiede zwischen Bundesländern
Knapp ein Viertel der öffentlichen Gebäudeflächen werden mit Öl oder Gas beheizt, 64 Prozent werden mit Fernwärme versorgt, Wärmepumpen und Biomasse decken 11 Prozent ab. Deutliche Unterschiede zeigten sich zwischen den Bundesländern: Den höchsten Anteil fossil beheizter Flächen gebe es mit 54 Prozent in Tirol, dahinter folgen Niederösterreich und Vorarlberg mit jeweils 26 Prozent. Einen geringeren Anteil hat Wien mit 5 Prozent aufgrund des gut ausgebauten städtischen Fernwärmenetzes. Allerdings wird auch hier noch Erdgas in der Produktion eingesetzt. Die Heizsysteme in Kärnten seien bereits nahezu vollständig erneuerbar (0,4 Prozent). Bei Bundesgebäuden liege der fossile Anteil bei etwa einem Drittel. Gebäude der ÖBB und der ASFINAG werden noch zu 51 bzw. 39 Prozent fossil beheizt.
Rund die Hälfte der öffentlichen Gebäude erreichte maximal Energieeffizienzklasse C und sei damit sanierungsbedürftig. Etwa ein Viertel rangiere in den Klassen D bis G und gelte damit als dringend sanierungsbedürftig, so Global 2000. Auch hier führt Tirol die Liste an, der Anteil der dringend sanierungsbedürftigen Flächen liege dort bei 61 Prozent, in anderen Bundesländern seien es zwischen 9 und 23 Prozent. Schlecht schnitten auch die ÖBB (58 Prozent), der Bund (48 Prozent) und die Österreichischen Bundesforsten (46 Prozent) ab.
Datenbestand teilweise lückenhaft
Während die Datenlage zu den Heizsystemen insgesamt gut sei, hätten sich Lücken im Datenbestand zu Energiekennzahlen und Heizwärmebedarf aufgetan. Demnach konnten die Bundesländer Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark sowie die ASFINAG hier keine Informationen liefern. In Summe sei die Effizienzklasse für rund ein Viertel der Flächen unbekannt. Das Heizsystem war bei rund zwei Prozent der Flächen unbekannt.
Eine aussagekräftige Sanierungsrate habe man aufgrund der Datenlücken nicht berechnen können. „Die übermittelten Informationen lassen jedoch den Schluss zu, dass die in der EU-Energieeffizienzrichtlinie vorgesehene Renovierungsquote von 3 % derzeit bei weitem nicht erreicht wird“ so Global 2000 in ihrer Analyse.
Umwelt-NGO warnt vor EU-Vertragsverletzungsverfahren
Die EU-Energieeffizienzrichtlinie hätte bis Oktober 2025 auf nationaler Ebene umgesetzt werden müssen. Österreich ist hier säumig und riskiert laut Global 2000 damit ein teures Vertragsverletzungsverfahren. Auch im Nationalen Klima- und Energieplan (NEKP), den Österreich 2024 an die EU-Kommission übermittelt hat, sei für Bundesgebäude eine Renovierungsquote von 3 Prozent jährlich vorgesehen.
„Die Bundesregierung kommt ihrem Versprechen, auf dem Weg zur Klimaneutralität als Vorbild voranzugehen, nicht nach“, sagte Wahlmüller. Global 2000 fordert die Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED III) und der EU-Vorschriften zu Energieeinsparung, Renovierungen und Gebäudeinventaren, verpflichtende langfristige Sanierungskonzepte, eine Steigerung der Sanierungsrate und -tiefe, hohe energetische Standards bei Neubauten, den raschen Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen und eine belastbare Datengrundlage.
APA




