Kalter Winter führt zu Rekordverbrauch von Gas

4. Feber 2026

Die Speichermengen sind stark geschrumpft. Die Regulierungsbehörden geben dennoch Entwarnung: Es seien keine Versorgungsengpässe zu befürchten, die aktuell hohen Preise sollten bald sinken.

Wann wird es endlich wieder Winter“ – das mögen sich manche in Abwandlung eines Hits des verstorbenen niederländischen Showmasters und Sängers Rudi Carrell rund um Weihnachten gedacht haben. „Ein Winter, wie er früher einmal war“. Dieser Wunsch scheint Gehör gefunden zu haben. Im Jänner ist in vielen Skidestinationen der lang ersehnte Schnee gefallen; gleichzeitig hat die Kälte Österreich und andere Länder fest im Griff, mit Auswirkungen insbesondere auf den Gasverbrauch. Der ist zuletzt auf lange nicht mehr gesehene Niveaus gestiegen und hat auch die Preise mit nach oben gezogen.


Am Central European Gas Hub (CEGH) in Wien, dem führenden Marktplatz für den Gashandel in Mittel- und Osteuropa, waren für die Megawattstunde (MWh) Gas am Wochenende bis zu 42 Euro zu zahlen. Zum Vergleich: Vor Jahresfrist lagen die Spotmarktnotierungen, die sich auf Gaslieferungen am Folgetag beziehen, teilweise unter 35 Euro je MWh.


Volle Power


„Dass die Preise im Winter nach oben gehen, ist nicht ungewöhnlich“, sagt Carola Millgramm, Leiterin der Abteilung Gas in der Regulierungsbehörde E-Control, dem STANDARD. „Eine größere Nachfrage wirkt preistreibend, wenn nicht gleichzeitig mehr Angebot da ist. Anders als im zurückliegenden Winter ist es heuer kalt, und das schon seit geraumer Zeit. Das schlägt sich in den Preisen nieder“. Haushalte, die mit ihren Lieferanten Fixpreise vereinbart haben, sollten die aktuellen Preisausschläge jedenfalls nicht spüren. Dennoch wird es heuer Nachzahlungen hageln, weil in diesem Winter schlicht mehr geheizt werden muss.


Tatsächlich laufen seit Wochen schon Gaskraftwerke auf Hochtouren, bestätigt die Verbund-Tochter APG, die für die Starkstromleitungen im Land zuständig ist. Etwa 4000 Megawatt (MW) an thermischer Kapazität sind am Netz. Damit wird nicht nur Wasser erhitzt und durch Fernwärmeleitungen gepumpt, sondern auch Strom erzeugt. Weil im Winter die Wasserführung vergleichsweise niedrig ist, Photovoltaik nur eingeschränkt zur Verfügung steht und Windkraft auch nicht in ausreichendem Maß und zuverlässig zur Verfügung steht, müssen Gaskraftwerke herhalten, die Netze zu stabilisieren. Folge: Die Gasspeicher leeren sich Tag für Tag mehr.


Dennoch geben die zuständigen Behörden sowohl in Deutschland, als auch in Österreich Entwarnung. „Die Gasversorgung ist aktuell stabil, die Versorgungssicherheit gewährleistet“, sagte der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, der Nachrichtenagentur Reuters.


Rolle der Gasspeicher


Die Rolle der Gasspeicher, die in Deutschland aktuell zu weniger als einem Drittel gefüllt sind, habe sich gewandelt. Gründe dafür seien der Ausbau der Infrastruktur für verflüssigtes Erdgas, sogenanntes LNG, sowie neue Gasflüsse. Müller: „Niedrige Speicherfüllstände sind kein automatisches Indiz für eine Gasmangellage“.


In dieselbe Kerbe schlägt Carola Millgramm von der heimischen E-Control: „Die aktuell hohen Preise haben Großhändler veranlasst, mehr Gas aus den Speichern zu verkaufen, das sie im Sommer zu günstigeren Konditionen eingespeichert haben“. Derzeit befinden sich noch 45,4 Terawattstunden (TWh) Gas in den heimischen Speichern, das heißt, sie sind noch zu etwa 45 Prozent gefüllt. Davon stehen etwa zwei Drittel – sprich 30 TWh – für Haushalte, Stromerzeuger und Industriebetriebe zur Verfügung. Der Rest gehört Großhändlern, die das Gas für Kunden im Ausland vorrätig halten. Vor einem Jahr sah die Welt noch etwas anders aus; der Winter war vergleichsweise mild, die Speicher selbst waren um diese Zeit noch zu rund 60 Prozent gefüllt.


Vor einem Jahr waren aber auch die Preise höher. Ende Jänner 2025 kostete die MWh Gas am CEGH 54 Euro, sieben Euro mehr als heuer. Im Februar vor einem Jahr stieg der Gaspreis kurzfristig sogar auf mehr als 60 Euro. Millgramm: „Davon hat kaum jemand Notiz genommen. Es war mehr Gas in den Speichern und die Aufregung war somit geringer“.
Zu Beginn dieser Woche sind die Preise an dem für Österreich relevanten Handelspunkt CEGH wieder gesunken – auf 38 Euro je MWh. Auch an den Terminmärkten, wo sich Großhändler Gasmengen für die kommenden Monate und Jahre sichern, zeigt die Preiskurve nach unten. Dass Gas aller Voraussicht nach wieder günstiger wird, liegt laut Millgramm und anderen Beobachtern am Umstand, dass zusätzliche Mengen insbesondere von LNG auf den Markt kommen – vor allem, aber nicht nur aus den USA.


Abhängigkeit


Besteht nicht die Gefahr, dass sich Europa, das sich eben erst mit viel Mühe aus der starken Abhängigkeit von russischem Erdgas befreit hat, in die nächste Abhängigkeit gerät – dieses Mal von amerikanischem LNG? Vorsicht sei nach den Erfahrungen mit Russland durchaus angebracht, meint Millgramm, die für mehr Diversifizierung auch bei Importen von verflüssigtem Erdgas plädiert. Während Gazprom ein Staatsunternehmen war, das die Weisungen des Kreml eins zu eins umgesetzt hat, habe man es auf amerikanischer Seite mit Privatunternehmen zu tun, bei denen das kommerzielle Interesse im Vordergrund stehe. Die würden wohl nicht springen, nur weil Trump ruft. Die Probe aufs Exempel sollte man dennoch tunlichst vermeiden.

Der Standard