Die Preise am Großhandelsmarkt pendeln sich ein, die Regierung schafft Entlastungen und die heimischen Stromanbieter senken die Preise: Die NÖN hat zusammengefasst, was es am NÖ Strommarkt Neues gibt.
Vor einem Monat hat der Verbund, der mehrheitlich in Besitz der Republik ist, einen Tarif für private Stromkunden unter 10 Cent pro Kilowattstunde angekündigt. Der neue „Österreich-Tarif“ ist ab März für Neu- und Bestandskunden verfügbar. Wenige Tage nach dieser Ankündigung ist auch der NÖ-Landesenergieversorger, die EVN, nachgezogen. Dort sei ein neuer Tarif von durchschnittlich zehn Cent pro Kilowattstunde ab 1. April für alle Bestandskunden ohne Bindung sowie Neukunden verfügbar. Auch die Energie Steiermark kündigte Preissenkungen „noch im ersten Halbjahr 2026“ an.
Ein durchschnittlicher Haushalt in Österreich verbraucht pro Jahr 3.500 Kilowattstunden Strom. Hat die jährliche Stromabrechnung im Jahr 2010 laut einer Aufstellung der E-Control noch durchschnittlich 668,77 Euro ausgemacht, waren es 2025 im Schnitt 1.211,13 Euro. Die E-Control ist Österreichs unabhängige Regulierungsbehörde für den Strom- und Gasmarkt. In den Jahren 2022 bis 2024 wären die jährlichen Kosten zum Teil noch höher gewesen, hätte die Regierung nicht Steuern und Abgaben reduziert und Privat-Haushalte mit dem Stromkostenzuschuss unterstützt (siehe Grafik). „Am Großhandelsmarkt sinken die Preise bereits seit Jahresbeginn 2025 und pendeln sich bei unter 10 Cent pro Kilowattstunde ein“, erklärt Johannes Mayer, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft bei der E-Control. Mittlerweile können auch Haushalte ihren Strom zu diesem Preis beziehen. Der Preis für Haushalte liege mit 10 Cent pro Kilowattstunde aktuell auf jenem Niveau, das in den Jahren 2022 und 2024 aufgrund des Stromkostenzuschusses möglich war.
Für die nächsten zwei bis drei Jahre erwarte man bei der E-Control, dass die Strompreise langsam, aber doch stetig sinken. „Dramatisch nach unten gehen wird es nicht, vielleicht um ein bis eineinhalb Cent“, betont Mayer. Dass die Stromkosten an ein Niveau der Jahre 2010 bis 2020 herankommen, sei „kaum denkbar“. Aufgrund von Überkapazitäten hatte man in Europa 20 Jahre lang Energiepreise von rund vier Cent pro Kilowattstunde. „Kraftwerke kosten im Schnitt eher das Doppelte. Langfristig werden die Energiekosten eher acht Cent pro Kilowattstunde ausmachen. Dazu kommen die höheren Netzkosten“, sagt Mayer.
Die hohen Energiepreise von 2022 bis 2024 hatten mit einer globalen Verknappung von Gas zu tun. „Der Gaspreis lag 2022 bei 30 Cent pro Kilowattstunde. Ein Gaskraftwerk benötigt für die Herstellung einer Kilowattstunde Strom zwei Kilowattstunden Gas, was für kurze Zeit einen Großhandelsstrompreis von 60 Cent pro Kilowattstunde zur Folge hatte“, erklärt Mayer. Dazu kommen dann noch Kosten für die CO2-Zertifikate, die für die Verstromung von Erdgas eingekauft werden. In den kommenden Monaten habe sich dann ein Gaspreis von maximal 10 Cent pro Kilowattstunde eingependelt. Seit Sommer 2023 pendeln die Gaspreise zwischen drei und vier Cent pro Kilowattstunde.
Wie sich der Strompreis zusammensetzt
Generell setze sich der Strompreis aus den Energiekosten, den Netzkosten und Steuern und Abgaben zusammen. „Macht die Jahresrechnung eines Haushalts 1.000 Euro aus, bedeutet das in etwa 440 Euro Energiekosten, 330 Euro Netzkosten und 230 Euro Steuern und Abgaben“, erklärt Mayer. Der Energiepreis selbst orientiere sich am Großhandelspreis. Wird am Großhandelsmarkt eine Kilowattstunde Strom um 10 Cent angeboten, was auch aktuell in etwa der Fall ist, bekommen Privatpersonen die Kilowattstunde bei den meisten Anbietern um 10 Cent „mit einem kleinen Aufschlag“, sagt Mayer. Gute Angebote bewegen sich dann also zwischen 11 und 12 Cent, unterhalb des Großhandelspreises gebe es kaum Angebote, erklärt Mayer.
Die Netzkosten, also die Gebühren für Transport, Wartung und Ausbau der Energieinfrastruktur, machen auch einen wesentlichen Anteil des Gesamt-Strompreises aus. 2025 seien diese stark nach oben angepasst worden.
„Hintergrund ist der, dass die bestehende Netz-Infrastruktur in die Jahre gekommen ist, Ersatzinvestitionen sind heute um einiges teurer als vor 20 Jahren. Außerdem müssen die Netzkapazitäten ausgebaut werden“, sagt Mayer. In der Vergangenheit sei der Strom aus großen Kraftwerken von der obersten Spannungsebene durch das Landesenergienetz zu den Haushalten geleitet worden. Haushalte haben zu unterschiedlichen Zeiten den meisten Strom konsumiert und die notwendige Leitungskapazität war vergleichsweise gering. Seitdem viele Haushalte selbst Strom produzieren, werden die Netzkapazitäten häufig gleichzeitig, nämlich wenn die Sonne scheint, gebraucht. Bei der E-Control erwarte man eine Verdreifachung der jährlichen Investitionsmengen.
Regelmäßige Tarifwechsel bringen Einsparungen
Mit 1. Jänner 2026 hat die Bundesregierung einige Maßnahmen zur Senkung der Stromkosten umgesetzt: Mit der Senkung der Elektrizitätsabgabe, des Ökostrombeitrags und der Netzkostensteigerungen spare sich ein Dreipersonenhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden rund 70 Euro pro Jahr. Sparen könne man außerdem mit einem regelmäßigen Tarifwechsel, sagt Mayer. Schon jetzt, vor den Preissenkungen der großen Energieversorger, gebe es am Markt Angebote von weniger bekannten Anbietern auf einem Preisniveau von 10 Cent pro Kilowattstunde. Weitere Energiespartipps finden Sie in der Spalte rechts.
Katrin Schinewitz und Philipp Grabner
NÖN Niederösterreichische Nachrichten




