Trennung vom deutschen Stromnetz ist mittlerweile zu einer hohen Belastung geworden.
Die EU ist zwar grundsätzlich ein Binnenmarkt, der Strommarkt ist allerdings im Vergleich zu früher weniger durchlässig und weniger europäisch als noch vor einigen Jahren. Das kostet die Österreicher mittlerweile rund 600 Millionen Euro im Jahr.
Hintergrund ist eine Regelung, die es seit 2018 gibt. Damals wurden die Strompreiszonen von Deutschland und Österreich getrennt. Die Begründung: Die Netze sollten dadurch stabilisiert werden. Die Folgen waren freilich vor allem für Österreich fatal, denn Österreich ist von Deutschland phasenweise entkoppelt und muss, wenn es Strom importieren will und muss, den Strom woanders zukaufen. Auf den Spotmärkten, wo Strom wie auf einer Börse tagesaktuell gehandelt wird, war die Preisdifferenz zu Deutschland zunächst überschaubar. Sie betrug 2019 und 2020 im Durchschnitt zwei Euro je Megawattstunde (MWh). In den beiden folgenden Jahren stieg der Preisunterschied im Schnitt auf zehn und dann auf 27 Euro je MWh und ging dann wieder auf zwei bis zehn Euro zurück.
Höchster Wert seit 2018
Heuer ist die Lage wirklich prekär geworden. Im Jänner kletterten die Trennungskosten auf 31 Euro pro MWh. Das war der höchste Wert seit der Preiszonentrennung 2018. Vor allem für energieintensive Industriebetriebe sei dies äußerst besorgniserregend, denn die Energiepreise schlagen massiv auf die Gesamtkosten durch, sagt der Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Oberösterreich, Erich Frommwald, im Gespräch mit den OÖNachrichten.
Der Vorstandssprecher der übergeordneten österreichischen Netzgesellschaft Austrian Power Grid (APG), Gerhard Christiner, rechnet vor, dass Österreichs Netz 7000 Stunden und damit die überwiegende Zeit vom deutschen Netz getrennt sei. Bei einem jährlichen Stromverbrauch von 70 Terawattstunden würden sich die Mehrkosten für Österreich mittlerweile auf 600 Millionen Euro belaufen.
Frommwald, der lange selbst Geschäftsführer des Zement- und Bauunternehmens Kirchdorfer war, fordert, „jeden Stein umzudrehen, um die Energiepreise auf ein niedrigeres Niveau zu drücken“. Demnach soll die Integration des europäischen Strommarkts rasch vorangetrieben werden. „Damit sollen Wettbewerbsverzerrungen in der EU wieder abgebaut werden“, sagt Frommwald. Gleichzeitig verweist der WKO-Funktionär auch auf die Probleme im Winterhalbjahr. „Wir haben in dieser Jahreszeit zu wenig Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Wir brauchen mehr Windkraft für den Winter.“
Sorgen im Winter
Tatsächlich führen im Winter die Flüsse weniger Wasser und liefern weniger Strom. Ähnliches gilt für PV-Anlagen. Am ehesten würden Windkraftwerke im Winter diesen Ernstfall kompensieren, argumentieren die Industriellen.
„Wir müssen die Integration auf dem EU-Markt vorantreiben und brauchen mehr Windkraft für den Winter.“
Erich Frommwald, Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Oberösterreich.
Oberösterreichische Nachrichten




