Appell gegen „Aushöhlung“ von Klimapolitik und -forschung

12. Feber 2026, Wien
Klimakrise "von der politischen Agenda gedrängt"
 - Wien, APA/THEMENBILD

„Große Sorge“ angesichts von Kürzungen bei Förderungen für Forschung zum Klimawandel und zu -anpassungsmaßnahmen äußern rund 650 Forschende aus diesem Bereich in einem Offenen Brief. In dem an Entscheidungsträger gerichteten Appell weist man auf die bizarre Situation hin, dass zwar viel Kritik zu Streichungen von einschlägigen Budgets in den USA geäußert wird, in Österreich aber ebenso „eine schleichende Aushöhlung der Klimapolitik und der Klimaforschung“ zu beobachten sei.

Initiiert hat den Brief der Vorstand des Climate Change Centre Austria (CCCA) – dem Verbund der heimischen Klimawandel-Forschungscommunity – sowie der Vorstand der Scientists for Future Austria (S4F). Man sehe aktuell, dass „der Klima- und Klimafolgenforschung sowie den Institutionen und Einrichtungen, die Klimaschutz und Klimaanpassung praktisch umsetzen, die Finanzierung zunehmend entzogen wird und die Klimakrise von der politischen Agenda gedrängt wird“, heißt es. Nicht nur in den USA unter Präsident Donald Trump komme das politisch höchst unangenehme Thema zu kurz. Auch hierzulande werde es „durch Verzögerungen, Budgetkürzungen, Prioritätenverschiebungen und politisches Wegsehen“ marginalisiert.

Community sieht „grob fahrlässiges politisches Handeln“

Ein Hintergrund für den Aufruf ist die drastische Kürzung von Mitteln: So etwa für das Klimaforschungsprogramm (ACRP) des Klima- und Energiefonds. Nach je fünf Mio. Euro für das Programm in den Jahren davor verspätete sich die Ausschreibung für 2025 massiv und beträgt jetzt nur noch zwei Mio. Euro. CCCA-Obmann Gerhard Wotawa erklärte dazu kürzlich gegenüber der APA, dass die Dringlichkeit der vom Menschen verursachten Klimaveränderung zwar zunimmt, die Finanzierung für die Forschung hingegen abnehme. Eine derartige Reduktion komme eigentlich einer Art „Kahlschlag“ und weniger einer mehr oder weniger nachvollziehbaren Kürzung wegen klammer Budgetlage gleich, so Wotawa.

„Was derzeit in Österreich praktiziert wird, ist nicht Sparsamkeit, sondern grob fahrlässiges politisches Handeln angesichts bekannter Risiken, absehbarer Schäden und belegbarer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Folgekosten“, heißt es nun auch in dem Appell. Einschlägige Forschungen seien „kein Luxus“, sie seien vielmehr „zentrale Voraussetzungen für Sicherheit, Wohlstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt“.

Zahlreiche namhafte Forschende unter Unterzeichnern

Es brauche daher „klare politische Bekenntnisse zu Wissenschaft, Evidenz und Vorsorge“ und eine „langfristig verlässliche und bedarfsgerechte Finanzierung“ für die Auseinandersetzung mit dem Thema. Ebenso plädieren u.a. bekannte Wissenschafterinnen und -wissenschafter, wie Helga Kromp-Kolb, Daniel Huppmann, Barbara Prainsack, Georg Kaser, Gottfried Kirchengast oder Keywan Riahi für eine „systematische Verankerung wissenschaftsbasierter Klimaziele als zentraler Bestandteil politischer Strategien, z.B. der Industriestrategie“.

APA