Tarifsenkung. Verbund, EVN und andere große Energieversorger werden günstigere Angebote einführen. Arbeitspreise von zehn Cent pro Kilowattstunde und weniger bieten kleinere Lieferanten aber schon seit Längerem.
Die Ankündigung des Verbund, ab März einen neuen Stromtarif für weniger als zehn Cent pro Kilowattstunde einzuführen, hat die großen heimischen Energieversorger aufgemischt. Schon wenige Tage später zog EVN nach. Ab 1. April soll es einen neuen Stromtarif um zehn Cent geben. Energie Steiermark plant eine Preissenkung im ersten Halbjahr. Die restlichen der großen Landesversorger geraten dadurch unter Druck. Aber Österreich hat rund 140 Stromanbieter. Die Kleineren davon unterbieten die Preise der Großen regelmäßig. Wie günstig sind die kommenden Angebote im Vergleich?
Mit Rabatt noch günstiger
Seit Montag informiert der Verbund seine Kunden darüber, dass das neue Angebot namens „V-Strom Österreich“ 9,5 Cent/kWh netto (ohne Mehrwertsteuer; 11,40 Cent/kWh brutto) bei einjähriger Vertragsbindung im ersten Jahr bedeutet. Die EVN tüftelt noch an letzten Details ihres Tarifs, der einen Verbrauch im „Sonnenfenster“ (April bis September, 10 bis 16 Uhr) begünstigt. Im Jahresschnitt sollen die Preise zwischen 10 und 12 Cent/kWh brutto liegen.
Sehr viel günstiger als 10 Cent/kWh geht es aktuell nicht, aber: „Wir finden schon Tarife darunter. 9,1 Cent sind gerade das Günstigste“, sagt Leander Klaß, Head of Operations bei Energy Hero. Das Unternehmen bietet automatische Lieferantenwechsel für Strom- und Gaskunden in ganz Österreich an und ist daher mit der Preislage am Markt bestens vertraut. Wenn man Neukundenrabatte miteinberechne, liegen die derzeit günstigsten Tarife bei 7,5 Cent/kWh.
Kleinere ziehen nach
„Tarife um die 10 Cent gibt es auf jeden Fall schon seit einer ganzen Weile“, so Klaß. Auch große Energieversorger bieten hie und da Aktionen mit derartig niedrigen Preisen an. Wien Energie hatte im Sommer 2025 etwa ein Angebot um 9,9 Cent/kWh, das mehrere hunderttausend Kunden in Anspruch genommen haben. Die geplanten Tarifsenkungen der großen Versorger ab Frühling werden den ganzen Markt beeinflussen, ist Klaß überzeugt. Kleinere Anbieter werden ihre Tarife ebenfalls senken.
Wie sehr erschwert das die wirtschaftliche Lage der Kleinen? „Da ist schon Druck da, aber die Preise noch weiter zu senken, ist schon realistisch. Es wird nicht in einer Riesenanzahl von Insolvenzen enden.“ Wie durch den Preismonitor der Regulierungsbehörde E-Control stets ersichtlich ist, kann man sich beim Umstieg auf alternative Stromversorger einiges an Geld ersparen. Die Wechselrate ist in Österreich dennoch notorisch gering. Sie liegt derzeit im Jahr bei unter fünf Prozent aller Stromkunden. Dabei ist es relativ einfach, herauszufinden, welche Angebote es für den eigenen Standort und das eigene Verbrauchsverhalten gibt.
Apropos Verbrauchsverhalten: Neben Stromtarifen mit Fixpreis gibt es auch jene, deren Preise sich monatlich oder gar stündlich ändern (Floater). Wenn man den eigenen Verbrauch darauf ausrichtet, kann man von zeitweise niedrigen Großhandelspreisen profitieren. Durchschnittspreise kann man hier allerdings nicht benennen, die individuellen Unterschiede sind zu groß.
Worauf Vorsichtige achten
Beim Vergleich mit oder ohne Neukundenrabatte hätten Kunden unterschiedliche Präferenzen, merkt Klaß an. Manche legen das Hauptaugenmerk auf günstige Arbeitspreise und ignorieren zusätzliche Rabatte aus Vorsicht. Neukundenrabatte werden nämlich oft in Kombination mit etwas höheren Arbeitspreisen angeboten. Die Rabatte gelten für das erste Jahr, danach werden die höheren Preise fällig – wenn man seinen Tarif nicht rechtzeitig erneut wechselt. „Bei der Energiekrise 2022 hat man gesehen, dass es ein blödes Timing geben kann: Der Neukundenbonus läuft aus, ein höherer Preis gilt automatisch und es gibt plötzlich keine günstigeren Angebote mehr am Markt.“ Eine erneute Energiekrise hält der Experte aber in naher Zukunft für unwahrscheinlich.
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