Gaswirtschaft: Fehlender Transit treibt Netztarife

20. Feber 2026, Wien
Fehlender Gas-Transit treibt Netzgebühren in die Höhe
 - Enzersdorf an der Fischa, APA/THEMENBILD

Die Erhöhung der Gas-Netztarife um 18 Prozent ab Jänner 2026 ist primär auf einen Einbruch beim Gastransit sowie einen Rückgang der industriellen Nachfrage zurückzuführen, sagt der Geschäftsführer des Fachverbands Gas Wärme (FGW), Michael Mock. Für einen Durchschnittshaushalt bedeute das Plus monatliche Mehrkosten von rund fünf Euro. Der Ausstieg privater Haushalte aus der Gasversorgung sei hingegen nicht der entscheidende Kostentreiber, betonte Mock im Gespräch mit der APA.

Mock verwies auf den Stopp der russischen Lieferungen, wodurch der Transit um 70 Prozent zurückgegangen sei. Die entfallenden Mengen müssten bei den Fixkosten der Netze nun kompensiert werden. Hinzu komme ein konjunkturbedingter Rückgang der Industrieabnahme um bis zu ein Fünftel in den vergangenen Jahren. Insgesamt sank der österreichische Gasverbrauch nach Angaben der Gaswirtschaft von rund 95 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2019 auf zuletzt etwa 75 bis 77 TWh.

Die Zahl der privaten Zählpunkte sei von 2023 auf 2024 demgegenüber lediglich um rund drei Prozent gesunken. Da private Haushalte ohnehin nur 15 bis 20 Prozent des gesamten Gasverbrauchs ausmachen, falle dieser Rückgang bei den Netzkosten kaum ins Gewicht. „Es ist nicht richtig, dass Hauptgrund der Netztarif-Steigerung ist, dass die Haushalte aussteigen“, betonte Mock.

Steuern als stärkste Preiskomponente

Die stärkste Preiskomponente bilden mittlerweile die staatlichen Abgaben, erklärte Anna Kleissner, Ökonomin und Geschäftsführerin der Econmove GmbH. Durch das Auslaufen der reduzierten Erdgasabgabe und die Anhebung der CO2-Bepreisung verzeichnete dieser Block zuletzt ein Plus von 108 Prozent. Die Diskussion über die Netzentgelte lenke davon ab, „dass ein viel, viel höherer Betrag an Steuern und Abgaben an den Fiskus geht“, so Kleissner. FGW-Referent Alexander Izmenyi ergänzte, dass Steuern und Abgaben mittlerweile „ein gutes Drittel“ des Endkundenpreises ausmachen.

Trotz der gestiegenen Netz- und Steuerkosten seien die Gaskosten für Haushalte in absoluten Zahlen seit zwei Jahren rückläufig. Die gesunkenen Großhandelspreise für Energie seien von den Unternehmen eins zu eins an die Endkunden weitergegeben worden. Zudem habe Gas aktuell eine inflationsdämpfende Wirkung, betonte Kleissner. Selbst zu Spitzenzeiten der Energiekrise habe Gas nur einen Anteil von vier bis fünf Prozent an der Gesamtinflation gehabt.

Gas als Stütze der Stromversorgung

Für die Aufrechterhaltung der heimischen Stromversorgung bleibe Gas weiterhin unerlässlich. Insbesondere bei einer Dunkelflaute im Winter – wenn Wind- und Sonnenenergie witterungsbedingt ausfallen – müssten Gaskraftwerke einspringen. An solchen Tagen würden teils bis zu 53 Prozent der heimischen Stromproduktion aus Gas abgedeckt. „Ohne Gaskraftwerke geht es nicht“, warnte Mock.

Um die Versorgungssicherheit dauerhaft zu gewährleisten, fordert der Fachverband eine Verlängerung der 20 TWh umfassenden strategischen Gasreserve der Republik Österreich. „Bis 1. April soll evaluiert werden, ob die Reserve weiter behalten wird – mit 1.4.2027 würde sie auslaufen“, erklärte Izmenyi. Mock appellierte an die Bundesregierung, diese staatliche Reserve bis zum Jahr 2030 zu verlängern.

APA