E-Control: Gaspreisanstieg erhöht Beschaffungskosten

12. Oktober 2021, Wien

Die aktuell hohen Großhandelsgaspreise können sich laut E-Control über höhere Beschaffungspreise auch bei Endkunden niederschlagen. Ob und in welchem Ausmaß dies geschehen wird, hängt vom Produkt und vom Versorger ab – Unternehmen warten derzeit vielfach noch ab. Ab dem zweiten Quartal 2022 werden niedrigere Gasgroßhandelspreise erwartet. Eine Versorgungskrise sieht die Regulierungsbehörde derzeit nicht.

Bei einer Weitergabe der höheren Beschaffungskosten wären Preiserhöhungen bei Gas im heurigen Winter und bei Strom im kommenden Jahr grundsätzlich von 20 bis 30 Prozent möglich, ob und in welchem Ausmaß dies aber von den einzelnen Unternehmen weitergegeben wird, sei derzeit noch offen, so Johannes Mayer, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der E-Control zur APA. Tendenziell niedriger seien derzeit Neukunden-Rabatte. Einige Unternehmen haben auch Preisgarantien abgegeben.

Bei Gas gebe es derzeit keine Versorgungskrise, sondern ein Preiskrise, die in einem Wettbewerbsmarkt stattfinde, so die Leiterin der Gasabteilung der E-Control, Carola Millgramm, am Dienstag in einem Webinar zur aktuellen Situation an den internationalen Gasmärkten. Lieferanten, die heuer kurzfristig Gas beschaffen müssten, würden höhere Beschaffungskosten haben, es gebe auch Versorger, die schon früher im Jahr Gas gekauft hätten. Kunden sollten solche Wettbewerbsvorteile nutzen. Die E-Control rät Preise zu vergleichen.

Wieder niedrigere Großhandelsgaspreise erwartet die E-Control für das zweite Quartal 2022. Allerdings werde das Niveau deutlich höher sein als im vergangen Jahr, so Millgramm. Derzeit sind es rund 80 Euro pro Megawattstunde (MWh), dann könnten es rund 40 Euro sein. Preissteigernd wirkten ein Nachfrageanstieg zu Beginn der Heizsaison, noch unklar sei, wie die Gasnachfrage für die Stromerzeugung steigen werde. Preisentspannend aber nicht im gleichen Ausmaß wirken könnten unter anderem ein milder Winter und mehr Gasmengen der russischen Gazprom, die zusätzlich zu bestehenden Verträgen geliefert werden.

In Österreich seien die vorwiegend für die Versorgung der Endkunden genutzten Gasspeicher für Anfang Oktober mit 70 bis 80 Prozent recht gut gefüllt. Es werde noch weiter Gas eingespeichert. Gasversorger müssten nach der Versorgungssicherheitsverordnung bestimmte Gasmengen für die Heizsaison vorhalten, für bestimmte Extremsituationen – wie extreme Temperaturen, außergewöhnlich hohe Gasnachfrage oder einen Ausfall der größten Infrastruktur. Die Einhaltung werde von der E-Control überprüft.

APA

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