IV nach Vorstoß zu Atomkraft-Renaissance zurückhaltend

20. Mai 2022, Wien/Linz
Gesucht wird eine leistbare Alternative zu russischem Brennstoff
 - Emmerthal, APA/dpa

Nachdem der Präsident der Industriellenvereinigung (IV) in Oberösterreich, Axel Greiner, Atomkraft in Österreich wieder in Betracht ziehen will, hat sich die Bundes-IV in Wien zurückhaltend gezeigt. "Die IV nimmt die ablehnende Position der Österreichischen Bundesregierung zu Atomenergie in Österreich zur Kenntnis", hieß es vom Schwarzenbergplatz in Wien am Freitag auf APA-Anfrage. Die WKÖ forderte einen unbürokratischen Ausbau erneuerbarer Energien mit raschen Genehmigungen.

APA

OMV zahlt russisches Gas weiterhin in Euro

20. Mai 2022, Wien
Konto der Gazprombank wird bedient
 - Moscow, APA/AFP

Der österreichische Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV will seine Rechnungen für russisches Erdgas im Einklang mit den EU-Sanktionen weiter in Euro begleichen. "Wir haben jetzt einen sanktionskonformen Zahlungsprozess implementiert, der sicherstellt, dass die Gaslieferungen zeitgerecht bezahlt werden können", sagte Unternehmenssprecher Andreas Rinofner am Freitag zu Reuters. Die Zahlungen würden weiterhin in Euro erfolgen und auf ein Konto bei der Gazprombank fließen.

APA/ag

Energiekonzern: Russland dreht Finnland den Gashahn zu

20. Mai 2022, Helsinki/Moskau

Russland stellt die Gas-Lieferungen nach Finnland nach Angaben des finnischen Energiekonzerns Gasum am Samstag im der Früh ein. Darüber habe Gazprom Export am Freitagnachmittag informiert, teilte der finnische Versorger Gasum in Espoo mit. Zuvor hatte der finnische Konzern mitgeteilt, Forderungen von Gazprom Export, Zahlungen in Rubel zu begleichen, nicht zu akzeptieren. Auch über andere Forderungen seien sich die beiden Unternehmen nicht einig.

APA/dpa-AFX

Bundesländer drängen auf schnellere UVP-Verfahren

20. Mai 2022, Wien

Um den Ausbau der erneuerbaren Energie zu forcieren, fordern die Bundesländer beschleunigte Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP). Es brauche "eine Beschleunigung auf allen Ebenen", sagte die steirische Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) am Freitag nach Ende der zweitägigen Landeswirtschaftsreferenten-Konferenz in Wien. Auch Wiens Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) will raschere UVP-Verfahren im Energiebereich. Deutschland sei dafür "ein gutes Beispiel".

APA

Deutscher Ex-Kanzler Schröder gibt Posten bei Rosneft auf

20. Mai 2022, Kiew (Kyjiw)/Moskau/Berlin

Der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder will den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft verlassen. Der 78-jährige Rosneft-Aufsichtsratschef habe mitgeteilt, dass es ihm unmöglich sei, sein Mandat in dem Gremium zu verlängern, teilte der Konzern am Freitag mit. Schröder stand zuletzt unter massivem Druck, wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine nicht mehr als Öl- und Gaslobbyist für Russland tätig zu sein.

APA/dpa

Top Artikel der Woche

Erneuerbaren-Ausbau senkt längerfristig Strompreise

19. Mai 2022, Wien

Der Ausbau erneuerbaren Energien muss auch in Österreich beschleunigt werden, um die Klimaziele zu erreichen. Auch die Strompreise könnten damit längerfristig wieder nach unten gebracht werden, sagte Verbund-Chef Michael Strugl am Donnerstag bei einer Online-Diskussion. Eine zentrale Rolle haben nun die für die Errichtung der Anlagen notwendigen Flächen. Die Festlegung von Eignungszonen könnte einen Beitrag zu rascheren Verfahren leisten.

APA

Regulator: Verbund könnte Strompreis senken

13. Mai 2022, Wien

Aus Sicht von Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control, wäre es nicht Untreue, würden Energieerzeuger Strom günstiger verkaufen, als es im Großhandel möglich ist. Das "sehe ich nicht", sagt er den "Salzburger Nachrichten" (SN). Da gebe es "unternehmerischen Spielraum".

APA

Kostenfalle Fernwärme bei Wien Energie: Preis verdoppelt

30. März 2022

Erdgas. Die Müllverbrennung alleine reicht nicht für Heizung und Warmwasser

Die Bewohner eines Mehrparteienhauses in Wien staunten nicht schlecht: Die monatlichen Kosten für die Fernwärme, mit der sie Heizung und Warmwasser beziehen, haben sich diesen Winter schlagartig verdoppelt. Die Bewohner wendeten sich an den KURIER, da die Erklärungen dazu eher schwammig waren. Die mehrere Seiten lange Berechnung liegt der Redaktion vor.

Geht das also? Gleich 100 Prozent mehr für Heizung und Warmwasser, eine Erhöhung im dreistelligen Bereich? Nun: 20 Prozent der Anhebung entfallen nicht auf den Wärmelieferanten Wien Energie, sondern auf einen Energiedienstleister, der für die Hausverwaltung die Verrechnung übernimmt. Da die Kosten erst mit Verzögerung an die Bewohner weitergegeben wurde, so wird erklärt, falle die Erhöhung der Vorschreibung um 20 Prozent höher aus. Der Großteil der verbliebenen 80 Prozent geht auf eine Anhebung der Vorschreibung von Wien Energie zurück – und zwar, obwohl der Verbrauch im Jahresvergleich nur um zehn Prozent gestiegen ist.

Einerseits kommt auf die Bewohner eine Nachzahlung zu. Neben dem höheren Verbrauch wirkt sich dabei der höhere Gaspreis im vergangenen Jahr aus – denn die Wiener Fernwärme ist zu einem Gutteil fossil, die Müllverbrennung hat nicht ausreichend Leistung. Der Großhandelspreis für Gas hat sich im letzten Jahr – und schon vor dem Ukraine-Krieg – vervielfacht. Und da der Vertrag mit dem Großhandelspreis steigt und fällt („Indexierung“) hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass die Energiekosten höher waren als veranschlagt. Bei einem um zehn Prozent höheren Verbrauch betragen die Mehrkosten etwa ein Drittel.

Zweitens wirkt dieser Mechanismus auch in die Zukunft: Das bedeutet, dass die Akontovorschreibung für das laufende Jahr um 45 Prozent erhöht wurde, heißt es bei Wien Energie auf Anfrage des KURIER. „Ziel der Akontovorschreibungen ist immer, die Jahreskosten im Vorhinein bestmöglich abzubilden“, Nachzahlungen sollen so vermieden werden.

Kurier

Grüner Wasserstoff made in Austria

19. Mai 2022

Österreichs Produktion von grünem Wasserstoff läuft an. Die Anwendungsbereiche sind vielfältig. Wir zeigen Pionierprojekte von Tirol bis Wien, die für die Dekarbonisierung entscheidend sein können.

Der niedere Pavillon mit begrüntem Flachdach am Bachrand des Naturdenkmals Völser Gießen sieht so unspektakulär aus wie ein modernes Einfamilienhaus -doch in seinem Inneren pocht ein mehr als potentes Herz: Hier, am eigenen Betriebsgelände in Völs bei Innsbruck, nahm der Tiroler Lebensmittelhändler Mpreis im März die Produktion von grünem und damit klimaneutralem (siehe Seite 72, Kasten "H 2-Farbenlehre") Wasserstoff auf -und zählt damit zu den H 2-Vorreitern Österreichs. Im Erdgeschoß des schlichten Betonbaus werkt nun die größte Single-Stack-Elektrolyseanlage Europas (Investitionsvolumen: 13 Millionen Euro, zur Hälfte Fördermittel). Baubeginn für das Mpreis-Elektrolyse-Gebäude war im August 2020, "bereits ein Jahr später zerlegten wir erstmals Wasser", freut sich Wolfgang Madl, Leiter Energie bei Mpreis. Herzstück ist der rund sieben Meter lange, drei Meter hohe Elektrolyseur. Er besteht aus einem Einzelstapel, an dem eine Vielzahl an Elektrolysezellen (mit Membran, Anode und Kathode) dicht aneinander liegen, und kann bis zu 55 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde liefern (das Gas Wasserstoff wird in Kilogramm gemessen).

Für die bauliche Umsetzung nutzte Mpreis heimische Expertise: Das auf komplexe Industrie-und Infrastrukturprojekte spezialisierte Innsbrucker Ingenieurbüro ILF Consulting Engineers leistete gemeinsam mit Mpreis Pionierarbeit. Ewald Perwög, Projektinitiator und Leiter von Mpreis Sustainable Energy Solutions: "Es gibt keine 'Blaupause', wie Wasserstoff im Umfeld eines Lebensmittelhändlers erzeugt und nachhaltig genutzt werden kann. Gemeinsam tasteten wir uns an die Lösungen heran."

Neuartig ist die vielfältige Implementierung des grünen Wasserstoffs in der Mpreis-Betriebskette von der eigenen H 2-Produktion über die Nutzung in Bäckerei und Fuhrpark bis zur Distribution über die eigene Wasserstoff-Tankstelle. Ziel ist, den hochwertigen Energieträger im Rahmen der sektorenübergreifenden Tiroler Wasserstoff -Initiative HyWest anderen Anwendern bereitzustellen. Gemeinsam mit Tiwag, Tigas und den Zillertaler Verkehrsbetrieben legt Mpreis den Grundstein für eine grüne Wasserstoff-Wirtschaft in Tirol.

Gewinn

Für Strugl Markteingriffe gegen hohe Strompreise denkbar

20. Mai 2022, Wien
Michael Strugl
 - Wien, APA/FLORIAN WIESER

Verbund-Generaldirektor Michael Strugl hat sich am Freitag für zumindest vorübergehende Eingriffe in den Strommarkt ausgesprochen, um das hohe Stromgroßhandelspreisniveau einzudämmen. "Es muss uns etwas einfallen, um von diesem Preisniveau herunterzukommen", sagte er in einem Webinar. Welche Mittel das sein könnten, sei letztlich "eine politische Diskussion". Als Beispiel verwies Strugl auf den Gaspreisdeckel Spaniens zur Stromproduktion.

APA