Deutschland soll Gasfluss durch Nord Stream 1 stoppen

27. Mai 2022, Kiew (Kyjiw)/Moskau

Der staatliche ukrainische Gaskonzern und Netzbetreiber fordert von Deutschland, die Erdgas-Lieferung über die Pipeline Nord Stream 1 einzustellen oder stark zu drosseln. Eine entsprechende Bitte sei der deutschen Regierung zugestellt worden, erklärte Serhij Makogon im ukrainischen Fernsehen. Deutsches Recht erlaube einen Betrieb der Pipeline unter der Bedingung, dass dadurch die Gasversorgung Europas gesichert werde. Russland habe jedoch "diese Prinzipien verletzt".

APA/ag

G7-Minister haben Vereinbarungen zum Kohleausstieg getroffen

27. Mai 2022, Berlin
G7 wollen aus Kohle aussteigen
 - Welzow, APA/dpa

Die größten Industriestaaten der Welt haben sich erstmals zu einem Abschied von der klimaschädlichen Kohlekraft bekannt. Die Energie- und Klimaminister der G7 versprachen am Freitag im Abschluss-Dokument ihres Berliner Treffens konkrete Schritte für ein Aus der Kohle-Verstromung. Zudem müsse der gesamte Energiesektor bis 2035 überwiegend CO2-frei sein, was auch Gas- oder Ölkraftwerke verbietet. Bis 2030 soll demnach der Verkehr weitgehend ohne fossile Kraftstoffe auskommen.

APA/dpa

Deutschland und USA arbeiten bei Energie zusammen

27. Mai 2022, Berlin

Deutschland und die USA wollen beim Ausbau der erneuerbaren Energie wie Windkraft sowie der Begrenzung der Emissionen im Straßenverkehr enger zusammenarbeiten. Hier gehe es vor allem um Windenergie vor den Küsten sowie um Wasserstoff, sagte Klimaminister Robert Habeck bei der Unterzeichnung der Energie-Partnerschaft am Freitag in Berlin.

APA/ag

IV-Papier: Klimapolitische Beschlüsse neu bewerten

27. Mai 2022, Wien

In einem internen Papier der Industriellenvereinigung (IV), aus dem das ORF-Radio Ö1 am Freitag im "Mittagsjournal" zitierte und das auch der APA vorliegt, bekennt sich die Industrie zwar zum Klimaschutz und will auch "maßgeblicher Treiber" sein. Es brauche aber "ein Aussetzen, eine Evaluierung und gemeinsame Neubewertung klimapolitischer Beschlüsse" sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene, heißt es im "IV-Spickzettel" vom 8. April. Scharfe Kritik kommt von Global 2000.

APA

Deutschland und USA rücken bei Offshore-Wind zusammen

27. Mai 2022, Berlin
41970348767170840_BLD_Online

Deutschland und die USA wollen beim Ausbau der erneuerbaren Energie wie Windkraft sowie der Begrenzung der Emissionen im Straßenverkehr enger zusammenarbeiten. Hier gehe es vor allem um Windenergie vor den Küsten sowie um Wasserstoff, sagte Klimaminister Robert Habeck bei der Unterzeichnung der Energie-Partnerschaft am Freitag in Berlin.

APA/Reuters

Top Artikel der Woche

Linz AG erhöht Strompreise für Bestandskunden

24. Mai 2022, Linz

Die Linz AG erhöht per 1. Juli die Strompreise. Die Maßnahme sei durch hohe Beschaffungskosten nötig geworden, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Es sei die erste Tariferhöhung für Bestandskunden seit zwölf Jahren. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.500 kWh machen die Mehrkosten 18,44 Euro pro Monat aus, rechnete das Unternehmen vor.

APA

voestalpine-Chef warnt vor Gasembargo

25. Mai 2022, Wien/Linz

Voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner und IV-Präsident Georg Knill warnen vor den Folgen eines Gasembargos. Sollte es in Europa zu einem Ausfall der Gaslieferungen kommen, wäre dies "dramatisch" und "nicht oder schwer managebar", sagt voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner: "Ohne Gas keine Stahllieferungen" und ganz allgemein würden wesentliche industrielle Prozesse zum Stillstand kommen.

APA

Kostenfalle Fernwärme bei Wien Energie: Preis verdoppelt

30. März 2022

Erdgas. Die Müllverbrennung alleine reicht nicht für Heizung und Warmwasser

Die Bewohner eines Mehrparteienhauses in Wien staunten nicht schlecht: Die monatlichen Kosten für die Fernwärme, mit der sie Heizung und Warmwasser beziehen, haben sich diesen Winter schlagartig verdoppelt. Die Bewohner wendeten sich an den KURIER, da die Erklärungen dazu eher schwammig waren. Die mehrere Seiten lange Berechnung liegt der Redaktion vor.

Geht das also? Gleich 100 Prozent mehr für Heizung und Warmwasser, eine Erhöhung im dreistelligen Bereich? Nun: 20 Prozent der Anhebung entfallen nicht auf den Wärmelieferanten Wien Energie, sondern auf einen Energiedienstleister, der für die Hausverwaltung die Verrechnung übernimmt. Da die Kosten erst mit Verzögerung an die Bewohner weitergegeben wurde, so wird erklärt, falle die Erhöhung der Vorschreibung um 20 Prozent höher aus. Der Großteil der verbliebenen 80 Prozent geht auf eine Anhebung der Vorschreibung von Wien Energie zurück – und zwar, obwohl der Verbrauch im Jahresvergleich nur um zehn Prozent gestiegen ist.

Einerseits kommt auf die Bewohner eine Nachzahlung zu. Neben dem höheren Verbrauch wirkt sich dabei der höhere Gaspreis im vergangenen Jahr aus – denn die Wiener Fernwärme ist zu einem Gutteil fossil, die Müllverbrennung hat nicht ausreichend Leistung. Der Großhandelspreis für Gas hat sich im letzten Jahr – und schon vor dem Ukraine-Krieg – vervielfacht. Und da der Vertrag mit dem Großhandelspreis steigt und fällt („Indexierung“) hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass die Energiekosten höher waren als veranschlagt. Bei einem um zehn Prozent höheren Verbrauch betragen die Mehrkosten etwa ein Drittel.

Zweitens wirkt dieser Mechanismus auch in die Zukunft: Das bedeutet, dass die Akontovorschreibung für das laufende Jahr um 45 Prozent erhöht wurde, heißt es bei Wien Energie auf Anfrage des KURIER. „Ziel der Akontovorschreibungen ist immer, die Jahreskosten im Vorhinein bestmöglich abzubilden“, Nachzahlungen sollen so vermieden werden.

Kurier

„GeoTief Wien“ ortet heißes Wasser in 3.000 Metern

20. Mai 2022, Wien

Geothermie ist nicht erst seit dem Ukraine-Krieg und der Debatte über einen möglichen Gasboykott Russlands einer der Hoffnungsträger der Energiewende. Auch in Wien vermutete man große Energiereserven in Form von heißem Wasser unter dem Stadtgebiet. 2012 wurde eine Bohrung jedoch ein teurer Fehlschlag. Vor einem neuen Versuch hat man 2016 ein umfangreiches Sondierungsprojekt gestartet, das seit kurzem Grünes Licht geben kann. Das geortete Reservoir liegt in 3.000 Meter Tiefe.

APA

Unsicheres Erdgas: Jetzt boomt die Nahwärme

27. Mai 2022

Nahwärme in Vorarlberg

Schwarzach Biomasseheizwerke waren in Vorarlberg schon einmal in Mode, jetzt feiern sie ein Comeback, das dem Klimawandel und dem Gasentpass und dem Wunsch nach Versorgungssicherheit Rechnung trägt. Nach einer anfänglichen Euphorie kam für viele Betreiber von Blockheizkraftwerken und den dazugehörigen Nah- und Fernwärmenetzen in den letzten Jahren oft die Ernüchterung: Das Geschäft mit regional produzierter Energie rechnete sich in vielen Fällen nicht.

Investitionen

Ein entsprechend großes Netz mit vielen Abnehmern aus der Wirtschaft wie privat macht die Sache lukrativer, allerdings sind dafür auch die Investitionen beträchtlich. Um das zu stemmen, suchten sich in Vorarlberg schon mehrere Fernwärme-firmen und -genossenschaften Partner unter den Energieerzeugern und wählen dabei nicht unbedingt die naheliegendste Lösung.

Das tut auch die Gemeinde Lustenau nicht, die heute, Mittwoch, ihre Biofernwärmepläne vorstellt. Die Kelag, Kärntner Gegenstück zu illwerke vkw, baut in Lustenau ein Biomasseheizwerk und das Fernwärmenetz, die Rauch LFL als hiesiger landwirtschaftlicher Dienstleister beschafft auf lokalem Weg die Biomasse. Die Kelag ist im Land nicht unbekannt. Sie hält seit 2021 bereits 75 Prozent an der Bionahwärme Lauterach. Das Unternehmen betreibt in Österreich 85 Fernwärmenetze und rund 900 Heizzentralen und  verkauft pro Jahr rund 1,8 Milliarden kWh Wärme.

Vorarlberger Nachrichten

Tauziehen um russisches Gas geht weiter - Moscow, APA/AFP

Industrie fordert konkrete Pläne für den Gasstopp

27. Mai 2022

Wie sehen die Notfallpläne für den Fall des Ausbleibens russischen Gases aus? Und wer bekommt dann wie viel? Österreichs Wirtschaftstreibende fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.

Von der Stahl- über die Glasindustrie bis hin zu den österreichischen Lebensmittelversorgern: Wichtige Teile der Wirtschaftswelt wissen derzeit nicht, wie es im möglichen Fall des Ausbleibens russischer Gaslieferungen weitergehen soll. Die Produktion müsse eingestellt werden, darin sind sich viele Wirtschaftstreibende einig. Von der Politik fühlen sie sich im Stich gelassen und nicht ausreichend in Krisenpläne eingebunden.

Die Debatte angestoßen hat die Voestalpine, größter heimischer Stahlkonzern mit Sitz in Linz. Ein Ausfall der Gaslieferungen wäre „dramatisch“ und „nicht oder schwer managebar“, sagt Voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner am Montagabend. Und: Gespräche mit der Regierung über die Krisenlage gebe es nur „sporadisch“. Mit dieser Einschätzung steht der Voestalpine-Chef bei weitem nicht allein da, wie ein Rundruf des STANDARD unter Unternehmen zeigt, die besonders energieintensiv produzieren.

Da wären etwa die Lebensmittelversorger. Im Fall eines Komplettausfalls „fehlen uns immer noch die konkreten Notfallpläne“, kritisiert Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Verbands der Lebensmittelindustrie. Ihre Branche müsse sich im Falle eines Embargos auf Szenarien vorbereiten können. Aber: „Wir haben Vorlaufzeiten. Wir müssen intensiver in diese Planungen eingebunden werden.“

„Ein Gasembargo wäre für unsere Branche eine Katastrophe“, sagt Koßdorff. Bis auf wenige Ausnahmen sei die gesamte Nahrungs- und Genussmittelindustrie zu 100 Prozent von russischem Erdgas abhängig. Das gelte für Obst und Gemüse ebenso wie für Milch und Fleisch. Viele Unternehmen aus der Branche rüsteten vor Jahren von Öl auf Gas um. Zwar sei in der Vergangenheit vermehrt auch in alternative Energien wie Photovoltaik und Biogas investiert worden. Diese dienten aber vor allem der Beheizung und Kühlung von Produktionen oder dem Betrieb von Dienstflotten. Alles Gas ersetzen zu können, das einen Drei-Schicht-Betrieb am Laufen halte – davon sei man weit entfernt, zieht Koßdorff Bilanz.

In den vergangenen Wochen und Monaten habe ihre Industrie deshalb die Regierung und die Regulierungsbehörde E-Control immer wieder auf die komplexen Zusammenhänge in der Wertschöpfungskette hingewiesen. Bisher sei aber nur zaghaft signalisiert worden, dass man diese Probleme im Blick habe. Den Nahrungsmittelherstellern vor- und nachgelagert sind Produzenten von Glas und Papier – und hier klingen die Klagen ganz ähnlich.

Der Standard

Verbund gibt Kunden ab Juli einen Energiebonus

27. Mai 2022, Wien

Einem guten Teil der rund 500.000 Kunden der Verbund AG winkt ab Juli eine Erleichterung für die gestiegenen Strom- und Gaspreise. Wer von den jüngsten Preiserhöhungen betroffen war, bekommt zwei Monate Gratisstrom (exklusive Netzkosten und Abgaben), kündigte der teilstaatliche Stromkonzern am Dienstag an. Für Menschen, die auf staatliche Unterstützung wie Mindestsicherung angewiesen oder von GIS-Gebühren befreit sind, gibt es zwei zusätzliche Monate Gratisenergie. Zudem winkt Bestandskunden, deren Strompreis sich aufgrund der indexbasierten Preisänderung besonders stark erhöht hat, ein vergünstigter Bonustarif.

Verbund hatte mit Anfang Mai die Preise erhöht. Ein Durchschnittshaushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlt seither um 250 Euro im Jahr mehr (bei Gas sind es 900 Euro im Jahr) – abzüglich einer einmaligen Gutschrift von 30 Euro, die mit der nächsten Jahresabrechnung abgezogen wird.

Für einen Durchschnittshaushalt macht der Energiebonus in etwa 90 Euro aus. Die Vorschreibungen werden dementsprechend ab Juli reduziert, „um sicherzustellen, dass die Entlastung möglichst rasch spürbar wird“, betonte der Konzern. Außerdem werden die Indexklauseln in den allgemeinen Geschäftsbedingungen „evaluiert“, weil diese aufgrund der hohen Strompreise zu weiteren Erhöhungen geführt hätten. Nun werden alternative Klauseln geprüft.

„Wir versuchen die Kunden bestmöglich zu unterstützen, wo immer wir können“, betont die Verbund AG. Österreichs größter Stromkonzern sponsert auch den Stromhilfefonds der Caritas, der allen bedürftigen Stromkunden offensteht. mg

Salzburger Nachrichten

Gas: Volle Speicher reichen nicht

27. Mai 2022, Wien

Energie. Komme kein Gas mehr, drohe Österreich ein Produktionseinbruch wie in der ersten Coronawelle, sagen Forscher. Die Regierung müsse rasch handeln — und auf Hilfe der EU bauen.

Gute Nachrichten: Langsam, aber doch nimmt die eiserne Gasreserve des Landes Gestalt an. Die Bundesregierung habe um 958 Millionen Euro die ersten 7,7 Terawattstunden (TWh) Erdgas für die strategische Reserve aufgekauft, vermeldete das Klima- und Energieministerium am Dienstag. Damit kommt Österreich immerhin über einen kalten Wintermonat. In Summe will der Staat 20 TWh Gas selbst einlagern, mithilfe der Versorger sollen die Gasspeicher im Herbst zu 80 Prozent gefüllt sein. Vergangene Woche verfügte die Koalition zudem, dass der Gasspeicher Haidach, der bisher nur Deutschland versorgt hatte, auch an das österreichische Netz angebunden werden soll. Die Vorbereitungen für den Ernstfall eines Stopps russischer Gaslieferungen laufen also.

Aber all das sei nicht genug, warnen die Forscher des Complexity Science Hub Vienna (CSH), die zuletzt in der Coronapandemie viel an Aufmerksamkeit gewonnen haben. Sie haben sich angesehen, wie das Land und seine Industrie im Detail betroffen wären, wenn plötzlich kein Gas mehr aus Russland käme — und wie sich die Regierung heute schon idealerweise auf dieses Szenario vorbereiten sollte. "Ohne geeignete Gegenmaßnahmen drohen substanzielle wirtschaftliche Schäden", warnt CSH-Leiter Stefan Thurner. Auf gut gefüllten Gasspeichern darf sich Österreich jedenfalls nicht ausruhen. Im Ernstfall könnte es die bessere Wahl sein, das gebunkerte Gas mit dem Rest der EU zu teilen.

Modelliert haben die Komplexitätsforscher einen Stopp russischer Gaslieferungen ab Juni. Österreich kämen schlagartig 80 Prozent seiner Gasimporte abhanden, Haushalte und Stromversorger wären zwar noch versorgt, die Industrie aber käme rasch in Bedrängnis. Die betroffenen Unternehmen würden mehr als fünf Milliarden Euro an Bruttoproduktion im Monat verlieren. "Das ist in etwa dieselbe Größenordnung wie in der ersten Coronawelle", so Thurner. Alle Überlegungen, wie die restlichen Mengen am besten auf die Branchen verteilt werden sollten, seien in seinen Augen zweitrangig. Entscheidend sei vielmehr, dass die Politik schon jetzt gegensteuere, um den möglichen Gasschock so klein wie möglich zu halten.

Die Presse