Deutschland befreit schwere Lkw von Spritpreis-Erhöhung

11. November 2020, Berlin
Soll mit der geplanten neuen Lkw-Maut gegenverrechnet werden
 - Rostock, APA (dpa)

Anders als Autofahrer sollen in Deutschland Spediteure mit schweren Lastwagen die Spritpreis-Erhöhungen in Deutschland im Zuge der CO2-Abgabe nicht zahlen müssen. Die höheren Dieselpreise an der Tankstelle von etwa acht Cent pro Liter ab Jänner sollen mit der geplanten neuen Lkw-Maut verrechnet werden können, bestätigten Verkehrs- wie auch Umweltministerium entsprechende Reuters-Informationen aus Regierungs- und Branchenkreisen.

Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte, die Entlastung werde derzeit geprüft. Mit dieser will man deutsche Spediteure im internationalen Wettbewerb vor einer Doppelbelastung schützen: auf der einen Seite die nach CO2-Ausstoß ausgerichtete höhere Lkw-Maut, auf der anderen die CO2-Abgabe auf Sprit.

Jährlich dürften die Spediteure auf diese Weise nach Schätzungen aus Branchenkreisen etwa 400 Mio. Euro bei der CO2-Abgabe sparen. Sowohl Umwelt- als auch Verkehrsressort verwiesen auf einen Passus in der Gesetzesbegründung zur CO2-Abgabe, der bisher kaum beachtet wurde. Dort steht, dass eine Entlastung der Spediteure im Zuge der neuen Lkw-Maut geprüft werde. Diese befürchten, dass etwa osteuropäische Konkurrenten die CO2-Abgabe in Deutschland umfahren werden, indem sie noch im Ausland günstig große Mengen Diesel in Zusatzbehälter tanken. Von der geplanten Lkw-Maut-Erhöhung durch eine zusätzliche CO2-Komponente wären ausländische Spediteure allerdings genauso betroffen, da sie in der ganzen EU gelten wird.

Die Lkw-Maut soll künftig bereits für kleinere Laster ab 3,5 Tonnen auf Autobahnen und Bundesstraßen gelten. Schwere Laster mit 40 Tonnen Gewicht machen nicht einmal ein Zehntel der Lkw in Deutschland aus. Aber diese Flotte ist für die Hälfte aller Treibhausgas-Emissionen des Straßengüterverkehrs verantwortlich, der als besonderes Problemfeld beim Klimaschutz gilt. Die Zustimmung des Umweltressorts zu der Entlastung mag daher überraschend sein. Allerdings hatte das Ministerium mit dem Argument einer drohenden Doppelbelastung umgekehrt eine Pkw-Maut abgelehnt. Die Autofahrer würden ja schon durch die CO2-Abgabe zur Kasse gebeten, hatte das Ressort erklärt.

Die technische Umsetzung wird allerdings nicht einfach: Wer in Deutschland tankt, müsste die Belege aufbewahren, seine höheren Maut-Kosten durch die CO2-Komponente nachweisen und das Geld entsprechend zurückfordern, wenn die höhere Maut dann wie geplant ab 2023 kassiert wird.

Die CO2-Abgabe in Deutschland greift ab Jänner sowohl für Diesel und Benzin als auch Gas oder Heizöl. Sie wird in den kommenden Jahren schrittweise weiter erhöht. Mit den Erlösen soll vor allem die Abgabe für Strom aus erneuerbaren Energien gesenkt werden.

APA/ag

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