SBO-Chef: Spuk ist noch nicht vorbei, aber es gibt Hoffnung

17. März 2021, Wien/Ternitz
SBO-Vorstandschef Gerald Grohmann
 - Wien, SBO/Christian Jungwirth

Der im ATX der Wiener Börse notierte österreichische Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann Oilfield (SBO) hat am Mittwoch seine im Jänner veröffentlichten Ergebniszahlen für 2020 bestätigt: Der Umsatz brach um 34,6 Prozent auf 291,2 Mio. Euro ein, der Auftragseingang halbierte sich auf 235,1 Mio. Euro, und unterm Strich stand nach Steuern ein Verlust von 21,7 Mio. Euro – nach 32,3 Mio. Euro Überschuss im Jahr davor. Die Dividende für 2020 soll gestrichen werden.

„Die Welt hat im Jahr 2020 die größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt“, sagte SBO-Vorstandschef Gerald Grohmann bei der Präsentation der Ergebniszahlen in einer Online-Pressekonferenz. Die Investitionen in die Öl- und Gasförderung seien im Vorjahr um ein Viertel eingebrochen, in Nordamerika sogar um 46 Prozent.

Die Bodenbildung sei aber im dritten Quartal 2020 erreicht worden. Der positive Trend sollte sich in den kommenden Quartalen fortsetzen und vor allem ab der zweiten Jahreshälfte 2021 eine spürbare Erholung bringen, so die Erwartung. „Der Spuk ist immer noch nicht vorbei, aber doch gibt es Hoffnung, dass wir uns jetzt graduell aus dieser Krise herausbewegen“, sagte Grohmann. „Diese Prognosen hängen jedoch maßgeblich davon ab, wie rasch die Covid-19-Pandemie eingedämmt wird und das globale Wirtschaftswachstum wieder ansteigt.“

Der Auftragsstand der SBO lag Ende 2020 bei 65,2 Mio. Euro (31. Dezember 2019: 123,0 Mio. Euro). Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) betrug im vergangenen Geschäftsjahr 27,1 Mio. Euro (2019: 108,6 Mio. Euro). Das operative Ergebnis war mit 1,2 Mio. Euro ausgeglichen, wurde jedoch durch Wechselkursverluste von netto 6,8 Mio. Euro belastet. Dadurch betrug das Betriebsergebnis (EBIT) vor Einmaleffekten minus 5,6 Mio. Euro (2019: 60,8 Mio. Euro).

Durch nicht-liquiditätswirksame Wertminderungen bei nordamerikanischen Tochtergesellschaften und Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 22,3 Mio. Euro belief sich das EBIT nach Einmaleffekten auf minus 28,0 Mio. Euro (2019: 60,2 Mio. Euro). Die EBITDA-Marge lag bei 9,3 Prozent (2019: 24,4 Prozent), die EBIT-Marge bei minus 9,6 Prozent (2019: 13,5 Prozent).

Das Finanzergebnis 2020 kam auf minus 3,2 Mio. Euro (2019: minus 12,3 Mio. Euro). Das Ergebnis vor Steuern ging, belastet durch die beschriebenen Sondereffekte, auf minus 31,2 Mio. Euro zurück (2019: 47,9 Mio. Euro). Das Ergebnis nach Steuern betrug minus 21,7 Mio. Euro im Jahr 2020 (2019: 32,3 Mio. Euro). Das Ergebnis pro Aktie lag bei minus 1,38 Euro (2019: 2,03 Euro).

Der Vorstand will der Hauptversammlung am 29. April vorschlagen, für das Geschäftsjahr 2020 keine Dividende auszuschütten. Für 2019 gab es noch eine Gewinnausschüttung von 1,20 Euro je Aktie.

Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit ging von 98,1 Mio. auf 94,3 Mio. Euro zurück, die liquiden Mittel wurden aber von 265,2 Mio. auf 314,0 Mio. Euro erhöht. Sollten die Auswirkungen der Pandemie noch etwas länger dauern, „so halten wir das ganz locker durch, aber gleichzeitig haben wir genug trockenes Pulver, um auch den Aufschwung, der wir erwarten, dann zu finanzieren“, sagte der CEO.

Der Mitarbeiterstand wurde von 1.535 auf 1.131 reduziert, wobei der Stellenabbau vor allem in den USA erfolgte, wo die SBO-Division Oilfield Equipment stark vertreten ist. „Wir mussten dort innerhalb kurzer Zeit 40 Prozent der Mitarbeiter abbauen“, sagte Grohmann.

„Wir haben die Investitionen im Jahr 2020 um 50 Prozent reduziert“, so Finanzvorstand Klaus Mader, „auf das Notwendige, aber nicht auf ein Maß, das uns die Technologieführerschaft kosten würde.“ Investiert habe man also vor allem in die Erhaltung sowie in Forschung und Entwicklung. Das zeige, „dass SBO Krise kann“.

„Für 2021 sehen wir uns mit unserer starken Liquidität und bereits wirkenden Krisenmaßnahmen gut aufgestellt“, so Grohmann. Die Marktstimmung habe sich durch das Ausrollen von Impfprogrammen und zusätzlichen Konjunkturpaketen zuletzt verbessert. Für die Branche werde ein moderates Wachstum von rund 7 Prozent erwartet. „Wenn man den Rig Count betrachtet – alle aktiven Bohrtürme an Land und offshore -, dann sieht man, dass das Schlimmste hinter uns ist“, zeigte sich der SBO-Chef zuversichtlich. „Der Rig Count hat seinen Tiefstpunkt im dritten Quartal des Vorjahres erreicht und erholt sich seither.“ Außerhalb Nordamerikas sei der Rig Count vom Tiefstpunkt von ca. 600 Rigs auf inzwischen 700 gestiegen. Auch in den USA sei man mittlerweile von rund 250 wieder bei 400 Rigs. Allerdings sei man von den Zahlen früherer Jahre noch weit entfernt: Vor ein, zwei Jahren seien es allein in den USA mehr als 1.000 Bohrtürme gewesen.

Langfristig geht Grohmann davon aus, dass Öl- und Gas bei der globalen Energieversorgung auch in den nächsten Jahrzehnten noch eine wichtige Rolle spielen wird. Laut Prognose der Internationalen Energieagentur IEA würden Öl und Gas auch 2050 noch 40 bis 50 Prozent des Primärenergiebedarfs decken. Über die Jahre werde aber ein Verschiebungsprozess stattfinden. „Für den wollen wir nicht nur gerüstet sein, den wollen wir auch aktiv begleiten.“ Darum habe man im vergangenen Jahr ein Strategieprojekt gestartet, „wo wir uns ansehen: Wo kann man das, was Schoeller-Bleckmann gut kann, in anderen Industrien außerhalb von Öl und Gas noch erfolgs- und gewinnbringend einsetzen?“ Erste kleine Erfolge gebe es schon: So liefere SBO aus Houston bereits Teile für das SpaceX-Programm von Elon Musk.

APA

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