OPEC+ dreht den Ölhahn weiter auf

2. April 2021, Wien

Nach monatelangem Festhalten an einem Förderlimit ändert die Öl-Allianz OPEC+ vorsichtig ihren Kurs. Für die Monate Mai, Juni und Juli werde die aus 23 Staaten bestehende Öl-Allianz OPEC+ trotz der Unwägbarkeiten der Corona-Krise ihre Produktion steigern und die Förderbremse lockern, vereinbarten die Energieminister der Länder bei einer Online-Konferenz am Donnerstag.

Im Mai und Juni sollen 350.000 Barrel am Tag mehr auf den Markt gebracht werden als aktuell. Im Juli solle die Steigerung 450.000 Barrel am Tag betragen, teilte das kasachische Energieministerium mit. Die Allianz hatte die Öl-Förderung seit längerem per Absprache gedeckelt, Grund ist die coronabedingt schwache Nachfrage. Der Verbund hat bei der weltweiten Ölversorgung einen Anteil von rund 45 Prozent.

Der Einigung war ein Appell der US-Regierung an Saudi-Arabien vorausgegangen, die Energiepreise erschwinglich zu halten. Der Vorgänger des aktuellen US-Präsidenten Joe Biden, Donald Trump, hatte während seiner Amtszeit mehrfach mit führenden Politikern der OPEC-Staaten zum Thema Ölpolitik telefoniert.

Zu Beginn des Treffens hatte Saudi-Arabien wegen der anhaltenden Corona-Pandemie und ihrer schwer kalkulierbaren wirtschaftlichen Folgen noch für die Beibehaltung der restriktiven Förder-Politik geworben. „Die Vorsicht ist bei jedem noch da“, sagte der saudische Energieminister Abdulaziz bin Salman. Die monatlichen Schritte lägen in der Spanne von 500.000 Barrel am Tag, die sich der Verbund als Handlungsspielraum bereits im Dezember gegeben habe.

Russland als ebenfalls mächtiger Faktor in der OPEC+ hatte auf die sich aufhellende Weltkonjunktur verwiesen. Dies würde eine deutlich höhere Nachfrage beim Öl bedeuten, sagte der russische Vize-Regierungschef Alexander Nowak. „Wir sehen, dass sich die Wirtschaft weiter erholt.“

Analysten waren davon ausgegangen, dass die Gruppe OPEC+, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, sich auf eine Verlängerung der aktuellen Produktionsbeschränkungen verständigen werde. Sie verwiesen auf die unsicheren Aussichten für die Nachfrage angesichts der steigenden Coronavirus-Fallzahlen in Europa und einigen Schwellenländern wie Indien und Brasilien.

APA/dpa

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