300 Euro mehr im Jahr

29. Juni 2021, Kopenhagen/Wien/Moskau

Mieter müssen die Zusatzkosten durch den CO2 – Preis allein tragen – und das kann teuer werden. Welche Heizungsart am meisten Geld verschlingt.

Bis zuletzt hatten Mieter darauf gehofft, dass sich die Große Koalition auf eine Beteiligung der Vermieter bei den Kostensteigerungen durch den CO2 – Preis einigen würde. Vergeblich. Die Union hat die Entlastung von Mietern verhindert. Ab der Heizkostenabrechnung 2021 kommen nun Zusatzkosten auf die Mieter zu, die mit einem steigenden CO2 – Preis weiter zunehmen. Derzeit gültig ist ein CO2 – Preis in Höhe von 25 Euro pro Tonne CO2 . 2025 soll er bei 55 Euro liegen.


Um wie viel steigen damit künftig die Kosten durch den CO2 – Preis?
Die Beratungsgesellschaft co2online hat beispielhaft ermittelt, um wie viel die Heizkosten abhängig von Heizsystem, Heizverhalten und Warmwasseraufbereitung steigen. Grundlage der Zahlen ist ihre jährliche Heizkostenanalyse. Dabei handelt es sich um den tatsächlichen Verbrauch, keinen theoretischen Bedarfswert.


Am häufigsten wird in Deutschland mit Gas geheizt, gefolgt von Öl. Wer ausschließlich erneuerbare Energien wie Biomasse zum Heizen oder alternative Heizsysteme wie Wärmepumpen nutzt, den erwarten keine höheren Heizkosten. In gas- oder ölbeheizten Häusern wird die Wärmeerzeugung dagegen deutlich teurer. Unterschieden hat co2online zwischen einem durchschnittlichen und einem höheren Verbrauch.
Erster Fall: Wohnfläche 70 qm, zwei Personen Bei einer Gasheizung legt co2online bei einem durchschnittlichen Heizverbrauch jährliche Kosten von 622 Euro zugrunde. Vorausgesetzt, der Verbrauch ist weiterhin durchschnittlich, führt der CO2 – Preis 2021 zu zusätzlichen Kosten in Höhe von 60 Euro. 2025 belaufen sich die Mehrkosten auf 130 Euro. Die unten stehende Tabelle zeigt, wie sich die Kosten entwickeln, wenn der Energiebedarf höher ist.


Bei einer Ölheizung und einem durchschnittlichen Heizverhalten belaufen sich die jährlichen Kosten auf 673 Euro. Die Mehrkosten durch den CO2 – Preis werden mit 86 Euro (2021) sowie 188 (2025) angegeben.
Zweiter Fall: Wohnfläche 110 qm, drei Personen Bei einer Gasheizung fallen jährlich 977 Euro Heizkosten an. Mehrkosten durch den CO2 – Preis: 94 Euro, die bis 2025 auf 204 Euro steigen. Für die Wärmeerzeugung per Ölheizung fallen heute bereits jährlich 1.057 Euro an. Mehrkosten durch den CO2 – Preis: 135 Euro (2021) beziehungsweise 295 Euro (2025).
Dritter Fall: Wohnhaus, sieben Wohnungen, 520 Quadratmeter Bei einer Gasheizung fallen jährlich 4.618 Euro Heizkosten an. Mehrkosten durch den CO2 – Preis: 446 Euro (2021) beziehungsweise 967 (2025) Euro. Bei einer Ölheizung fallen heute bereits 4.997 Euro Heizkosten an. Mehrkosten durch den CO2 – Preis 2021: 637 Euro, die bis 2025 auf 1.394 Euro steigen.


Vierter Fall: Haus mit 40 Einheiten, 3.130 Quadratmeter Bei einer Gasheizung fallen jährlich 27.018 Euro Heizkosten an. Mehrkosten durch den CO2 – Preis 2021: 2.610 Euro, die bis 2025 auf 5.656 Euro steigen. Bei einer Ölheizung fallen heute bereits 29.691 Euro Heizkosten an. Mehrkosten durch den CO2 – Preis 2021: 3.783 Euro, die bis 2025 auf 8.285 Euro steigen.
Mögliche Zusatzbelastungen für die Vermieter fallen nun weg. Damit könnten sie Spielraum für die energetische Sanierung von Wohnungen und Gebäuden gewinnen. Die Immobilienwirtschaft verweist darauf, dass die Entscheidung, den CO2 – Preis allein beim Mieter zu belassen, keinerlei „Einspareffekte“ für die Unternehmen bedeuteten. Es werde lediglich der Status quo gewahrt, bei gleichzeitig weiter steigenden gesetzlichen Anforderungen an die Energieeffizienz in Neubau und Bestand.


„Klimaschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, zu der auch die Immobilienwirtschaft ihren Beitrag leistet“, sagte Andreas Ibel, Präsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW). Finanzielle Zusatzbelastungen aber wirkten als Investitions- und Innovationsbremse. „Es ist deshalb gut und richtig, die Steuerungswirkung der CO2 – Bepreisung in ihrer jetzigen Form zu erhalten“, so Ibel weiter.
„Es ist gut, dass die Heizkosten weiter voll von den Mietern getragen werden müssen, inklusive des Anteils, den der neue CO2 – Preis verursacht“, sagte auch Thomas Reimann, Vizepräsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU). „Zum einen entscheiden ja die Mieter über ihren Verbrauch“, sagte er. „Zum anderen wollen wir mehr private Investitionen in Wohnraum. Vermieter zusätzlich zu belasten, das wäre grundfalsch gewesen, denn sie sollen ja mehr und nicht weniger Anreize für Neubau, Ausbau und Modernisierung bekommen.“
Der Mieterbund wertete dagegen das Ausbleiben Kostenaufteilung als „großer Rückschlag“ für Mieter, da sie auch zukünftig den vollen CO2 – Preis zahlen müssen, obwohl sie diesen nicht beeinflussen können. Notwendig sei vielmehr, dass die komplette Umlage des CO2 – Preises im Mietwohnbereich vom Vermieter getragen werde, um Anreize zu setzen, klimaschädigende gegen nachhaltige Heizungsanlagen auszutauschen“, sagte Bundesdirektorin Melanie Weber-Moritz.


Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online, mahnte, die Anstrengungen drastisch zu erhöhen, um einen klimaneutralen Gebäudebestand hinzubekommen. „Der Gebäudesektor fällt bei der deutschen Klimabilanz durch“, sagte sie dem Handelsblatt. „Die Sache liegt klar auf der Hand: Eigentum verpflichtet, und Vermieter sind gefragt, wenn es um den Schutz künftiger Generationen geht.“ Daran ändere auch die gekippte 50:50-Regelung für den CO2 – Preis nichts.


ZITATE FAKTEN MEINUNGEN
55 Euro pro Tonne soll der CO2-Preis im Jahr 2025 betragen. Derzeit gültig ist ein CO2-Preis in Höhe von 25 Euro pro Tonne CO2 . Quelle: Bundesregierung

Handelsblatt

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