Nord-Stream-Pipeline könnte in Zukunft grüne Energie liefern

18. August 2021

EU sucht Alternativen zur Ukraine für Wasserstoffversorgung und denkt dabei auch an Russland

Ob Öl, Gas, Wasserstoff oder Strom: Die 27 Mitgliedsländer der EU müssen sich bei der Umstellung des Energiesystems von fossil auf CO₂-frei von einem Engpass zum nächsten hanteln. So viel erneuerbare Energie kann auf dem Territorium der EU gar nicht hergestellt werden, als dass über Autarkie auch nur spekuliert werden könnte.
Dazu fehlen die mobilisierbaren Flächen für Windräder und Sonnenmodule; zudem ist es schon Herausforderung genug, überschüssige Energie vom Sommer in den Winter zu transferieren, wenn der Strom- und Heizbedarf hoch ist, Erneuerbare aber nicht die benötigten Mengen liefern können. Also macht man sich seit einiger Zeit Gedanken, woher man die benötigte saubere Energie beziehen könnte.
Neben der Ukraine, die im Gegensatz zu EU-Ländern über große Flächen zur Produktion von erneuerbaren Energien verfügt und gute Voraussetzungen für die Produktion grünen Wasserstoffs hat, suchen EU-Länder auch anderswo nach Partnern. Und da kommt immer wieder Nord Stream 2 ins Gespräch.

Technisch kein Problem

In der umstrittenen Pipeline, die nach dem Einlenken der USA nun doch fertiggebaut wird, steckt auch österreichisches Geld. Die teilstaatliche OMV hat als einer von insgesamt fünf Finanzpartnern 729 Millionen Euro lockergemacht. Läuft alles glatt, wird noch im Winter erstes Gas aus Russland durch die großteils parallel zu Nord Stream 1 verlaufende Röhre (siehe Grafik) nach Deutschland fließen. Irgendwann könnte auch Wasserstoff durch die Leitungen geschickt werden.

Technisch sei das kein großes Ding, erklären Experten. Moderne Pipelines wie Nord Stream könnten bis zu 80 Prozent Wasserstoff, gemischt mit Erdgas transportieren, sagte unlängst Juri Melnikow von der Moskauer Skolkowo-Hochschule für Management. Bei älteren Pipelines liege der Wert bei 20 Prozent.

Ein Problem Russlands ist aber, dass man zwar viel Erdgas hat, aber über wenig erneuerbare Energien verfügt und zumindest bisher kaum Ehrgeiz zeigt, diese stärker zu entwickeln. Gerade Länder wie Deutschland und Österreich sind aber an grünem Wasserstoff interessiert, der mittels Elektrolyse und Strom aus erneuerbaren Quellen hergestellt wird. Gelber, mit Atomstrom produzierter Wasserstoff wäre für Frankreich kein Problem, für andere Länder, darunter Österreich, aber sehr wohl.

Hier kommen die Emirate ins Spiel. Sie könnten mit Erdgas produzierten sogenannten blauen Wasserstoff, bei dem CO₂ abgeschieden und gelagert wird, genauso anbieten wie mit Sonnenenergie erzeugten. Deutschland und Österreich haben als bisher einzige Länder Europas eine strategische Partnerschaft mit Abu Dhabi geschlossen, vorerst freilich nur auf dem Papier.

Der Standard

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