Große Sonnenstrom-Anlage kommt, Geschäftsführer geht

20. August 2021, Salzburg

Quelle: Salzburger Nachrichten, 18.08.2021 (S. L15)

Dass Mitte Juli endlich das Gesetz zum Ausbau erneuerbarer Energie (kurz: EAG) beschlossen wurde, wurde von der Ökostrombörse (ÖSB) sehnlichst erwartet. Der Salzburger Verein, der vom Naturschutzbund, der Plattform gegen Atomgefahren und der Salzburg AG getragen wird, hat seit Februar mit Franz Kok (59) einen neuen Obmann: Der Politikwissenschafter hat schon an der Gründung der ÖSB 2005 mitgewirkt und später jahrelang als Geschäftsführer der Salzachwind GmbH für die Umsetzung mehrerer Windkraftprojekte gekämpft – aber vergeblich.

Das EAG biete aber nun neue Möglichkeiten, sagt Kok: „Gemeinschafts-Energieanlagen in einem Haus waren bisher schon möglich. Neu ist aber, dass Energiegemeinschaften jetzt über die Grenze eines Gebäudes hinausgehen können.“ So könne etwa mit einer PV-Anlage oder einem Kleinwasserkraftwerk auf der einen Straßenseite jetzt auch das Nachbarhaus auf der anderen Straßenseite versorgt werden.

Als Reaktion auf das Gesetz hat die ÖSB bereits ein Baukastensystem entwickelt, mit dem interessierte Bürger und Hausgemeinschaften solche Anlagen in Eigenregie auf den Weg bringen können. Kok: „Neu ist, dass laut Gesetz etwa für eine PV-Anlage am Dach nicht mehr 100 Prozent der Eigentümer zustimmen müssen, sondern, je nach Variante, eine absolute oder eine Zweidrittelmehrheit ausreichend ist.“

Denn um die Klimaschutzziele bis 2030 zu schaffen, müsse man nicht nur auf Neubauten, sondern auch auf möglichst vielen bestehenden Mehrparteienhäusern PV-Anlagen errichten, betont der Experte. „Denn je mehr Dächer wir nutzen, umso weniger Grünland muss mit großen PV-Freiflächenanlagen verbaut werden.“ Zudem hätte selbst erzeugter Strom zwei finanzielle Vorteile: „Man erspart sich auch die Steuern und Netzgebühren, die bis zu zwei Drittel der Stromrechnung ausmachen. Und die Kosten des Eigenstroms sind stabil, obwohl die Marktpreise für Strom sicher steigen werden.“

Die ÖSB wird aber auch selbst aktiv werden und noch heuer ein Pilotprojekt auf einem bestehenden Mehrparteienhaus in Schallmoos umsetzen: „Da werden zehn Parteien eine PV-Anlage mit 30 bis 40 kWp betreiben – samt dezentralem Stromspeicher.“ 2022 sollen dann bis zu fünf ähnliche Projekte verwirklicht werden, hofft Kok: „Und diese Rate soll sich im Idealfall pro Jahr verdoppeln. Denn Interessierte können sich schon ab einem Einmalbetrag von 5000 Euro einkaufen.“

Allerdings: Um seine Pläne umzusetzen, muss sich der Verein einen neuen Geschäftsführer suchen. Denn der aktuelle, der Lengauer Markus Schwarz (39), der erst vor zwei Jahren gestartet ist, wechselt mit 1. September zum Salzburger Institut für Raumordnung (SIR) – wird dort aber dem Ökostrom-Thema treu bleiben: „Im SIR werde ich im Team der neuen Anlaufstelle für Energiegemeinschaften mitarbeiten – und in Form konkreter Projekte für Gemeinden, Betriebe und Haushalte auch mit der Ökostrombörse kooperieren.“

ÖSB-Obmann Kok hat aber auch noch zwei konkrete Wünsche an die Landespolitik: „Ich wünsche mir im Bereich Ökostrom Fördertöpfe, die nicht gedeckelt sind – weil auch die Folgekosten für Muren, Überschwemmungen und Hagel sich rasch nach oben entwickeln, wie wir gerade in den letzten Wochen leider sehen mussten.“ Zudem dürfe das Windenergiethema „nicht einfach den Befindlichkeiten mancher Naturschutz-Aktivisten überlassen werden. Da muss das Land bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Die Wind-Gunstlagen bei uns sind bekannt. Die Politik müsste sich trauen, sie zu nutzen und sie in der Raumordnung als Vorrangflächen auszuweisen, damit dort ohne komplizierte Verfahren Windräder errichtet werden können.“

von Stefan Veigl

Salzburger Nachrichten

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