Matrei steht mit Tiwag auf Kriegsfuß

1. Dezember 2021

Bürgermeister Andreas Köll stellt für Strom- und Netzversorger die Ampeln auf Rot. Grund: Nicht eingehaltene Vereinbarungen, Verhandlungsverweigerung und keine Netzsicherung. Tiwag und Tinetz halten dagegen.
Mit schweren Geschützen fährt der Matreier Bürgermeister Andreas Köll gegen die Tiwag und deren Tochter Tinetz auf. Beide wollen in Matrei in den nächsten Jahren 165 bis 170 Millionen Euro investieren. Aber: Offenbar ist in der Gemeinde Matrei das Fass übergelaufen. Aus mehreren Gründen. Köll kritisiert, dass sich die Tiwag für den Bau der zweiten Turbine beim Kraftwerk Schwarzach nicht an die Entschädigungsvereinbarungen halte. „Die Tiwag wollte uns eine verminderte Summe auszahlen, das hat die Gemeinde verweigert“, ist Köll ungehalten.
Auch beim Kraftwerk Tauernbach hängt der Haussegen schief. Die Gemeinde Matrei habe Vorstellungen betreffend des Kraftwerkes an die Tiwag übermittelt. Gespräche seien geplant gewesen. Matrei habe als Verhandlungsteam Gemeinderat Bernd Hradecky und Köll schon lange bekannt gegeben. „Im August kam dann die Aufforderung der Tiwag, Verhandlungspartner zu nennen, da fühlte sich die Gemeinde gefrotzelt. Das ist kein Stil“, moniert der Bürgermeister.


Für ihn sei das ein Indiz, dass die Tiwag in der Kraftwerks-Causa weder Bedarf noch Eile habe. Und Köll stellt dem Stromversorger die Rute ins Fenster: „Ich kann nicht garantieren, dass die derzeit noch mehrheitlich positive Haltung nach der Gemeinderatswahl noch besteht.“ Köll überlegt bekanntlich ein Ausscheiden aus der Politik und Hradecky kandidiert nicht mehr.


Eingewichtiger Grund in der „Stromstörung“ zwischen Matrei und Innsbruck ist das Verhalten der Tinetz. Köll erinnert an großflächige Stromausfälle im vergangenen Winter: „Und seitdem ist nichts passiert, außer der Ummantelung von zwei Kabeln.“ Die Tinetz-Führung habe nie Gespräche mit der Gemeinde gesucht. „Aber nach Lienz fahren, eine E-Ladestation eröffnen, dafür war Zeit“, so Köll sarkastisch.


Und für das Umspannwerk, das im Ortsteil Seblas errichtet werden soll, stellt die Gemeinde Matrei die rote Ampel auf. Dieses Werk war ursprünglich in Gruben geplant. „Es ist aber gescheitert, weil von der Tinetz keine Grundverhandlungen um eine Böschung geführt wurden“, sagt Köll. Für Matrei und Virgen sei es kein Vorteil, wenn das Umspannwerk in Seblas entstehe. „Wir werden für das Werk keine Schwertransporte aus Tonnagegründen auf unseren Straßen zulassen.“


BeiTiwag-Vorstand Johann Herdina prallen die Geschütze aus Matrei ab. Zur Entschädigung bei der Schwarzach-Turbine sagt er: „Es gibt einen aufrechten Vertrag. Köll soll uns eine Rechnung stellen, dann können wir auszahlen. Die Gemeinde Hopfgarten hat das locker zusammengebracht.“ Betreffend Verhandlungen für das Tauernbach-Kraftwerk verweist Herdina auf den Projektleiter Wolfgang Stroppa. Der versteht die Aufregung nicht. „Im Sommer wurde mit Köll vereinbart, dass die Tiwag ein Schreiben schickt, dass wir gerne in Verhandlungen eintreten würden. Das Schreiben ist ergangen und wir haben bis dato keine Antwort“, sagt er und weist darauf hin, dass die Causa Kraftwerk Tauernbach beim Bundesverwaltungsgericht liege. Stroppa: „Und so lange wir keine Entscheidung haben, wissen wir nicht, ob das Projekt genehmigt wird. Was sollen wir also reden. Die Gemeinde Matrei wird sicher nicht vergessen.“
Tinetz-Geschäftsführer Thomas Rieder lässt nichts über den neuen Umspannwerk-Standort Seblas kommen: „Für die Versorgungszuverlässigkeit, auch in die Täler, ist das der beste Standort.“


Zum angedrohten Zulieferverbot des Umspanners sagt Rieder: „Wir brauchen rund 300 Meter Gemeindestraße und daran kann es nicht scheitern.“ Kölls Kritik wegen so gut wie keiner Maßnahmen für bessere Netzstabilität lässt er so nicht stehen. „Ich weiß jetzt nicht im Detail, was in Matrei gemacht wurde, aber jede Maßnahme, die in Gemeinden davor oder danach erfolgt ist, kommt auch Matrei zugute.“

Kleine Zeitung

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