Startschuss für „echten“ burgenländischen Strom

31. Dezember 2021


Über die Pläne des Landes, die Energie selbst zu speichern und so künftig unabhängig von Energiebörsen zu sein.

Leitartikel des Chefredakteurs
Für viel Unverständnis haben in diesem Jahr die doch recht saftigen Preissteigerungen im Energiebereich gesorgt. Vor allem im Burgenland hört man eines immer wieder: Wir produzieren mit unseren Windrädern über 150 Prozent unseres Strombedarfes selbst und dennoch sind wir von den Preisschwankungen an der europäischen Energiebörse abhängig. Spekulanten entscheiden, wie viel wir für den Strom bezahlen müssen – und das, obwohl die Energie Burgenland mehrheitlich im Eigentum der Burgenländerinnen und Burgenländer steht.


Provokant formuliert: Das Unternehmen betreibt Gewinnmaximierung und die Bevölkerung muss unterm Strich blechen. Diesem Umstand will Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) nun einen Riegel vorschieben, wie er im BVZ-Interview aufhorchen lässt. Sein Plan in den nächsten zwei bis drei Jahren: Den Strom über Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen selber produzieren und auch gleichzeitig speichern, um dann nicht mehr von irgendwelchen Strombörsen abhängig zu sein. Geht Doskozils Plan auf, wird es neben der Energie-Autarkie auch eine Preis-Autarkie geben. Soll heißen: Das Land bestimmt selbst den Strompreis für die Bevölkerung.


Ein weiterer Schritt für „mehr Staat als Privat“. Da-rüber wird es sicher einiges an Diskussionsstoff geben. Manche mögen sich an gewisse Systeme der gemeinschaftlichen Zentralheizung erinnern. Für andere ist es einfach nur die Möglichkeit, der Bevölkerung günstigeren Strom sicherzustellen. Gewinn soll das Land dabei keinen machen.
Zudem will Doskozil bis 2030 die fossilen Brennstoffe aus dem Land verdammen. Dazu braucht es noch viel Überzeugungskraft und gute Angebote. Denn wenn man sich so manche burgenländische Rauchfänge ansieht, was da noch teilweise an die Umwelt abgegeben wird, ist der Ansatz nach abgasfreier Heizung richtig und notwendig – und für die Menschen unterm Strich auch billiger.
m.stefanitsch@bvz.at

BVZ

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