OMV fährt dank hoher Öl- und Gaspreise Rekordgewinn ein

3. Feber 2022, Wien
OMV profitiert von hohen Gaspreisen
 - Wien, APA/ROLAND SCHLAGER

Der heimische Erdöl- und Gaskonzern OMV hat 2021 einen kräftigen Gewinnsprung geschafft und will deshalb die Dividende für um 24 Prozent auf 2,30 Euro je Aktie erhöhen. Das für die Branche maßgebliche CCS Operative Ergebnis vor Sondereffekten stieg von 1,69 auf 5,96 Mrd. Euro, der Periodenüberschuss wurde auf 2,8 Mrd. Euro fast verdoppelt, der Umsatz war mit 35,56 Mrd. Euro mehr als doppelt so hoch wie im Jahr davor. Die OMV-Aktie gab dennoch um rund 3 Prozent nach.

Im vierten Quartal legten vor allem dank gestiegener Gasverkaufsmengen und höherer Gaspreise die Konzernumsatzerlöse um 169 Prozent auf 13,35 Mrd. Euro zu. Man habe natürlich vom Marktumfeld profitiert, sagte OMV-Chef Alfred Stern zur APA, allerdings stamme auch mehr als die Hälfte der operativen Performance aus dem Refining, das nicht direkt von den hohen Öl- und Gaspreisen profitiere.

Das (um Lagerhaltungseffekte bereinigte) CCS Operative Ergebnis vor Sondereffekten stieg im vierten Quartal von 524 Mio. Euro auf ein Rekordergebnis von 2,0 Mrd. Euro. Das Operative Ergebnis vor Sondereffekten von Exploration & Production wuchs von 184 Mio. Euro (4. Quartal 2020) auf 1,16 Mrd. Euro, während sich das CCS Operative Ergebnis vor Sondereffekten von Refining & Marketing von 161 Mio. auf 351 Mio. Euro verbesserte. Im Bereich Chemicals & Materials stieg das Operative Ergebnis vor Sondereffekten auf 512 Mio. Euro (nach 208 Mio. Euro im 4. Quartal 2020).

„Unser Portfolio-Shift in Richtung Chemie und Materialien ist das, was das Rekordergebnis der OMV sowohl im vierten Quartal, also auch im Gesamtjahr 2021 ausmacht“, sagte Stern. Den Cashflow aus dem Betriebstätigkeit exklusive Net-Working-Capital habe man gegenüber dem Vorjahr von 2,8 Mrd. auf 8,9 Mrd. Euro gesteigert, davon seien 3,5 Milliarden allein im vierten Quartal erzielt worden, „das ist wirklich ein tolles Ergebnis“.

Die Gewinnausschüttung an die Aktionäre soll um 24 Prozent auf 2,30 Euro je Aktie erhöht werden. „Wir haben ja eine progressive Dividendenpolitik, wir möchten sie jedes Jahr steigern oder in besonderen Krisenjahren wie dem Coronajahr zumindest auf dem Niveau des Vorjahres halten“, erklärte Stern.

Gleichzeitig habe man es mit Kostendisziplin sowie über die Investitionspolitik und Verkäufe geschafft, den Verschuldungsgrad (Gearing) wieder auf das Niveau von 2019 zu bringen, nämlich auf 22 Prozent. Das erklärte Ziel sei es gewesen, auf 30 Prozent oder weniger zu kommen.

Vor zwei Wochen hatte die OMV Abschreibungen und Wertberichtigungen in Höhe von 1,7 Mrd. Euro bekannt gegeben. Davon entfielen rund 40 Prozent (also rund 680 Mio. Euro) auf die Beteiligung an der ADNOC Refining. Die OMV hält an dem Unternehmen 15 Prozent und hat dafür im Sommer 2019 2,4 Mrd. Dollar bezahlt (damals 2,18 Mrd. Euro). „Gegenüber dem Einstieg vor drei Jahren haben sich die langfristigen Markterwartungen geändert“, so Stern, sie seien nicht mehr so positiv für Raffinerieprodukte. „Man könnte das auch durchaus mit der Energiewende und der Geschwindigkeit der Anstrengungen bei der Energiewende in Zusammenhang bringen.“

35 Prozent der Wertberichtigungen in Höhe von 1,7 Mrd. Euro entfielen auf die Öl- und Gasförderung (E&P) und der Rest auf den Kunstdünger-Bereich der Borealis, der nun an den Düngemittel-Hersteller EuroChem verkauft wird, wie heute bekanntgegeben wurde.

Die OMV erwartet für 2022 einen durchschnittlichen Brent-Rohölpreis von rund 75 Dollar pro Fass (2021: 71 Dollar). Der durchschnittlich realisierte Gaspreis wird für 2022 oberhalb von 25 Euro/MWh erwartet (2021: 16,5 Euro/MWh). Die organischen Investitionen sollen sich heuer auf rund 3,5 Mrd. Euro belaufen (2021: 2,6 Mrd. Euro), davon sollen 1,3 Mrd. Euro in den Bereich Exploration und Produktion fließen. Für 2022 wird ein Rückgang der Produktion von 486.000 Fass pro Tag (2021) auf 470.000 Fass erwartet. Die Erdgas-Verkaufsmengen sollen heuer leicht unter jenen von 2021 liegen, der Auslastungsgrad der Raffinerien in Europa etwa gleich sein wie vergangenen Jahr (88 Prozent).

Die OMV-Aktie hat am Donnerstag bis Mittag um 3,19 Prozent auf 52,86 Euro nachgegeben.

APA

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