Taxonomie – OMV-Stern will Gasproduktion übergewichten

3. Feber 2022, Wien
OMV-CEO Alfred Stern
 - Wien, APA/GEORG HOCHMUTH

Mit der Taxonomie-Verordnung der EU-Kommission wird nach Ansicht von OMV-Chef Alfred Stern „anerkannt, dass mit Gas als Übergangsenergie gegenüber Kohle eine sehr signifikante CO2-Reduzierung erzielt werden kann“. Deshalb werde die OMV auch künftig stark auf das Gasgeschäft setzen, sagte Stern am Donnerstag zur APA.

„Es ist allen klar, dass wir uns so schnell wie möglich in Richtung Nachhaltigkeit und Reduzierung des CO2-Ausstoßes bewegen müssen“, sagte Stern. „Fakt ist aber, dass im vergangenen Jahr die Energieerzeugung aus Kohle in Europa und weltweit stark angestiegen ist.“

2021 habe die OMV im Durchschnitt 486.000 Barrel Öl- und Gas pro Tag gefördert, mehr als die Hälfte der Gesamtproduktion sei auf Gas entfallen. „Wir werden weiterhin an dieser Übergewichtung von Gas in unserem Portfolio arbeiten“, sagte Stern.

Die aktuell sehr hohen Gaspreise hätten verschiedene Ursachen, sagte der OMV-Chef. Der Gasbedarf sei gestiegen und über LNG (Flüssigerdgas) sei das Gasgeschäft globalisiert worden. „2021 haben wir gesehen, dass insbesondere durch den gestiegenen Bedarf in Asien relativ wenig LNG nach Europa gekommen ist. Erst am Jahresende, als die Gaspreise auf ein sehr, sehr hohes Niveau gestiegen sind, war es attraktiv genug, dass LNG-Importe verstärkt nach Europa angezogen wurden.“

„Wir hatten 2021 hat mit einem lang andauernden Winter begonnen, sodass wir einige Wochen verloren haben und Gas aus den Speichern herausgenommen wurde, wo in anderen Jahren normalerweise schon eingelagert worden wäre.“ Durch die Nachfrageverschiebung sei es auch nicht gelungen, die Speicher wieder aufzufüllen.

Weltweit sei der Gasverbrauch 2021 um 4,6 Prozent gegenüber 2020 gestiegen und damit über das Niveau vor Corona, verwies Stern auf einen Bericht der Internationalen Energieagentur IEA. „Die OMV-Erdgasverkaufsmengen sind im Jahr 2021 auf 196 Terawattstunden gestiegen, also ungefähr 20 Prozent höher als im Jahr davor.“

Gleichzeitig sei die Gasproduktion in Europa, insbesondere im holländischen Gasfeld Groningen, in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. „Wir haben natürlich auch in den letzten Jahren gesehen, dass die Investitionen in Gas nicht auf dem gleichen Niveau waren wie vielleicht vor fünf Jahren.“

Sorgen, dass der Ukraine-Konflikt zum Ausbleiben russischer Gaslieferungen führen könnte, teilt Stern nicht. Die OMV habe schon 1968 für Österreich als erstes westliches Land Gas-Lieferverträge mit Russland abgeschlossen. „Da kann man sagen, dass wir über den gesamten Zeitraum immer eine hohe Zuverlässigkeit der russischen Gaslieferungen gesehen haben.“ Auch jetzt halte Gazprom alle ihre vertraglichen Lieferverpflichtungen der OMV gegenüber ein. Die OMV hat ihren Liefervertrag mit dem russischen Gasmonopolisten erst 2018 bis zum Jahr 2040 verlängert. Auf die Details dieses Vertrags könne er aus rechtlichen Gründen nicht eingehen, sagte Stern auf die Frage, ob angesichts der Kritik an der Abhängigkeit von russischem Gas auch ein vorzeitiger Ausstieg möglich wäre.

Der Konflikt zwischen der NATO und Russland gefährdet auch die Inbetriebnahme der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, an deren Finanzierung die OMV mit 729 Mio. Euro beteiligt ist. Man habe einen Finanzierungsvertrag mit der Nord Stream 2 AG in der Schweiz, sagte Stern, und die ersten Rückzahlungen habe man schon im vergangenen Jahr erhalten. „Wir gehen davon aus, dass es auch weiterhin so laufen wird“, sagte Stern.

APA

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