EDF plant Rückkauf von Turbinengeschäft für Atomkraft

10. Feber 2022, Paris
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Dampfturbinen spielen eine wichtige Rolle in Atomkraftwerken – vor der für Donnerstag erwarteten Ankündigung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zum Bau neuer Atomreaktoren hat der französische Stromkonzern EDF nun den Rückkauf des Turbinengeschäfts vom US-Konzern GE nach Frankreich auf den Weg gebracht.

Wie die beiden Unternehmen am Donnerstag gemeinsam mitteilten, unterzeichneten sie eine Vereinbarung darüber, dass EDF einen Teil des Kernenergiegeschäfts von GE Steam Power übernimmt. Dazu gehören unter anderem die Arabelle-Dampfturbinen, die im französischen Belfort hergestellt werden und die es EDF nach Angaben von Konzernchef Jean-Bernard Lévy ermöglichen sollen, nicht nur seine bestehenden Kernkraftwerke zu stärken, sondern auch „neue Nuklearprojekte in Frankreich und weltweit“. GE-Chef Larry Culp erklärte, Atomkraft spiele „eine wichtige Rolle bei der Energiewende“.

Die Vereinbarung steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Behörden, auch Beratungen mit den Arbeitnehmervertretern sind noch nötig. Nach Angaben der beiden Unternehmen wird mit dem Abschluss der Transaktion für das erste Halbjahr 2023 gerechnet.

Frankreich setzt auf Atomenergie, auch weil sie im Hinblick auf die Erderwärmung weitgehend emissionsfrei ist und dem Land eine vergleichsweise gute CO2-Bilanz verschafft. Allerdings werden die bestehenden Reaktoren immer anfälliger und der Bau neuer Reaktoren gilt als teuer und langwierig. Derzeit bezieht Frankreich rund 70 Prozent des Stroms aus Kernkraftwerken, das ist der höchste Anteil weltweit.

Es wird erwartet, dass Präsident Macron bei seinem Besuch in Belfort am Donnerstag neben dem Rückkauf der Turbinen-Produktion auch den Bau neuer Reaktoren ankündigt. Als Wirtschaftsminister hatte Macron 2015 den Verkauf der Energiesparte des französischen Alstom-Konzerns an GE genehmigt. Die Opposition hatte vergeblich versucht, dies mit dem Hinweis auf die Sicherheit der Energie-Produktion zu verhindern.

Für erhebliche Kontroversen in Europa hatte zuletzt die Einstufung von Atomenergie und Gas durch die EU-Kommission als nachhaltig gesorgt. Umweltschützer protestierten scharf; Österreich kündigte eine Klage gegen die Aufnahme der beiden Energieträger in die sogenannte Taxonomie-Verordnung an, sollte diese so in Kraft treten. Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) bekräftigten die Position der Berliner Regierung gegen die Aufnahme der Atomkraft, nicht zuletzt weil die Entsorgung und Lagerung des radioaktiven Atommülls nach wie vor ungeklärt ist. Der Einstufung von Gas hatte Deutschland aber zugestimmt.

APA/ag

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