Die Rückkehr der Solarzellen nach Europa

15. Feber 2022

Energie. China dominiert Fotovoltaik, aber es gibt Chancen auf Veränderung

Wenn jemand eine Fotovoltaikanlage betrachtet und Sie fragt, woher die Solarzellen darin wohl stammen, liegen Sie mit einer Antwort zu 98 Prozent richtig: Asien. Man kann es auch auf ein einzelnes Land beschränken und China sagen. Dann liegt die Trefferrate immer noch bei 77,7 Prozent. Künftig könnte die Antwort weniger eindeutig ausfallen.

Strategischer Zug

Die Stromgewinnung mittels Sonnenlicht boomt. Vier Prozent des globalen Strombedarfs werden bereits durch Fotovoltaik (PV) gedeckt. Künftig soll es mehr werden. „Es ist die mit Abstand billigste Form der Stromerzeugung. Künftig wird PV einen Großteil der globalen Stromproduktion bewerkstelligen“, sagt Hubert Fechner, Obmann der Technologieplattform Fotovoltaik.

Von dem Boom profitieren momentan vor allem chinesische Unternehmen. Das war nicht immer so. „Ab 1998, 1999 sind die ersten Märkte für Solarmodule entstanden“, erzählt Fechner. Zunächst waren es vor allem europäische Unternehmen, die PV-Zellen und -Module produzierten. Ab 2010 wurde klarer, dass PV großes Potenzial hat, um die Energiewende zu vollziehen und das Klima zu schützen.

In einem klugen strategischen Zug begann China eigene Unternehmen dabei zu unterstützen, PV-Produktionen hochzuziehen, meist mit europäischer Herstellungstechnologie. China begann auch, riesige PV-Anlagen zu installieren. Bis heute ist das Land beim Solarstromausbau mit Abstand führend.

Effizienzjagd als Chance

Der aktuell größte Hersteller von Solarzellen ist die Firma Tongwei Solar. Ebenfalls kennen sollte man die Firma LONGi. Sie ist der bei weitem größte Modulhersteller und der nach Tongwei zweitgrößte Zellenhersteller. LONGi ist Mitglied der Silicon Module Super League, einer Vereinigung der weltgrößten Modulhersteller, die PV-Zellen immer effizienter machen wollen. Dank großer Investitionen in Forschung und Entwicklung konnte die Effizienz alleine in den vergangenen zehn Jahren von durchschnittlich 15 auf nunmehr 20 Prozent gesteigert werden. D.h. 20 Prozent der auf die Solarzelle treffenden Sonnenenergie wird in Strom umgewandelt. Auf der Jagd nach immer größerer Effizienz hat sich die PV-Zellenproduktion in den vergangenen Jahren stark gewandelt (siehe oben).

Für Europa ergebe sich hier eine Chance, denn: „Die PV 1.0 ist nach China abgewandert, aber die PV 2.0 könnte aus Europa kommen.“ Ein Beispiel, wie die „Renaissance“ laufen könnte, liefert die Schweizer Firma Meyer Burger. Der Weltmarktführer bei der Maschinenausstattung von PV-Fabriken will zunehmend selbst zum Produzenten werden, v.a. von hocheffizienten Tandem-Zellen. Die Produktion in Deutschland läuft voll automatisiert. Werden die Produkte lokal verkauft, ergibt sich ein Vorteil gegenüber chinesischen Produzenten aufgrund geringerer Transportkosten.

Strom von Fassaden

Auch Österreich ist drauf und dran, eine erfolgversprechende Nische im PV-Bereich zu besetzen. „Die Entwicklung von PV-Systemen zur Gebäudeintegration ist von strategischer Bedeutung“, heißt es in einem Bericht des Klimaministeriums. „Solarzellen lassen sich nicht nur in Gebäudedächer integrieren, sondern auch in Fassade, Fenster, Straßenbeläge und Parkräume. In diese Richtung wird sehr viel kommen“, ist Fechner überzeugt. Die Firma Ertex Solar aus Amstetten ist in diesem Bereich z.B. bereits seit einiger Zeit tätig.

Kurier

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