Wechsel des Versorgers bringt bald wieder was

15. Feber 2022, Wien

Fast 333.000 Strom- und Gaskunden in Österreich haben 2021 ihren Lieferanten gewechselt. Einsparungen wie früher sind vorerst vorbei.
Dem regionalen Energieversorger den Rücken zuzukehren ist auch zwanzig Jahre nach der Liberalisierung der europäischen Strom- und Gasmärkte noch immer eher die Ausnahme. 2021 haben in Österreich 332.985 Strom- und Gaskunden den Lieferanten gewechselt, nach 316.056 im Pandemiejahr 2020, teilte die Regulierungsbehörde E-Control am Montag mit.

Einen neuen Stromversorger suchten sich 259.596 Verbraucher oder 4,2 Prozent. Den Gaslieferanten wechselten 73.389 Kunden oder 5,6 Prozent. Betrachtet man nur die Privathaushalte, wechselten 196.643 oder 3,9 Prozent den Stromversorger, bei Gas waren es 68.086 bzw. 5,6 Prozent. Etwa ein Fünftel der Vertragswechsel kam in den vergangenen Jahren durch die Energiekosten-Stopp-Aktion des Vereins für Konsumentenschutz (VKI) zustande. 2022 wurde sie mangels guter Angebote vorerst vertagt. Rund ein Drittel wechselte über die Vergleichsplattform Durchblicker.

Am höchsten waren die Wechselraten mit knapp sieben Prozent (Strom) und über acht Prozent (Gas) 2021 in Oberösterreich, wo die Preise beim Landesversorger traditionell recht hoch waren – und dementsprechend groß die Einsparmöglichkeiten bei einem Wechsel. Die wenigsten Wechsler gab es wie meist mit 1,2 bzw. 2,5 Prozent im „Ländle“, wo die Energiepreise tiefer sind. Dahinter lag – ebenfalls nicht zum ersten Mal – Salzburg mit ähnlich geringen Wechselraten, die ebenfalls auf die bisher relativ geringen Energiepreise zurückzuführen waren.
Ob die nun angekündigten Preiserhöhungen der Salzburg AG den Wechselwillen ankurbeln, ist offen. Angesichts explodierender Großhandelspreise haben aber die meisten Energieversorger an der Preisschraube gedreht und viele werben keine Kunden mehr an. Daher sind die Zeiten, in denen sich mit einigen Mausklicks bei günstigeren Energielieferanten einige Hundert Euro sparen ließen, vorbei. Alternativen zum jeweiligen regionalen Platzhirsch im Tarifkalkulator der E-Control zu überprüfen zahlt sich aber weiter aus. Vor allem jene, die umziehen, einen sehr hohen oder Floater-Tarif haben, sollten die Optionen prüfen, auch wenn sie zahlenmäßig weniger geworden sind.

Waren in guten Zeiten rund 50 Energielieferanten österreichweit aktiv, seien es jetzt nur mehr 20, sagt Johannes Mayer, Energiemarktexperte bei der E-Control. Nach Jahren mit extrem günstigen Angeboten und Hunderten Euro Ersparnis pro Jahr raten die Experten jetzt zum Abwarten. „Realistisch und wirtschaftlich wird die nächste Zeit, in der sich ein Wechsel wieder auszahlt, 2023 sein“, so Mayer. Weil die Preise langsam wieder sinken und die kurzfristige Beschaffung auf den Strommärkten dann wieder günstiger sein wird als langfristige.

Unklar sei, ob die Preisrallye die Konsumenten verstärkt zum Wechsel des Energieanbieters anspornen wird. „Aber grundsätzlich wird man sich ab nächstem Jahr etwas ersparen können.“ Kompliziert sei das Wechselprozedere nicht mehr, sagt Mayer. Einen Überblick könne man sich in wenigen Minuten verschaffen. Derzeit fragen Konsumenten vermehrt um Hilfe und Unterstützung bei der E-Control an.

Salzburger Nachrichten

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