Deutschland plant nationale Gasreserve

1. März 2022, Berlin/Kiew/Moskau

Als Reaktion auf Probleme im Winter und den Ukraine-Krieg plant Deutschland den Aufbau einer nationalen Gasreserve, so Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Damit soll sichergestellt sein, dass die Gasspeicher immer ausreichend befüllt sind, wie aus Eckpunkten für ein Gesetz hervorgeht. In der deutschen Wirtschaft wachsen wie in ganz Europa und im Besonderen auch Österreich wegen der Abhängigkeit von russischen Rohstoffimporten die Sorgen.

Der Ukraine-Krieg könnte den konjunkturellen Aufholprozess nach Einbrüchen in der Corona-Pandemie verzögern. Steigende Preise für Rohstoffe wie Öl könnten die Inflation weiter anheizen und auch Unternehmen belasten.

Deutschland ist vor allem bei Gas und Kohle von russischen Importen abhängig. Der russische Überfall habe schon jetzt Auswirkungen auf die deutsche Energieversorgung, die weiter zunehmen könnten, heißt es in einem am Montag vorgelegten Papier des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Die Energiewirtschaft gehe davon aus, dass sie in diesem Winter ihre Gaslieferverpflichtungen unabhängig von Lieferungen aus Russland erfüllen könne. Die Kohlekraftwerke produzierten plan- und bedarfsgerecht. Engpässe in der deutschen Stromerzeugung gebe es momentan nicht.

Industriepräsident Siegfried Russwurm sagte dem „Handelsblatt“ auf die Frage, ob er damit rechne, dass Russlands Präsident Wladimir Putin von sich aus ein Lieferembargo verhänge: „Ich schließe nichts mehr aus.“

Im Gegensatz zu einer nationalen Ölreserve gibt es derzeit in Deutschland keine Gas- und Kohlereserve. Das soll sich nun ändern, wie Habeck (Grüne) bereits angekündigt hatte. Das Wirtschaftsministerium legte konkrete Pläne für den Aufbau einer Gasreserve vor. In einem Papier des Ministeriums heißt es, die Gasspeicher in Deutschland seien für eine Versorgung mit Gas in den Wintermonaten essenziell. Sie könnten in Kälteperioden Nachfragespitzen ausgleichen und so eine gleichmäßige Gasversorgung sicherstellen.

Deutschland verfüge über ein Speichervolumen von rund 24 Milliarden Kubikmeter. Das entspreche ungefähr der Hälfte des Gases, das pro Jahr durch die Gasleitung Nord Stream 1 von Russland nach Deutschland transportiert werden könne. Dieses Speichervolumen alleine könne Deutschland 2 bis 3 durchschnittlich kalte Wintermonate mit Gas versorgen.

APA/dpa

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