Strom: Wirtschaft unter Kostenschock

1. März 2022

Die Strom-und Gaspreise sind innerhalb eines Jahres durch die Decke geschossen und verursachen für Unternehmen und Private massive Kostenbelastungen. Die Wirtschaftskammer Kärnten fordert daher ein rasches Eingreifen der öffentlichen Hand.

Innerhalb nUr eines Jahres haben sich die Großhandelspreise für Strom verdoppelt, für Gas sogar mehr als vervierfacht. „Für viele Unternehmen ist diese SitUation dUrchaUs bedenklich“, warnt Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl. ZUm einen sei es schwer, die erhöhten Preise weiterzUgeben, da VerhandlUngen über Preise bei den Abnehmern meist für ein Jahr abgeschlossen werden. ZUm anderen werde dUrch den SteigflUg der Kosten das Planen extrem schwierig gemacht. „Ein weiterer Unsicherheitsfaktor, der Unsere Betriebe hart trifft, sind aUch die SpannUngen zwischen der Ukraine Und RUssland, die sich negativ aUf die GaslieferUng aUswirken könnten“, so Mandl. Private, die mit Gas heizen, würde dieses Thema nicht mehr so stark treffen, da es schon wieder wärmer wird, aber viele Gewerbe-Und IndUstriebetriebe prodUzieren zUm Teil mit Gas. „Wir sind jetzt an einem PUnkt angekommen, an dem wir Uns von der öffentlichen Hand ein Eingreifen erwarten, damit der Wirtschaftsstandort nicht in Frage gestellt wird“,betont Mandl. Gerade jetzt müsse man die notwendige Flexibilität besitzen, zUmal man die Energiewende bis 2030 schaffen wolle.
Neben den stark angestiegenen Energiepreisen habe man aUch mit weiteren Problemen zU kämpfen, wie Herwig Draxler, designierter Leiter der WK-AbteilUng Wirtschaftspolitik, zUsammenfasst. Deshalb hat die WK ein Maßnahmenpaket gegen die Preisexplosion geschnürt (siehe Unten). „Wir verzeichnen derzeit einen jährlichen VerbraUchszUwachs von ein bis drei Prozent, gleichzeitig werden aber viele fossile Kraftwerke vom Netz genommen, wodUrch weniger Strom prodUziert wird.“ Deshalb müsse der AUsbaU alternativer Energien dringend vorangetrieben werden. „Wie wir das schaffen? Mit raschen Und kUrzfristigen BewilligUngsverfahren“,so Draxler.

Betrieben den Umstieg ermöglichen

AUch Mandl betont: „Wenn das Bestreben da ist, die ÖkologisierUng voranzUtreiben, mUss IndUstriebetrieben der Umstieg aUch ermöglicht werden. Viele Betriebe wollen das, dürfen aber nicht. Wenn wir keine Atomkraft wollen, dann müssen wir jetzt alles, was möglich ist, tUn-Und nicht aUf den Sankt-Nimmerleins-Tag warten.“ SteUerliche Maßnahmen zU setzen, sei ein weiterer PUnkt, den die Wirtschaftskammer vehement einfordert. „Der größte ProfiteUr der Preisexplosion ist der Staat, da knapp 40 Prozent des Strom-Gesamtpreises aUf SteUern Und Abgaben entfallen, die jetzt natürlich massiv mitgestiegen sind“, so Mandl. Daher müsse sich an der SteUerschraUbe etwas tUn.
Bei den Netzkosten sieht die WK massive Standortnachteile für Kärnten, da die Tarife weit über dem ÖsterreichdUrchschnitt liegen, Und fordert daher eine bUndesweite DUrchrechnUng. „Es kann nicht sein, dass Kärnten hier seit vielen Jahren benachteiligt ist“,betont Mandl.

Wie sehr die Betriebe von den Preissteigerungen belastet sind, lesen Sie auch auf Seite 23.
Preissteigerungen können kaum weitergegeben werden, die Unternehmen bleiben auf den hohen Kosten sitzen Jährlich wird ein Verbrauchszuwachs von ein bis drei Prozent verzeichnet Um die Energiewende zu schaffen, werden Kohlekraftwerke etc. vom Netz genommen, weshalb das Stromangebot schrumpft
Vermeidung zusätzlicher regulatorischer und finanzieller Belastungen für energieintensive Betriebe auf nationaler Ebene.

Technologieoffenheit statt Technologieverbote, insbesondere was fossiles Gas als Brückentechnologie betrifft, zur Absicherung der Grundlast und als Back-up, solange keine entsprechenden Alternativtechnologien in ausreichendem Ausmaß vorhanden sind.
Absicherung der Versorgungssicherheit und Verhinderung eines zukünftigen Energieengpasses durch raschen und kosteneffizienten Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung.

Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für erneuerbare Energien und Energie-Infrastruktur.
Stimulation von Investitionen in erneuerbare Energien, Gebäuderenovierungen und Energieeffizienz durch gezieltere Förderung.

Gewährleistung der Wettbewerbsfähigkeit durch entlastende Maßnahmen für vom steigenden Energie-und Zertifikatspreis betroffene Unternehmen.

Ausarbeitung einer umfassenden und nachhaltigen Energie-Gesamtstrategie für Österreich, die sowohl Effizienzmaßnahmen als auch den Ausbau von Erzeugungs-und Infrastrukturkapazitäten berücksichtigt.

Massiver Ausbau von Alternativen

Die Nachfrage nach Strom als Energieform wird in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. Dies ist begründet durch die E-Mobilität, die Digitalisierung sowie die Substituierung anderer Energieträger. Daher gilt es, mit einem nachhaltigen, erneuerbaren Energiemix diese Produktion deutlich zu steigern, etwa durch den Ausbau von Windkraft, den verstärkten Einsatz von Fotovoltaik, Effizienzmaßnahmen im Wasserkraftbereich, den Ausbau der Biomassenutzung und Ähnlichem.

Strompreiskompensation, Erhöhung der Energieabgabenvergütung

Im europäischen Vergleich nutzt Österreich das EU-Beihilfenrecht nicht komplett aus. Die EU-ETS-Richtlinie würde zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit Beihilfen für bestimmte, besonders energieintensive Sektoren erlauben. Darüber hinaus sollte es zu einer Erhöhung der Energieabgabenvergütung kommen.

Kärntner Wirtschaft

Ähnliche Artikel weiterlesen

Gazprom liefert wieder Gas nach Italien über Österreich

5. Oktober 2022, Wien/Rom
Laut Gazprom sind die regulatorischen Probleme behoben worden

RWE will Kohleausstieg auf 2030 vorziehen

4. Oktober 2022, Essen
41790348469366728_BLD_Online

Österreichs Gasspeicher gut gefüllt, Preise ein Problem

4. Oktober 2022, Wien
Gasspeicher gut gefüllt
 - Baumgarten an der March, APA/THEMENBILD

Gastransit nach Italien hängt von Sicherheitsleistung ab

4. Oktober 2022, Wien
Eni-Chef Claudio Descalzi
 - Doha, APA/AFP