OMV will raus aus Öl/Gas, Chemie als Wachstumstreiber

16. März 2022, Wien
Die OMV will sich neu erfinden - Salzburg, APA/THEMENBILD

Der teilstaatliche Öl- und Gaskonzern OMV will die Öl- und Gasförderung langfristig ganz einstellen und künftig vor allem im Chemiebereich wachsen. Als konkretes Zwischenziel soll die Öl- und Gasproduktion bis 2030 um ein Fünftel reduziert werden – trotzdem soll der Gewinn stabil bleiben, und den Aktionären wird eine wachsende Dividende in Aussicht gestellt. Das sind wesentliche Eckpunkte der OMV-Strategie 2030, die heute präsentiert wird.

Demnach soll die Rohölproduktion bis 2030 schrittweise um etwa 30 Prozent reduziert werden, die Erdgasproduktion um etwa 15 Prozent. Investitionen in die Öl- und Gasproduktion werden bis 2026 fortgesetzt, wobei der Schwerpunkt auf der Entwicklung von Gasprojekten liegt, danach sollen sie deutlich zurückgehen. Der Anteil von Gas soll auf mehr als 60 Prozent steigen. Die Produktion von Öl und Gas zur energetischen Nutzung wird bis 2050 vollständig eingestellt, so der Plan. Ab dem 1. April 2022 wird das Gasverkaufs- und Logistikgeschäft (ohne OMV Petrom) im Bereich E&P (Exploration und Produktion) konsolidiert.

Das Geld für diese Transformation soll aus den Gewinnen der Öl- und Gasproduktion kommen: „Unser übergeordnetes Ziel ist es, Cashflow und nachhaltige Energielösungen bereitzustellen, um die Transformation zu unterstützen“, sagte E&P-Vorstand Johann Pleininger laut Aussendung.

„Chemicals & Materials wird nicht nur unser Wachstumstreiber sein, sondern auch Nachhaltigkeit, Risiko und Rendite in Einklang bringen und somit unsere Widerstandsfähigkeit gegenüber Marktdynamiken stärken“, erklärte OMV-Chef Alfred Stern.

Weitere Eckpunkte der „Strategie 2030“: Der Geschäftsbereich Refining & Marketing soll ein führender europäischer Anbieter von nachhaltigen Kraftstoffen, Rohstoffen und Mobilitätslösungen werden. So sollen etwa mit Investitionen von insgesamt mehr als 400 Mio. Euro bis 2030 mehr als 2.000 E-Ladestationen an Tankstellen und an Autobahnen und Transitstrecken sowie rund 17.000 Wallbox-Ladestationen für Firmenstandorte errichtet werden.

Die Produktion von nachhaltigen Kraftstoffen und nachhaltigen chemischen Rohstoffen soll bis 2030 auf 1,5 Mio Tonnen pro Jahr gesteigert werden, wobei fast die Hälfte der Mengen auf nachhaltige Flugzeugtreibstoffe entfällt – der Absatz von nachhaltigem Flugtreibstoff soll auf mehr als 700.000 Tonnen steigen. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2021 wurden in Österreich fast 3,5 Mio. Tonnen Benzin und Diesel verbraucht.

Zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen will die OMV zugleich rund 5 Mrd. Euro in die Entwicklung von CO2-armen Geschäftsfeldern investieren, d. h. in die Geothermie und die Abscheidung und Speicherung von CO2 (CCS). Es wird erwartet, dass bis 2030 aus Erdwärme bis zu 9 TWh Energie pro Jahr gewonnen werden.

Weil man Öl- und Gas künftig nicht mehr zur Energiegewinnung verbrennen will, setzt die OMV künftig auch auf Wasserstoff, Solar- und Windenergie und will ihr Solar- und Windkraftgeschäft für den Eigenbedarf auf mindestens 1 TWh ausbauen und Möglichkeiten im Bereich Gas- und Wasserstoffspeicherung prüfen.

Es wird erwartet, dass das CCS Operative Ergebnis vor Sondereffekten (bereinigt um Lagerhaltungseffekte) bis 2030 mindestens 6 Mrd. Euro erreicht. Der operative Cashflow (exklusive Net-Working-Capital-Effekte) soll bis dahin über 7 Mrd. Euro erreichen. Nach klaren Prioritäten bei der Kapitalallokation – Investitionen an erster Stelle, gefolgt von Dividenden, anorganischem Wachstum und Entschuldung – sind Investitionen in Höhe von 3,5 Mrd. pro Jahr zur Unterstützung des organischen Wachstums geplant. Mindestens 40 Prozent davon sind für CO2-arme Projekte vorgesehen.

APA

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