Erneuerbare Energie boomt

6. April 2022

Viele wollen ihre Öl- und Gasheizungen loswerden. Zahl der Beratungen bei der eNu sind seit dem Krieg explodiert.

Energiewende
Steigende Energiepreise, der Ukraine-Krieg und das Investieren in die eigenen vier Wände – diese Faktoren haben dazu beigetragen, dass die Beratungen der Energieberatung NÖ kontinuierlich gestiegen sind. Raus aus Gas und Öl, haben sich viele vorgenommen.

„Bis Februar waren hauptsächlich Anfragen bezüglich eines Wechsels einer Ölheizung. Mit Beginn des Krieges sind die Beratungen dann schließlich explodiert, wegen der Unsicherheit in den Energieträger Gas“, weiß Herbert Greisberger, Geschäftsführer der Energie- und Umweltagentur (eNu).

Panik sei allerdings nicht angebracht. „Es gibt genügend Gasvorräte für Haushalte, um über die nächsten Monate zu kommen, und auch die Folgeversorgung ist gesichert“, beruhigt Greisberger. Natürlich könne man sich über einen Wechsel informieren – die Förderlage sei günstig wie nie.

Ein Umstieg sei auch meistens einfach zu bewerkstelligen. „Besonders bei Ölheizungen ist genügend Lagerraum für Pellets vorhanden. Beim Umstieg von Gasheizungen auf erneuerbare Energieträger ist in vielen Fällen die Wärmepumpe die bestmögliche Option“, informiert der eNu-Geschäftsführer.
Aufgrund der enormen Nachfrage könne es allerdings an vielen Stellen zu Engpässen kommen. „Bei Installateuren und anderen Professionisten sowie Energieberatern ist das spürbar. Hinzu kommen vereinzelt Lieferverzögerungen von Produkten und Bestandteilen. Kurz- und mittelfristig kann auch ein Mangel an Arbeitskräften regional zu Engpässen führen“, so Greisberger.

Angebot richtet sich nach Wind, Sonne und Wasser

Das Land setzt generell stark auf erneuerbare Energie. Derzeit werden über das Jahr gesehen bereits 100 Prozent des Endenergiebedarfs mit Strom aus erneuerbaren Energieträgern gedeckt. Beim Bruttoendenergieverbrauch, der den Verbrauch des Sektors Energie und Transportverluste inkludiert, liegt man bei knapp 92 Prozent (laut Statistik Austria). „Diese Werte schwanken jahres- und tageszeitlich natürlich je nach Angebot an Wind, Sonne und Wasser. Lediglich Biomasse liefert als gespeicherte Energie sehr gleichmäßig Beiträge zur Stromerzeugung“, sagt Greisberger.

59 Prozent der erneuerbaren Energie kommen aus Wasserkraft, 30 aus Windkraft, acht aus Biomasse und drei Prozent aus Photovoltaik. Bei der Wärme ist knapp die Hälfte erneuerbare Energie. Photovoltaik und Biomasse finden sich in ganz Niederösterreich verteilt. Über 100 PV-Bürgerbeteiligungsprojekte seien bereits umgesetzt worden. „Und es folgen laufend weitere. Außerdem gibt es Energiegemeinschaften. Derzeit befinden sich vier in der Abrechnung und zehn in Umsetzung“, erklärt Greisberger. Weitere 200 Projekte seien in Vorbereitung. Bei der Windenergie liegt aufgrund der günstigen Verhältnisse eine Konzentration im Weinviertel vor. So liefern die Windparks in den Bezirken Gänserndorf, Mistelbach, aber auch Bruck an der Leitha einen Großteil des Windstroms. Wasserkraft findet man entlang der Donau und an kleineren Gewässern mit Schwerpunkt auf Mostviertel und Waldviertel. Biomasse wird in ganz Niederösterreich genutzt, einerseits in dichter besiedelten Ortschaften in Form von Fernwärme, andererseits in Form von Pellets, Hackschnitzel und Scheitholz in alleinstehenden Gebäuden.

NÖ Nachrichten

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