OMV im ersten Quartal durch hohe Sondereffekte belastet

8. April 2022, Wien
OMV mit hohen Abschreibungen wegen Russland
 - Matzen-Raggendorf, APA (Themenbild)

Der heimische Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV ist im ersten Quartal im Ausmaß von rund 2 Mrd. Euro belastet worden durch Wertberichtigungen wegen des Rückzugs vom Nord-Stream-2-Pipelineprojekt bzw. im Zusammenhang mit der Neubeurteilung der Russland-Aktivitäten nach Beginn des Ukraine-Kriegs. Eine Milliarde Sondereffekt resultiert dabei aus Nord Stream 2, eine Milliarde aus dem Viertel-Anteil der OMV am Juschno-Russkoje-Gasfeld, hieß es am Freitag im Quartalszwischenbericht.

Die Gasförderung des Konzerns sank im Zeitraum Jänner bis März, die Ölproduktion blieb etwa gleich, geht aus dem Trading Statement hervor. Die Gesamtproduktion lag zum Jahresauftakt mit im Schnitt 457.000 Barrel Öl-Äquivalent pro Tag (boe/d) unter dem vierten Quartal 2021 (491.000 boe/d) und auch tiefer als zu Jahresbeginn 2021 (495.000 boe/d). Das ist vor allem dem Rückgang der Erdgasproduktion auf 262.000 boe/d zuzuschreiben, nach 298.000 boe/d im vierten und 289.000 boe/d im ersten Quartal 2021.

Die OMV-Raffinerie-Referenzmarge Europa war mit 9,75 Dollar pro Barrel auf Rekordhöhe, nach 6,25 Dollar/Fass im vierten und nur 1,68 Dollar/Barrel im ersten Quartal 2021 – jedoch wurden die positiven Effekte der gegenüber Q4 gestiegenen Raffinerie-Referenzmarge durch höhere Energiekosten und Rohölpreisunterschiede in Q1/22 „mehr als aufgehoben“, wie die OMV betont.

Der bei der OMV in E&P im Schnitt realisierte Rohölpreis lag heuer zum Jahresauftakt bei 90,5 Dollar pro Barrel, nach 77,0 Dollar Ende 2021 bzw. 55,1 Dollar Anfang 2021. Zum Vergleich: Der Brent-Preis stand heuer bis März im Schnitt bei 102,23 Dollar je Fass, nach 79,76 Dollar in Q4 bzw. 61,12 Dollar Anfang 2021. Der durchschnittlich realisierte Gaspreis lag bei 37,3 Euro je Megawattstunde (MWh) nach 27,0 bzw. 10,4 Euro/MWh, der durchschnittliche CEGH-Erdgaspreis bei 100,95 Euro nach 95,10 bzw. 18,08 Euro/MWh.

Die Margen bei Ethylen, Propylen, Polyethylen und Polypropylen waren heuer zum Jahresauftakt durchwegs tiefer als im vierten Quartal 2021, aber ausgenommen Polyethylen höher als Anfang 2021.

Zur Nord-Stream-2-Gaspipeline, bei der die OMV ein Co-Finanzier war, wurde von ihr am 5. März ein ausstehender Betrag von 1 Mrd. Euro (inkl. Zinsabgrenzung) „vollständig wertberichtigt“. Diese nicht zahlungswirksame Wertberichtigung im Finanzerfolg werde für Q1 als Sondereffekt ausgewiesen.

Für den 24,99-Prozent-Anteil am Juschno-Russkoje-Gasfeld hat die OMV die Konsolidierungsmethode angepasst – wegen der Gegensanktionen, die die russische Regierung am 28. Februar angekündigt hat. Ab 1. März werde gemäß IFRS 9 zum Zeitwert bewertet. Zusätzlich sei eine Wertberichtigung erfasst zur vertraglichen Position gegenüber Gazprom aus der Neufeststellung der Reserven dieses Gasfelds.

Beide Effekte zusammen würden zu einem Verlust von rund 800 Mio. Euro (nicht zahlungswirksam, aber das Eigenkapital reduzierend) sowie rund 200 Mio. Euro infolge historischer Währungseffekte (nicht zahlungswirksam, ohne Einfluss auf das Eigenkapital) führen und seien Sondereffekte im Operativen Q1-Ergebnis. Ab 1. März seien die Geschäftstätigkeiten nicht mehr in den operativen Kennzahlen des OMV-Konzerns, dem Operativen Ergebnis oder den Cashflows enthalten. Zusätzlich würden, auch wegen der aktuellen Marktentwicklungen, die Sensitivitäten des Konzerns für 2022 zum realisierten Erdgaspreis angepasst.

APA

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