Ein Kraftakt für einen 400 Tonnen-Trafo

12. April 2022

Die Einreichpläne für das Umspannwerk Matrei-Seblas sind fertig. Jetzt heißt es die Genehmigungen abwarten. Mit einem Baustart rechnen Tinetz und APG (Austrian Power Grid) im nächsten Jahr. Abseits der Projektpläne sind wichtige Vorarbeiten im Gange. Die Abteilung Brückenbau des Landes ist gefordert. Für das Herz des Umspannwerkes, ein 400 Tonnen schwerer Transformator, musste Hirnschmalz eingesetzt werden. Wie dieser nach Matrei kommt, dafür wurden Wege gesucht. Die Brücken zwischen Lienz und der Tauernkommune waren es, die in den vergangenen Monaten die Abteilung beschäftigten.

Tatsache ist: Sowohl die Schlossbrücke in Lienz, die Iselbrücke in Huben als auch die Brühl-Brücke in Matrei sind für das Ungetüm, das da anrollen wird, nicht gemacht. Der Transport des Trafos geht bis Thal mit der Bahn. Dort kommt er auf eine Zugmaschine. Und es hatte den Anschein, dass alle drei Brücken, die passiert werden, neu gebaut werden müssen. Gregor Wieland, Abteilung Brückenbau des Landes, leitet die Operation „Brücken im Iseltal“. Er informiert: „Bei der Schlossbrücke genügt eine Verstärkung mit externer Vorspannung. Die bleibt danach. Man weiß ja nicht, wann wieder ein derartiger Schwertransport ins Iseltal geht.“ Diese Brücke bekommt quasi ein Upgrade. Die Arbeiten sind für nächstes Jahr geplant.

Neu gebaut werden muss die Iselbrücke in Huben. Diese wurde erst vor wenigen Jahren um mehr als eine Million Euro erneuert. Aber es nützt nichts, das bestehende Tragwerk hält die 400 Trafotonnen nicht aus. Mit den Bauarbeiten soll im November dieses Jahres begonnen werden. Bei der Brühlbrücke kann man einer Erneuerung oder Verstärkung ausweichen. Wieland: „Hier ist das Gelände so eingerichtet, dass man eine Furt durch die Isel anlegen kann. Diese wird, sobald der Transport durch ist, wieder abgeräumt.“ Über Kosten, die mit diesen Brückenarbeiten anfallen, will Wieland nicht reden – aufgrund der Preissteigerungen und der Materialunsicherheit.

Warummuss überhaupt ein derart massiver Trafo nach Matrei? Das erklärt Thomas Rieder, technischer Geschäftsführer der Tinetz: „Aufgrund der besonderen Exponiertheit der Täler in Osttirol bei Wetterereignissen wie Schnee, Wind oder Muren und ohne direkte Verbindung in das Versorgungsnetz der Tinetz in Nordtirol wird Osttirol neben Lienz eine zweite Netzabstützung aus dem österreichischen Übertragungsnetz erhalten.“ Wenn es zu Problemen in der Netzabstützung in Lienz kommt – aus welcher derzeit ganz Osttirol versorgt wird – kann zukünftig der gesamte Bezirk über die neue Anlage in Matrei versorgt werden.

Zudem werde das Projekt auch die Anforderungen der Energiewende unterstützen: Der Abtransport der in Osttirol erzeugten erneuerbaren Energie aus Wasser oder Fotovoltaik könne damit vor allem in den Sommermonaten redundant sichergestellt werden. Das Vorhaben Umspannwerk Matrei wird seit über zehn Jahren von der Tinetz verfolgt, weil damit die Versorgungssicherheit für alle Gemeinden in ganz Osttirol wesentlich erhöht werde. Rieder: „Diese Netzkonstellation ist nicht üblich in anderen Bezirken Österreichs und wurde mit dem Übertragungsnetzbetreiber APG so festgelegt.“

Die Inbetriebnahme des Umspannwerkes ist für 2025 geplant. Der Transport des Transformators soll Ende 2024 oder Anfang 2025 stattfinden. Die Gesamtkosten inklusive der Brückenkosten, betragen aus heutiger Sicht rund 40 Millionen Euro, welche von Tinetz und APG getragen werden.

Für das geplante Umspannwerk in Matrei-Seblas ist ein 400 Tonnen schwerer Trafo erforderlich. Damit das Ungetüm angeliefert werden kann, müssen Brücken auf der B108 verstärkt und erneuert werden.

Kleine Zeitung

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