OMV: Unklarheit über Sanktionskonformität von Gaszahlungen

29. April 2022, Wien/Kiew (Kyjiw)/Moskau
Gute Geschäfte der OMV im 1

In welcher Form die OMV künftig für die Gaslieferungen aus Russland bezahlen wird, steht nach den Worten von OMV-Chef Alfred Stern noch immer nicht fest. Über die Sanktionskonformität der von Gazprom vorgeschlagenen neuen Zahlungsmodalitäten – vor allem die Bezahlung der Gasrechnungen in Rubel – „besteht relativ große Unklarheit“ sagte Stern am Freitag im Gespräch mit der APA. „Ich kann das zur Zeit nicht endgültig kommentieren, da wir selbst noch dabei sind, das zu klären.“

Derzeit bezahle die OMV noch gemäß dem bestehenden Vertrag mit Gazprom in Euro. Die von Gazprom gewünschten neuen Zahlungsmodalitäten würden derzeit analysiert und Lösungsvorschläge ausgearbeitet, „die sanktionskonform und rechtskonform sind“. Ab wann die von Gazprom geforderten neuen Zahlungsmodalitäten für die OMV gelten sollen, „das ist zur Zeit nicht ganz klar“, so Stern. „Ich würde davon ausgehen, dass das im Laufe des Mai geschehen soll.“

Diskutiert wird derzeit offenbar in mehreren Ländern eine Möglichkeit, die es sowohl Russland als auch der EU erlaubt, das Gesicht zu wahren: Die Gaskunden in der EU könnten demnach in Euro bezahlen, das Geld würde von der Gazprombank sofort in Rubel umgetauscht und Gazprom wie gefordert Rubel bekommen.

Berichte, wonach die OMV in der Schweiz ein Rubel-Konto bei der Gazprombank eröffnen wolle, sind laut Stern falsch. „Von diesem Rubel-Konto in der Schweiz habe ich keine Kenntnis.“ Allerdings habe die OMV mit der Beteiligung am Gasfeld Juschno-Russkoje eine Geschäftstätigkeit in Russland. „Wir haben dort ein Büro, und dort muss man natürlich die Mieten in Rubel zahlen. Da gibt es seit Jahren lokale Geschäftskonten in Rubel.“ Diese Konten würden aber nicht für die Bezahlung von Gaslieferungen verwendet.

Am Gasfeld Juschno-Russkoje in Westsibirien ist die OMV mit 24,99 Prozent beteiligt. Das dort geförderte Gas wird „an der Pumpe“ verkauft – zur Hälfte am russischen Markt, „da sind die Preise leider nicht sehr attraktiv“. Die andere Hälfte werde nach Deutschland geschickt. „Der Geldfluss war dort so, dass wir einmal im Jahr im August eine Dividende bezahlt bekommen haben“, etwa in der Größenordnung von 200 Mio. Euro. Diese Zahlung werde man wegen der bestehenden Sanktionen zumindest im kommenden August nicht aus Russland an den Mutterkonzern transferieren können. „Wir haben im ersten Quartal im Zusammenhang mit diesem Gasfeld Wertberichtigungen durchgeführt aufgrund der veränderten Lage und aufgrund unserer Erwartung, dass es Schwierigkeiten geben wird, das Cash aus dem Land zu kriegen.“ Dieser Sondereffekt wurde im Quartalsbericht mit etwa einer Milliarde Euro beziffert.

Die von etlichen europäischen Ländern angekündigte Abkehr von russischem Gas dürfte sich nicht so einfach gestalten, wie das auf politischer Ebene manchmal dargestellt wird. Da gibt es einerseits eine rechtliche Hürde: „Wir haben zwei Verträge mit Gazprom“, sagte Stern. „Einer ist für Österreich, der läuft bis 2040, und einen haben wir für Deutschland, der läuft bis 2032.“ Man werde jederzeit „sanktionskonform und im Rechtsrahmen agieren“, betonte der OMV-Chef. „Im Rechtsrahmen agieren bedeutet natürlich auch, dass ich mich an vertragliche Verpflichtungen halten werde. Wie sich der Rechtsrahmen und der Sanktionsrahmen in der Zukunft entwickeln, dafür bin ich der falsche Ansprechpartner.“

Abgesehen von der rechtlichen Frage könne man aus heutiger Sicht auch aus ökonomischen Gründen nicht kurzfristig auf die russischen Gaslieferungen verzichten, weil man diese Gasmengen nicht durch Gas aus anderen Quellen kompensieren könne. „Wenn wir diese Lieferung stoppen, dann wird es einen Engpass im Markt geben, der meiner Meinung nach auch massive Konsequenzen für die Wirtschaft und die Industrie haben wird.“

Im März habe man begonnen, die Gasspeicher wieder zu befüllen und sei jetzt dabei, sanktionskonforme Zahlungsmodalitäten auszuarbeiten. Außerdem überprüfe man eine Flexibilisierung der Verkaufsverträge für die selbst produzierten Gasmengen. „Mittelfristig sind wir auch dabei, über unser LNG-Terminal in Rotterdam LNG-Mengen zu erhöhen und nach Europa zu bringen. Das ist natürlich alles abhängig davon, dass man dann auch Pipeline-Kapazitäten hat.“ Mit einer eigens eingesetzten Task Force sei man dabei, das Risiko zu minimieren und die Gasflüsse aufrecht zu erhalten. „Die Möglichkeiten, über Nacht unabhängig von russischem Gas zu werden, sind äußerst begrenzt.“

Vor allem dank des aktuell sehr hohen Gaspreises hat die OMV im ersten Quartal 2022 sowohl ihren Umsatz als auch den operativen Gewinn kräftig gesteigert. Die Erlöse stiegen um 146 Prozent auf 15,8 Mrd. Euro. Das um Lagerhaltungseffekte bereinigte CCS Operative Ergebnis vor Sondereffekten wurde von 870 Mio. auf 2,62 Mrd. Euro verdreifacht. Der den Aktionären zuzurechnende CCS Periodenüberschuss vor Sondereffekten konnte von 424 Mio. auf 1,07 Mrd. Euro mehr als verdoppelt werden.

Allerdings wurde der tatsächlich erzielte Gewinn (nach Sondereffekten) durch kräftige Abschreibungen gedrückt – neben der Wertberichtigung für das Gasfeld Juschno-Russkoje wurde auch das Darlehen, mit dem sich die OMV an der Finanzierung der Nord-Stream-2-Gaspipeline beteiligt hat, am 5. März mit gut 1 Mrd. Euro (inkl. Zinsabgrenzung) „vollständig wertberichtigt“. Der den Aktionären zuzurechnende Periodenüberschuss lag deshalb mit 546 Mio. Euro unter dem Ergebnis des ersten Quartals 2021 (654 Mio. Euro).

APA

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