Wien Energie erwartet heuer weiteren Gewinneinbruch

2. Mai 2022, Wien
Wien Energie-Geschäftsführer Michael Strebl
 - Wien, APA/HANS PUNZ

Wegen der volatilen Energiemärkte mit enormen Preissprüngen geht die Wien Energie für heuer von einem weiteren Gewinnrückgang aus. Im Vorjahr sank das Nettoergebnis um 61 Prozent auf 140 Mio. Euro, obwohl die Umsätze um 56 Prozent auf 3,042 Mrd. Euro kletterten. Weiter ausbauen will man die Erneuerbaren Energien, um den Gaseinsatz zu reduzieren. 2040 soll der Wärmebedarf Wiens zu über der Hälfte aus Fernwärme gedeckt werden, diese selbst zu 100 Prozent klimaneutral sein.

„Ich gehe für 2022 noch einmal von einer Ergebnisverschlechterung aus“, sagte Michael Strebl, der Vorsitzende der Geschäftsführung, am Montag vor Journalisten. 2021 habe man den Gaseinsatz mengenmäßig um 28 Prozent gesenkt, dafür aber das Doppelte bezahlen müssen. Falls nötig, könnte man beim Einsatz in Kraftwerken rasch switchen: „Wir haben vier Heizwerke, wo wir das Gas durch Öl ersetzen können“. Im Kraftwerk Wien-Simmering könne man auch mit Biomasse fahren.

Zu „Spekulationen“ über Auswirkungen auf die Energiekundenpreise wolle er sich „nicht hinreißen lassen“, so Strebl, weil die Märkte sehr volatil seien. Gas hat man bereits per 1. Februar verteuert, Strom mit 1. Jänner. „Wir beobachten die Märkte sehr genau. Wichtig ist, dass wir uns aus der Abhängigkeit von Erdgas herausinvestieren.“ Bei Fernwärme sei die Wien Energie zu circa 60 Prozent von Gas abhängig, bei Strom noch etwas stärker. Für Energiekunden mit Zahlungsproblemen gebe es Ratenvereinbarungen, nach den coronabedingten Schwankungen mit 35.000 Abnehmern wieder in einem normalen Maß.

In den fünf Jahren 2022 bis 2026 will die Wien Energie 1,29 Mrd. Euro investieren, davon eine Milliarde Euro für den Gas-Ausstieg. Konkret sollen 48 Prozent der Milliarde in Wärme-Projekte fließen und 26 Prozent in den Erneuerbaren-Ausbau. Von den für heuer geplanten 164 Mio. Euro sind drei Viertel für „Raus aus Gas“ gedacht, so Strebl, nämlich u.a. 35 Prozent für den Fernwärme-Ausbau, für die Großwärmepumpe ebs wien sowie für das Erdwärmeprojekt GeoTief Wien, 31 Prozent für den Erneuerbaren-Ausbau, konkret die Errichtung von weiteren 61 PV-Anlagen, den Zukauf von Windparks und den Windpark-Projektstart Trumau.

2021 hat die Wien Energie insgesamt 1.260 Gigawattstunden (GWh) Ökostrom erzeugt, was dem Bedarf von umgerechnet 630.000 Wiener Haushalten entspricht. Davon wurde mit 77,5 GWh fast zweieinhalb mal so viel Solarstrom produziert wie 2020 bzw. fünfmal so viel wie 2018. Aktuell ist man in Österreich der führende Photovoltaik-Betreiber mit rund 320 Anlagen und einer installierten Leistung von über 85 Megawatt (MW).

Bei PV hat man derzeit 400 Projekte für 600 MW Leistung in einer näheren Analyse. „Im Lauf des Jahres will Wien Energie jedenfalls die 100-MW-Grenze an installierter PV-Leistung sowie 200 MW bei der Windkraft knacken“, so Wien-Energie-Geschäftsführer Karl Gruber. In drei bis vier Jahren soll die erste Wärme aus geothermischen Quellen (aus mehreren Kilometern Tiefe) ins Netz eingespeist werden. Erdwärme soll künftig stark an Bedeutung gewinnen. Mittel- und längerfristig im Blick hat man auch Wasserstoff.

APA

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