OPEC: Krieg dämpft Konjunktur und Ölverbrauch noch stärker

12. Mai 2022, Wien/Moskau/Kiew (Kyjiw)

Wegen des Kriegs von Russland gegen die Ukraine hat die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) ihre Konjunktur- und Ölverbrauchsprognosen weiter abgesenkt. Die Weltwirtschaft sieht sie 2022 nur um 3,5 Prozent wachsen gegenüber 3,9 Prozent vor einem und 4,2 Prozent vor zwei Monaten. Die globale Ölnachfrage dürfte um 3,4 Mio. Barrel pro Tag steigen, so die OPEC am Donnerstag. Vor einem Monat rechnete sie mit 3,7 Mio. Fass Plus im Tag, vor zwei mit 4,2 Mio. Fass im Tag.

Die Welt-Ölnachfrage erwartet die OPEC nun bei 100,3 Mio. Fass täglich, vor einem Monat waren es noch 100,5 Mio. Barrel im Tagesschnitt. Als Gründe für die Konjunkturabschwächung nennt sie den Krieg, Covid-19, Inflation und Lieferprobleme.

Die geopolitischen Spannungen in Osteuropa und ihre Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, insbesondere in Europa, würden andauern, so die Ökonomen der Öl-Organisation. Die weltweite Inflation sei weiter angestiegen, sodass die geldpolitische Straffung weiter gehe. Neben den USA und Großbritannien wird dazu auf die erwartete Straffung auch durch die EZB in der Eurozone verwiesen. An das Leben mit der Pandemie habe sich die Welt zwar gewöhnt, sie wirke sich aber weiter auf die Konsumgewohnheiten der Verbraucher aus. Zudem wachse die Verschuldung großer Volkswirtschaften bei steigenden Zinsen bzw. selektiv steigenden Anleiherenditen, was die Refinanzierung erschwere, heißt es im neuen Monatsbericht für Mai.

Für den Euroraum rechnet die OPEC nur noch mit 3,1 Prozent Wirtschaftswachstum im heurigen Jahr, vor einem Monat sah sie noch 3,5 Prozent Anstieg. Ebenso nach unten revidiert wurden die BIP-Prognosen für die USA von 3,8 auf 3,2 Prozent, für China von 5,3 auf 5,1 Prozent und für Indien von 7,2 auf 7,1 Prozent. Russlands Wirtschaft sehen die OPEC-Ökonomen heuer nun um 6 Prozent schrumpfen statt prognostizierten 2 Prozent Minus vor einem Monat und tatsächlich 4,7 Prozent Anstieg im Vorjahr.

Vom Ölverbrauchszuwachs von im Schnitt 3,4 Mio. Barrel pro Tag im Jahr 2022 sollen laut OPEC 1,8 Mio. Fass täglich auf die OECD-Mitglieder mit 46,5 Mio. Barrel pro Tag und 1,6 Mio. Fass pro Tag auf den Nicht-OECD-Raum mit 53,8 Mio. Fass pro Tag entfallen. Für 2021 hat die OPEC die 5,7 Mio. Barrel pro Tag Verbrauchszuwachs (auf 96,9 Mio. Barrel täglich) bestätigt.

Im April betrug die weltweite Rohölförderung dem Bericht zufolge nach vorläufigen Angaben im Schnitt 98,74 Mio. Barrel täglich, um 0,77 Mio. Fass weniger als im vorangegangenen Monat März.

Die OPEC-Mitgliedsländer förderten im April laut Sekundärquellen im Schnitt 28,65 Mio. Fass täglich, etwas mehr als im März (28,50 Mio. Barrel/Tag). Gut ein Drittel davon stellte wie üblich der größte OPEC-Produzent Saudi-Arabien mit 10,35 Mio. (nach 10,22 Mio.) Barrel pro Tag, gefolgt vom Irak mit 4,41 (4,30) Mio. Fass täglich. Libyen, wo auch die OMV stark vertreten ist, kam demzufolge im April im Schnitt auf 0,91 (1,07) Mio. Barrel pro Tag, erstmals seit längerem weniger als eine Million Fass pro Tag.

APA

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