Chemieindustrie bremst bei Klima-Vorschriften

13. Mai 2022, Wien
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Die Chemieindustrie in Österreich mahnt beim Klimaschutz ein Drosseln des Tempos ein. „Wir würden uns wünschen, dass es vielleicht jetzt einmal ein Innehalten gibt“, sagte Fachverbandsobmann Hubert Culik. Er forderte am Freitag in einer Pressekonferenz unter anderem ein Verschieben des mit Juli startenden CO2-Preises. Dieser betrifft jene Chemiefirmen, die nicht vom EU-Emissionshandelssystem erfasst sind. Auch das EU-Klimaschutzpaket „Fit for 55“ fordert die Branche heraus.

„Jede und jeder von uns atmet gerne frische Luft, schwimmt gerne in sauberen Seen und jede und jeder möchte, dass unsere Kinder in einer Welt leben, die das 1,5-Grad-Ziel erreicht, aber die nun erschwerten wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen verlangen von uns, dass wir über Prioritäten und Reihenfolgen neu diskutieren“, sagte Fachverband-Stellvertreter Ulrich Wieltsch.

Die CO2-Neutralität etwa sei wichtiger geworden, „da werden wir wesentlich schneller sein müssen“, so Wieltsch. Bei grünem Strom sei Österreich zwar relativ gut, müsse aber noch wesentlich besser werden, um die Ziele des Green Deals der Europäischen Union zu erreichen. Beim Chemikalienrecht sollte es hingegen langsamer zugehen, da manche Stoffe für die Energiewende gebraucht würden.

Die Chemieindustrie stößt pro Jahr 4,5 Mio. Tonnen Kohlendioxid aus, das sind etwas mehr als fünf Prozent des österreichischen CO-Ausstoßes. Wie Culik ausführte, stehe die Industrie vor dem Paradoxon, mehr fossile Rohstoffe zu brauchen, um von fossilen Rohstoffen wegzukommen. Außerdem brauche es die Chemie, um Batterien für Elektroautos zu bauen, oder um Photovoltaik-Paneele und Windräder zu beschichten. Selbiges gelte für Dämmstoffe.

Kritik übte der Chemie-Fachverband an den Fristen für die Genehmigung neuer Windräder und daran, dass in manchen Bundesländern gar keine Windräder stehen. „Wenn wir so weiter tun, wird es sich nicht ausgehen“, sagte Culik mit Blick auf die Verfahren. Große Hoffnungen setzt er in das Abscheiden von CO2, um es für Kunststoffprodukte zu nutzen.

Die Vorstellung, den gesamten Energiebedarf der chemischen Industrie in Österreich klimaneutral erzeugen zu können, lasse sich aber ohnehin nicht verwirklichen. Dafür bräuchte Österreich 12.000 Windräder, ein Sonnenkraftwerk so groß wie Wien und 50 Mal das Wasserkraftwerk Freudenau, meinte Wieltsch. Um den Energiebedarf erneuerbar decken zu können, brauche man beispielsweise die Sonne in Spanien.

Die Chemieindustrie hat beim Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) eine Studie zur Transformation beauftragt. Wifo-Ökonom Franz Sinabell hat mit seinem Team rund 50 Chemieunternehmen in Österreich befragt. Ein Zielkonflikt sei, dass die Firmen trotz aller Effizienzbemühungen mit einem steigenden Energiebedarf rechnen, dass viele aber bereits sehr konkret an Lösungen arbeiteten und investierten, jedoch auch die öffentliche Infrastruktur, Stichwort Stromnetz, mithalten müsse. Weiters biete der Green Deal etwa beim chemischen Recycling auch Geschäftschancen.

APA

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