Unsicheres Erdgas: Jetzt boomt die Nahwärme

27. Mai 2022

Nahwärme in Vorarlberg

Schwarzach Biomasseheizwerke waren in Vorarlberg schon einmal in Mode, jetzt feiern sie ein Comeback, das dem Klimawandel und dem Gasentpass und dem Wunsch nach Versorgungssicherheit Rechnung trägt. Nach einer anfänglichen Euphorie kam für viele Betreiber von Blockheizkraftwerken und den dazugehörigen Nah- und Fernwärmenetzen in den letzten Jahren oft die Ernüchterung: Das Geschäft mit regional produzierter Energie rechnete sich in vielen Fällen nicht.

Investitionen

Ein entsprechend großes Netz mit vielen Abnehmern aus der Wirtschaft wie privat macht die Sache lukrativer, allerdings sind dafür auch die Investitionen beträchtlich. Um das zu stemmen, suchten sich in Vorarlberg schon mehrere Fernwärme-firmen und -genossenschaften Partner unter den Energieerzeugern und wählen dabei nicht unbedingt die naheliegendste Lösung.

Das tut auch die Gemeinde Lustenau nicht, die heute, Mittwoch, ihre Biofernwärmepläne vorstellt. Die Kelag, Kärntner Gegenstück zu illwerke vkw, baut in Lustenau ein Biomasseheizwerk und das Fernwärmenetz, die Rauch LFL als hiesiger landwirtschaftlicher Dienstleister beschafft auf lokalem Weg die Biomasse. Die Kelag ist im Land nicht unbekannt. Sie hält seit 2021 bereits 75 Prozent an der Bionahwärme Lauterach. Das Unternehmen betreibt in Österreich 85 Fernwärmenetze und rund 900 Heizzentralen und  verkauft pro Jahr rund 1,8 Milliarden kWh Wärme.

Nahwärme forciert

Auch für illwerke vkw ist das Thema Nahwärmeversorgung auf Basis Biomasse von großer Bedeutung. „Schon vor zwei Jahren wurde die Strategie dahingehend angepasst, dass auch im erdgasversorgten Gebiet Nahwärmeanlagen forciert werden“, erklärt Konzersprecher Andreas Neuhauser. So soll im Wärmebereich in den städtischen Ballungszentren Erdgas substituiert werden. Zu diesem Zweck plant die illwerke vkw die Errichtung von Fernwärmeheizwerken auf Basis Biomasse in Bregenz/Wolfurt und Bludenz/Bürs. Erreichtet wird auch ein Heizwerk in Latschau. Zudem ist der Energieversorger an Biomasse-Heizwerken in Alberschwende, Bezau, Damüls, Egg/Schetteregg, Lech und Mellau beteiligt.

Für Michael Braun von Energieinstitut ist die Fernwärme ein wichtiger Teil der Energiestrategie, der auch für mehr Unabhängigkeit sorgt. Informationen und ein Interessenbekundungsformular sind auf der Homepage des Energieinstituten zu finden. VN-sca

140 Anlagen sind in etwa in Betrieb, vom sehr kleinen Netz bis zur Versorgung ganzer Ortszentren. 300 Gigawattstunden (GWh) Wärme werden abgegeben – 490 GWh ist das Ausbauziel. 10.000 Gebäude werden derzeit in Vorarlberg über Nah- bzw. Fernwärmenetze versorgt.

Vorarlberger Nachrichten

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