OMV-Vorstand und Aufsichtsrat gegen HV-Entlastung für Seele

3. Juni 2022, Wien
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Aufsichtsrat und Vorstand der OMV haben sich dagegen ausgesprochen, dem früheren OMV-Chef Rainer Seele bei der heutigen Hauptversammlung die Entlastung für das Geschäftsjahr 2021 zu erteilen. Ursprünglich war geplant gewesen, den gesamten Vorstand zu entlasten. Mit dieser Entscheidung wolle man das Ergebnis laufender Untersuchungen aber nicht vorwegnehmen, sagte Aufsichtsratschef Mark Garrett am Freitagnachmittag in der Hauptversammlung.

„Rückblickend müssen wir feststellen, dass die getätigten Investitionen in Russland nach 2015 auf zu großem Vertrauen in Russland und Russlands Rolle in der internationalen Gemeinschaft gestützt waren“, zog Garrett Bilanz über die Russland-Strategie des früheren Vorstandschefs Seele.

„Der Vorstand und der Aufsichtsrat möchten allerdings ausdrücklich betonen, dass diese Entscheidung auf Basis des derzeitigen Informationsstandes getroffen wurde, das Ergebnis laufender Untersuchungen selbstverständlich nicht vorwegnimmt und daher auch eine nochmalige Befassung der Hauptversammlung zu diesem Thema naturgemäß möglich bleibt“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Mark Garrett am Freitagnachmittag bei der Verlesung der Tagesordnungspunkte.

Ursprünglich hatte der Beschlussantrag auf der Tagesordnung gelautet: „Der Vorstand und der Aufsichtsrat schlagen vor, den im Geschäftsjahr 2021 amtierenden Mitgliedern des Vorstands die Entlastung für diesen Zeitraum zu erteilen.“ Dieser Antrag wurde kurzfristig geändert, nun soll nur den anderen Vorstandsmitgliedern die Entlastung erteilt werden.

„Der 24. Februar ist ein geschichtlicher Wendepunkt“, sagte Garrett. Er markiert das Ende des Vertrauens in einen wichtigen politischen und wirtschaftlichen Partner.“ Nicht nur die österreichische und europäische Politik, sondern auch die OMV „hat der russischen Politik ein Vertrauen entgegengebracht, das sich als nicht gerechtfertigt erwiesen hat“.

Die Investitionen in Russland nach 2015 „waren ex post betrachtet ein Fehler“, sagte Garrett. „Wenn wir nun im ersten Quartal 2022 zwei Milliarden Euro wertberichtigen müssen, müssen alle Beteiligten aufhören zu versuchen, die Entscheidungen zu verteidigen. Man kann nicht schönreden, was nicht schönzureden ist.“

Man wolle nicht Partnerunternehmen für die politische Entwicklung verantwortlich machen, aber das Engagement in Russland deutlich herunterzufahren, so der AR-Vorsitzende. Die Wertberichtigungen in Russland seien „schmerzhaft, aber leistbar“.

Der Aufsichtsrat stehe hinter der Entscheidung des Vorstands, keine Investitionen mehr in Russland zu tätigen. „Die Verantwortung für die Versorgungssicherheit in Österreich und anderen Teilen Europas gebietet aber, die langfristigen Gaslieferverträge einzuhalten.“

APA

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